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    <title>In denselben Fluss (Erzählungen, Kurzgeschichten, Roman in progress...) : Rubrik:Song Storys</title>
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    <description>Erzählungen, Kurzgeschichten, Roman in progress...</description>
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    <title>In denselben Fluss</title>
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    <title>Song Sory #7: Fabulöse Muskeln</title>
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    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;241&quot; alt=&quot;IMGP1913-cropped&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/IMGP1913-cropped.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Es gibt zwei&lt;/b&gt; Arten von Dystrophinopathien (Muskelschwund): Duchenne und Becker-Kiener. Duchenne geht schneller, bei Becker-Kiener können manche mit vierzig noch selber laufen. D hatte eine schleppende Variante von Duchenne. Die Ärzte unterstellten zunächst, es sei Becker-Kiener, und er amüsierte sich die ersten Jahre seiner Pubertät damit, an jedem Samstagmittag abzuschätzen, über wieviele Frauen er bis vierzig noch rüberkäme. Aber als mit vierzehneinhalb klar wurde, dass es Duchenne war, lohnte es sich nicht einmal, die Prognosen noch nach unten zu korrigieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Tag mit der Entjungferung des Spaniels war kurz vor oder kurz nach dieser endgültigen Diagnose. Kurz davor oder kurz danach  die Ereignisse ändern ihre Bedeutung, je nachdem, wie man sie terminiert. A würde das Wort &lt;i&gt;terminiert&lt;/i&gt; gut gefallen. Er mag Exaktheit, auch in persönlichen Dingen. Ich versuche, diesmal so exakt wie möglich zu schreiben: um seinetwillen, und weil da offenbar diese starke Ähnlichkeit zwischen mir und D ist, wenn ich ihm glaube - so stark, daß ich hätte dabeigewesen sein können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Robin feierte seinen vierzehnten Geburtstag  oder besser, er wurde gefeiert, denn ohne Wissen ihres Sohnes, der erst seit kurzem auf das Vorstadtgymnasium ging und nicht gewagt hätte, jemanden einzuladen, hatten seine Eltern alle Jungen aus der Klasse angerufen, deren Namen ihm in den vergangenen Wochen entschlüpft waren. Was eine explosive Mischung ergab: Man erzählt von denen, die man mag, denen, die man haßt, und versehentlich von denen, vor denen man Angst hat. D gehörte eigentlich in keine der Gruppen. Er wohnte zufällig um die Ecke. Robins Schwester hatte die beiden auf dem Rückweg beim Nebeneinanderherschlendern entdeckt und das als sich anbahnende Kameradschaft weitergemeldet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A konnte man dagegen am ehesten von allen als Robins Freund bezeichnen. Oder als das, was man noch sein kann, wenn ein anderer alle tiefen und intensiven Gefühle von Freundschaft ausschließlich für sich reklamiert. D war wohl gekränkt (er war immer schon einmal vorsichtshalber gekränkt und überließ es seinem Gegenüber, ihn davon zu überzeugen, daß es keinen Grund dazu gab). Doch es lag nicht in seinem Wesen, einfach dagegen zu protestieren, daß A sich mit Robin einließ. Er dachte sich etwas Phantasievolleres und Gemeineres aus.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;90&quot; alt=&quot;RM5&quot; width=&quot;300&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/RM5.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Geburtstagspartys, die Eltern ausrichten, pflegen Vierzehnjährige in einen Abgrund von Peinlichkeit zu stürzen. Robins Mutter hatte zweifellos getan, was eine wohlmeinende (und gar nicht altmodische) Mutter in dieser Sache zu tun vermochte. Zwei sehr unterschiedliche Kuchen teilten sich den auf beiden Seiten ausgezogenen Eßzimmertisch  ein eher kindlicher mit einem &lt;i&gt;Häppie Börsdäh&lt;/i&gt;  aus Smarties, Zuckergußkringeln und Kerzen und ein erwachsener, aus dessen herrenschokoladenbraunen Rillen eine bittere Flüssigkeit triefte. Die Thermoskanne war mit Kaffee gefüllt, während sich der Pfefferminztee unauffällig neben dem Geschenkberg versteckte. Jeder trug ein T-Shirt mit einem Foto, wo Robin die Zunge rausstreckte (Bilder im Copyshop auf Klamotten drucken zu lassen war damals der letzte Schrei)  und für sich und ihren Mann, der gegen sieben von der Arbeit heimkam, hatte die Frau mit einer geradezu heroischen Demut Plätze in einem Cabaret reserviert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bis dahin vergingen vier Stunden, in denen Robin ein paar Dutzend Tode starb. Mit auf die Brust geklemmtem Kopf saß er stumm am Ende der Tafel, gab, wenn seine Mutter ihn direkt ansprach, patzige Antworten und trug dazu bei, daß die Fröhlichkeit der Gäste wider Willen einen aggressiven Charakter annahm. Als Robins Vater, noch im Angestelltenanzug, eine Videocassette in den Rekorder schob und ein paar hübsche Szenen aus den Tagen, wo er noch ein süßer kleiner Engel war versprach, legte D dem heulenden Geburtstagskind die Finger um den Hals und zog ihn zu sich heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich persönlich bin nur gekommen, um dich nackt auf dem Wickeltisch zu sehen, hauchte er Robin ins Ohr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Robin lief rot an und trat versehentlich dem Cockerspaniel auf die Pfote, der sich unter seinem Stuhl zusammengerollt hatte. Mit einem Winseln sprang das Tier auf und flitzte aus dem Zimmer. Nebenan hörte man ein scharfes Scharren auf dem Kachelboden der Küche. Dann ein Bellen, schon draußen oder mehrere Zimmer entfernt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Babyfilme, von Super-8 auf VHS kopiert, waren eher belanglos: Kleinkind gleicht Kleinkind, bis auf ein paar winzige Differenzen in der Verteilung der Niedlichkeiten. Die unübersehbare Langeweile des Publikums schien Robin weiter zuzusetzen, aber wirklich wütend wurde er, als die Dokumentation plötzlich einen Sprung machte und ein neun- oder zehnjähriger Blondschopf in Unterhose auf seinem zu klein gewordenen Kinderbett mit Hanteln trainierte. Das johlende Gelächter, das ausbrach, riß den Rest Selbstbeherrschung zwischen seinen verspannten Schultern heraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mach das aus, verdammt nochmal! herrschte er seinen Vater an, der sich wenig beeindruckt zeigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Rücken liegend, halb in die butterweiche Matratze versunken, mit angezogenen Beinchen, stemmte der vergangene Robin die Gewichte in die Höhe. Er blies dabei die Backen auf, als ob es ihn enorme Anstrengung koste. Die violetten Hanteln waren außen aus Plastik. Sie mochten leicht oder schwer sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geil, murmelte D und rückte mit dem Stuhl dichter an den Bildschirm heran.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Guckt mal, seine unglaublichen Bizepse, hänselte irgendwer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D, der wie hypnotisiert das Auf und Ab des ernsthaft pumpenden, zwischendurch manchmal schräg zur Seite lachenden Möchtegernathleten verfolgte, drehte sich irgendwann um, packte Robin wieder auf dieselbe seltsame Art am Hals und zischte ihm etwas zu. A behauptet, es als einziger verstanden zu haben. Er meint, es sei auch hauptsächlich für ihn gedacht gewesen. A war das eigentliche Sport-As der Klasse und unter den zögernd reifenden Körpern der Jungen der mit den ausgeprägtesten Muskeln und der männlichsten Stimme. Ich gebe daher seine Überlieferung der Worte wieder  sie klingen, so direkt aufgeschrieben, wie ein rauhes, obszönes Gedicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Verbrenn mich, nachdem du auf meine Lippen abgespritzt hast, &lt;br /&gt;
Honigjunge. Pack die Asche in einer Vase&lt;br /&gt;
unter deine Workout-Bank!&lt;/i&gt;

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
***&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;90&quot; alt=&quot;RM3&quot; width=&quot;300&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/RM3.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;b&gt;Man kann es&lt;/b&gt; der Wirkung des Cognacs im Kuchen zuschreiben (von dem Smartiesexemplar war mehr als die Hälfte übriggeblieben). Oder dem Verschwinden der Eltern, das so deutlich merkbar wurde, weil sie es selbst offen aussprachen: Wir lassen euch jetzt allein. Robins Mutter fügte noch hinzu: Tut nichts, was ich nicht auch tun würde!  Das lange Schweigen, das ihr Abgang mit einem Streif Parfüm in der Eingangshalle zurückließ, war angefüllt mit Spekulationen darüber, was diese bemerkenswerte Frau in ihrem Samtrock und den hohen Stiefeln zu tun imstande sein würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Robins Schwester nutzte die Gelegenheit und verzog sich mit einem Na, dann auf ihr Zimmer. Lediglich der Hund traute sich vorsichtig in die Mitte der Jungen, die ratlos, irgendwie objektlos aufgeregt auf den kalten Fliesen herumstanden. Niemand unternahm etwas, als D sich auf ihn stürzte. Alle waren wie gelähmt. Auch das Tier verstand lange Zeit nicht, worum es ging. Tiere verfügen ja angeblich über scharfe Instinkte, die ihnen verraten, was ein anderer im Schilde führt, auch wenn sie die Umstände nicht verstehen. Aber dieser Spaniel  er hieß Maurice oder Morris  war entweder trottelig oder einfach zu zahm.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir zwei machen jetzt zusammen einen wichtigen Schritt im Leben, sagte D, während er Maurice oder Morris mit den Armen vom Boden aufhob und an seine Brust drückte. Er warf Robin einen vielsagenden Blick zu. Du und ich  ich bin mir unsicher, aber ich fürchte, daß es heute einfach passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit trug er den Hund aus dem Raum, die Treppe neben dem Durchgang zur Küche hinauf. Die Gruppe reagierte erst, als oben eine Tür zuschnappte und ein Schlüssel sich zweimal im Schloß herumdrehte und sich laut dagegen wehrte, noch weiter gedreht zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war die Klotür, sagte Robin in einem erklärenden Tonfall.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laß mal hochgehen, warf A ein, nachdem die allgemeine Unschlüssigkeit sich in ein Gebrabbel auflöste und Worte wie Irrer..., ..jedesmal..., ...Flasche, ...Schränke die Kontrolle übernahmen. Die meisten schlichen ihm nach in die obere Etage, wo sie sich einen überraschend schmalen Flur entlangzwängten. Vom Ende her drangen ihnen gedämpfte Musik und das Klappern von Tasten entgegen. Ehe Robin Da!  die mit dem Schild mit dem Leuchtturm und der kackenden Möwe! rufen konnte, sagte Ds Stimme von links etwas wie &lt;i&gt;nein&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;rein&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;Bein&lt;/i&gt;, und es jaulte leise.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seid ihr da drin? Bist du da mit dem Köter drin? A drückte die Wange an die Tür.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offensichtlich, kommentierte ein Kicherer von hinten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A klopfte. Mach mal auf. Mach keinen Scheiß  hörst du?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn das D war, der sprach, schien er jedenfalls nicht mit ihnen zu sprechen. Das Licht ging aus, und alle spitzten reflexartig die Ohren. Sein Wispern kroch in Bodennähe wie auf der Suche nach einem Artgenossen umher. Diese Sanftheit  sie konnte kaum etwas anderes als den Auftakt oder das zärtliche Verwischen von etwas Brutalem bedeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Licht ging wieder an. A hämmerte mit dem Ellenbogegen gegen das Holz, worauf das Porzellanschild mit dem Leuchtturm und der Möwe herunterfiel. Ihr Zerspringen lieferte den übrigen eine Rechtfertigung, auf einmal alle möglichen, mehr oder weniger sinnlosen Dinge zu tun: Mehrere Fäuste kamen As Arm zur Hilfe  Drohungen und gut gemeinte Ratschläge wurden durcheinandergerufen  jemand versuchte den Schlüssel mit einem Kaugummidocht zu bewegen  jemand säuselte lockend den Namen des Hundes... Die Hysterie der Gruppe verselbständigte sich wie eine riesige Version des Weberknechts, der unter dem Türspalt hervorgekrabbelt kam und den ein nackter Fuß mit angeekelt hochgezogenen Zehen zertrat. Er gehörte Robins Schwester.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was zum Teufel ist denn hier los?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie zur Antwort auf die Frage oder die plötzlich entstandene Stille drehte sich langsam der Schlüssel im Schloß.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;90&quot; alt=&quot;RM2&quot; width=&quot;300&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/RM2.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Als ins Badezimmer platzte, wer reinkam, lag D auf dem Boden, der Reißverschluß seiner Hose stand offen. Der Hund wetzte kläffend zwischen den Beinen durch und davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Halts Maul, hats Maul, halts Maul, flüsterte A fast unhörbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
D schüttelte sachte den Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fühle mich wie etwas, was nur aus Flügeln besteht. Vorsicht  nicht die Balance zwischen oben und unten verschieben!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein irrsinniges Grinsen zog sein Gesicht über alle Maßen ins Schräge. Oder wenn er einen Irren imitierte, gelang ihm das deutlich zu gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo ist der Hund? schnauzte A ihn an, obwohl ihm klar sein mußte, daß D darauf keine Antwort zu geben hatte. Die Frage wurde wie unter Soldaten weitergegeben, aber es klang wie Stille Post, und als es von unten heraufschallte, er sei nirgends zu finden, hätte man wetten wollen, daß sie dort nach etwas ganz anderem suchten, einem Ding, das wie die entstellte Version des Wortes &lt;i&gt;Hund&lt;/i&gt; hieß, und ich erschauderte unter der Vorstellung eines Wesens, das aussah wie ein verunstaltetes Wort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand reichte mir die Cognacflasche. Ich hockte mich neben D. Er schlug den Hals weg und bespuckte lachend meine Hand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Er&lt;/i&gt; soll mich tränken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er zeigte auf A.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gib her!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A ließ sich die Flasche geben und führte die Öffnung an das spöttische Oval, über dem ein paar Härchen sich schimmernd im Spiegelschranklicht aufstellten. Kurz bevor der Glasrand dazwischen verschwand, zog D mit einem Ploppen den Kopf zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht so. Er schenkte uns anderen ein theatralisch schamhaftes Blinzeln, als gebiete der Anstand, die beiden allein zu lassen. Er sagte zu A: Mit dem Mund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
A war nie ein besonders geduldiger Mensch. Ich habe ihn gegenüber einem Mädchen mal als jemanden beschrieben, der ständig kurz davor ist, sich selbst zu überholen, und nur nie richtig an seinen breiten Schultern vorbeikommt. Aber es gibt Augenblicke, in denen sein Geduldsfaden mit einer Heftigkeit reißt, die so explosiv ist, daß sie fast einstudiert wirkt. Wie er hart klackend den Flaschenhals ansetzte, einen tiefen Schluck nahm, sich vornüberbeugte, mit der freien Hand D am Hals packte und seine Lippen auf die des Freundes preßte  wie er das brennende Zeug bis zum letzten Tropfen in Ds zurückgebogene Gestalt hineinpumpte und erst abließ, als dessen halbgeschlossene Fäuste ihn auf die Ohren zu schlagen begannen  ich (und wohl nicht nur ich) hatte den Eindruck, er führe etwas aus, was seit langen Jahren in ihm gewartet haben mußte. Niemand zeigte das geringste Zeichen der Verblüffung. Der einzige Überraschte war D.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So, und jetzt komm hoch, Memme!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich kann nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich kannst du, du Spinner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Beine gehorchen mir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgte eine zähe Verhandlung, bei der bald niemand mehr einschätzen konnte, was glaubhaft und was unglaubhaft war. D beharrte auf seiner Behauptung, er sei unfähig aufzustehen. A versuchte herauszufinden, zu welchen Bedingungen er sie aufgeben würde. Schließlich ging es nur noch darum, irgendetwas zu tauschen  ein paar Zentimeter Richtung Tür gegen das Versprechen, ihm nie wieder zu wenig Beachtung zu schenken, ein paar vernünftige Worte gegen einen zweiten Kuß (ohne Cognac), ein Stück von der Wahrheit über die Aktion mit dem Hund gegen As T-Shirt, das nach seinem sauerscharfen Schweiß roch und große dunkelrote Flecken unter den Achseln hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da alles nichts half und D an der absurden Steigerung ihrer Gebote so sehr Gefallen fand, daß er verlangte, der Hund müsse auch mitspielen, erteilte A den Befehl, ihn aufzuheben und nach unten zu tragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Robin, der plötzlich neben mir auftauchte, faßte mit an, A selbst griff unter die andere Schulter, und zusammen zogen sie ihn hoch, bis seine Knie auf den Kacheln aufsetzten. D leistete keinerlei Widerstand. Er zappelte nicht, sondern spreizte nur die Finger wie jemand, der erstaunt ist, daß das Gefühl langsam in seine tauben Glieder zurückkehrt. Aber die Beine blieben schlapp, und er mochte oder konnte nicht laufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast es nicht anders gewollt, sagte A. Dann schleppten sie den Körper durch die schmale Gasse der anderen, die ihre Rücken an die Wand und ans Geländer drückten, zur Treppe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehst du die Stufen? fragte A.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich glaube, ich habe ihn wirklich gefickt, sagte D. Ich könnte niemals eine solche arme, wehrlose Kreatur ficken  dachte ich. Bis heute. Er grinste. Buddha ist ein getrockneter Haufen Scheiße auf deinem Weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Knie und Füße polterten furchtbar über die hölzernen Treppenstufen, als sie ihn hinunterschleiften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Eltern fanden den Spaniel bei ihrer Rückkehr in der Garage. Er hatte sich an der Rückwand schlafen gelegt, und im grellen Schein der holpernden Scheinwerferkegel sprang seine gelbe Silhouette ihnen entgegen wie das Spiegelbild eines Vampirs, den die Sonne verbrennt.

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;90&quot; alt=&quot;Kleinhirn&quot; width=&quot;300&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/Kleinhirn.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;

Der Song zur Story:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;300&quot; height=&quot;340&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://media.imeem.com/pl/RUQolv0-TQ/aus=false/&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;wmode&quot; value=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://media.imeem.com/pl/RUQolv0-TQ/aus=false/&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; width=&quot;300&quot; height=&quot;340&quot; wmode=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;a href=&quot;http://www.imeem.com/people/WxY-kPZ/playlist/8Luz8hlM/xiu_xiu_music_playlist/&quot;&gt;Xiu Xiu&lt;/a&gt;&lt;/object&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/topics/Song+Storys&quot;&gt;Song Storys&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2007-11-09T13:48:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/2454699/">
    <title>&lt;span style=&quot;color: #000099&quot;&gt;Song Story #1:&lt;/span&gt; Die Leben...</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/2454699/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;311&quot; alt=&quot;n002&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/n002.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Die Leben anderer&lt;/b&gt; Leute sind interessanter, weil sie nicht meins sind, dachte Maus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der einzige Ausweg bestand offensichtlich darin, das eigene Leben loszuwerden oder das loszuwerden, was machte, daß er sein eigenes Leben als seins empfand, aber das letztere wirkte kompliziert und wenig aussichtsreich, und daher ließ er sich in den fellbespannten Fahrersitz des alten Opel fallen, setzte rückwärts mit zu früher Kupplung aus der Garage und fummelte am Radioregler.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer der weniger furchtbaren Sender spielte Musik für die Autobahn (Das ist Highway-Emocore!  er drehte lauter), also schlug er den Weg Richtung Autobahn ein und profitierte so zum ersten Mal seit vierzehn Jahren davon, nah an einer Autobahnauffahrt zu wohnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Autobahn lag leer und regennaß unter einem eher beliebigen Himmel. Maus war es recht. Er trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch, ließ den Tempomat einrasten, kreuzte die Beine im Schneidersitz, riß die Nackenstütze heraus, legte den Kopf zurück, schloß seine Augen und begann entspannt von Hundert rückwärts zu zählen. Seine Jugendliebe N. aus San Diego nannte das &lt;i&gt;curve intuition&lt;/i&gt; (es gab ein gleichnamiges Computerspiel, das bei schlechter Intuition einen erhabenen Crash produzierte: der Spieler konnte auf dem Bildschirm sehen, wie sein Körper in metallisch schimmerndem 3D inmitten eines Splitterregens durch die Windschutzscheibe hochgeschleudert wurde, er stieg dreißig Meter über die Straße, überschlug sich in der Luft, schwebte für ein Rückenatmen wie ein zwischendurch vergessener Gedanke über den explodierenden Trümmern des Wagens, fand mit einem hübschen kleinen &lt;i&gt;uiirp&lt;/i&gt; den Anschluß an die Schwerkraft wieder und stürzte in einem grandiosen Finish durch Wolken aus ölschwarzem Rauch in die lodernden Flammen  es war fast unmöglich, auf Gewinn zu spielen, weil die Grafik beim Verlieren einfach zu sehr faszinierte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maus fühlte also die Straße mit ihren sanften Schwüngen und kurzen Unebenheiten. Seine Ohren sogen durch den Fensterspalt das &lt;i&gt;Wuong!-Wuong!-Wuong!&lt;/i&gt; des Windes ein, der sich an der Lärmdämmung brach und das Wageninnere in Rückkopplungswellen durchpulste. Wie ein Echolot zeigten die feinen Veränderungen in der Vibration den Verlauf der Fahrbahn. Maus gelang das Blindfahren so gut, daß er anfing, mit den Füßen zu lenken. Das war nicht so schlecht. Es machte das Leben nicht unbedingt lebenswert (es blieb beispielsweise diesseits eines richtigen Orgasmus und ganz sicher diesseits von Liebe), aber es versprach, die Sache kurzweilig und rasch zu Ende zu bringen, und wenigstens gab es hier um drei Uhr nachts auf einer Autobahn, die nach Nevada oder zur dänischen Grenze führte, keine anderen, deren Leben seinem in die Quere kam. Maus fühlte sich angenehm von Vergleichen befreit und war kurz davor einzuschlafen, als das Geräusch des Motors plötzlich verschwand.

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;b&gt;***&lt;/b&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;225&quot; alt=&quot;burnout_revenge_14_500&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/burnout_revenge_14_500.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Du hast Glück&lt;/b&gt;, daß ich auch nen guten alten Diesel fahre, sagte der Typ, während er sehr geschickt mit einem Gerät, dessen Namen Maus nicht kannte, den besagten Treibstoff aus dem Tank seines Vans in einen gelben Kanister pumpte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er hätte nicht gewagt, das Gerät &lt;i&gt;Pumpe&lt;/i&gt; zu nennen. Es war auch nicht nötig, ihm einen Namen zu geben. Der Typ redete selbst unaufhörlich. Er schien nicht einmal Wert darauf zu legen, daß sein Gegenüber (oder Nebenbei) die Geschichte von seiner Zeit bei der Armee mit Lauten der Aufmerksamkeit und des Interesses unterbrach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du darfst ja niemandem erzählen, daß du dir dein Kapital für deine Agentur als Drogendealer für die Jungs in der Kompanie verdient hast. Aber jeder fängt mal irregulär an, sag ich immer. Möchte nicht wissen, wie Bill Gates seine ersten Zwanzigtausend aufgetrieben hat. Die erste Million, ja  aber die ersten Zwanzigtausend. Manchmal ärgere ich mich  hätte ich ne Booking-Agentur für Rockbands, wäre das eine geniale Gründungslegende. Aber nicht bei Rentnern. Egal. Die Kohle steckt gegenwärtig bei den Senioren-Events, und wenn ich mir die Krawatte umbinde, die da hinten über dem Bügel hängt, dann denkst selbst du, ich bin der nette junge Mann von nebenan, den du gern mal deiner Enkelin vorstellen würdest.... Das müßte reichen. Er zog den Stutzen bis zur Spitze heraus und schüttelte ihn ab. Wohin mußt du zurück?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maus fiel auf, daß in seinem Opel noch immer das Radio spielte. Das gedämpfte Plärren eines abgekämpften Sängers bildete den Soundtrack zu dieser demütigendsten aller Versionen von Glück im Unglück!, wie Pete, der Typ, noch einmal bekräftigte, ehe er den Inhalt des Kanisters in den toten Opel ausleerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übrigens würde ich an deiner Stelle schnellstens mal das Radio abstellen. Sonst gibt nämlich auch deine Batterie den Geist auf, und dann kannst du sehen, wie du hier wegkommst. Ich habe nämlich nicht vor, auf diesem Abschnitt des Kontinuums zu übernachten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maus wartete darauf, daß er etwas hinzusetzen würde. Und er tat es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf mich wartet nämlich noch ne Muschi. Er hustete. Obwohl mein Kumpel mir erzählt hat, daß man nicht mehr &lt;i&gt;Muschi&lt;/i&gt; sagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Song im Radio dauerte unglaublich lange. Ein wahrhaftes Progrock-Format, aber die Gitarren klangen irgendwie anders verzerrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sagt man denn jetzt? fragte Maus. Er war auf einmal wirklich neugierig geworden. So armselig es mit dem Ende des Lebens gelaufen war  nun würde man doch noch etwas erfahren. Die verrückte Tour mit der ollen Schrottkiste, das Selbstmordspiel, der peinliche Treibstoffmangel, der Wagen auf dem Seitenstreifen, der Typ mit seinem selbstbesprühten Van und seiner protzigen Geschichte  man konnte es doch bei aller Absurdität als eine etwas aufwendige Methode betrachten, um zu dieser Information zu gelangen. Der Wert einer Information bemaß sich nach den Strapazen, die es kostete, in ihren Besitz zu kommen. Und diese Information würde unendlich wertvoll sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maus spürte, wie seinen müden, schon dem Rettungsdienst vermachten Körper ein erregendes Kribbeln durchlief. Die langen Schnurrbarthaare zitterten, und er bemerkte, beinahe bestürzt, wie intensiv er nach Schweiß stank. Gut, daß Pete keine Anstalten machte, ihm nahezurücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was sagt man denn heute  statt &lt;i&gt;Muschi&lt;/i&gt;?, wiederholte  Maus seine Frage mit mäßig gespielter Unschuld. Die Leben anderer Leute waren nicht nur interessanter, sondern auch unschuldiger als seins. Alle anderen, selbst die Schlitzohren, handelten mit einer unwiderstehlichen Naivität, die ihnen das Recht gab, das zu tun, was sie taten. Oh, scheiße! dachte Maus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frauen, sagte Pete. Er machte eine Spannungspause, ehe er selber anfing zu brüllen vor Lachen. Man nennt sie jetzt &lt;i&gt;Frauen&lt;/i&gt;! Ist das nicht groß!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manchmal reagiert man auf eine Enttäuschung schon eine Sekunde oder eineinhalb Sekunden, bevor sie eintritt, dachte Maus. Es gibt da eine eigenartige Antizipation  ein besonderes Sensorium dafür, daß gleich etwas kommt, was einem den letzten Rest Boden unter den Füßen wegziehen wird. Und interessanterweise ist diese prophetische Gabe vollkommen unnütz. Sie steigert nur im nachhinein den Ärger, weil man weiß, daß man es zumindest hätte vermeiden können, überrumpelt worden zu sein.

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;200&quot; alt=&quot;mcmahon1267&quot; width=&quot;304&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/mcmahon1267.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/topics/Song+Storys&quot;&gt;Song Storys&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2007-07-19T19:01:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3058961/">
    <title>Song Story #6: Cindy von tausend Leben</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3058961/</link>
    <description>Um den Song herunterzuladen, &lt;a href=&quot;http://www.mediafire.com/?fyvzb54vdmb&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; klicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;268&quot; alt=&quot;kinosaal&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/kinosaal.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Er kann niemals&lt;/b&gt; wieder dorthin zurückkehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außer in Albträumen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Floyd lachte oder versuchte, es nicht zu tun. Er hielt sich die Hand vor den Mund, um kein halbaufgelöstes Popcorn über die Lehne der Vorderreihe zu spucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich verbiete dir, Witze zu reißen, während ich kaue, zischte er durch die weiß behandschuhten Finger. Die Brandsalbe brannte selbst wie Feuer, nachdem der Kühlungseffekt nachließ. Irgendwie absurd oder...tief, dachte er: das Wesen von Gegensätzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und du redest nicht mit vollem Mund, das tut man nicht, gab sein dummer Partner zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Leinwand ereignete sich ein weiterer Bruch. Die tote Hauptdarstellerin (gleich zu Beginn in ihrer Theatergarderobe von einem Unbekannten mit einem indianischen Amulett stranguliert) kaufte ein Flugticket nach Paris am Schalter. Während die Angestellte von Air France mit langen Nägeln unbekannte Wörter in die Tastatur ihres Computers tippte, skeptisch auf den Bildschirm schielte, zögerte, um schließlich wie zu einer Frage die Lippen zu öffnen, nestelte die Schauspielerin nervös am Bügel einer übergroßen schwarzen Sonnenbrille.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stimmt was nicht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß nicht, sagte die Dame am Schalter. Das leise Klicken einer Maus punktierte ihr starres, auf eine anonyme Art schönes Gesicht. So was hatte ich noch nie auf dem Schirm...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß auch nicht, raunte Floyds Nachbar. Ich verstehe eigentlich schon lange nicht mehr, worum es geht. Du?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Floyd beugte sich nach rechts und prüfte, wie weit die Drei am Rand zwei Reihen vor ihnen waren. Die Männer hatten das Mädchen zwischen sich eingeklemmt. Einer von ihnen faßte das Haar  man konnte nicht erkennen, ob er ihr den Nacken kraulte oder sie festhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoffentlich kommen die Würmer nicht nochmal vor, sagte der andere, da Floyd keine Antwort gab. Würmer und sowas sind mir einfach zu eklig. Gewalt, okay  solange keine Innereien spritzen, bin ich dabei, aber alles &lt;i&gt;Glitschige, Sabschige, Breiige...&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hör auf! Floyd griff nach der Colaflasche in dem Halter, der ihn ärgerte, weil er nicht wußte, ob er zu seiner Armlehne oder zu der des andern gehörte. Man hätte ganz am Anfang nachschauen müssen. Daß der Film so wirr ist, liegt vielleicht daran, daß das Drehbuch auf einen Song zurückgeht, dessen Text wiederum von einem Roman inspiriert wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich dachte, von einem Gedicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nee, der Songtext ist praktisch das Gedicht. Der Roman...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was machen die da vorn? unterbrach der andere Floyds Erläuterungen.  Ist es wirklich das, was es scheint, Mann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Floyd erlaubte dem Colaschaum, langsam seine Speiseröhre hinaufzuklettern. Als er an der Schwelle eines Rülpsens war, begann er schnell zu sprechen: Wenn ich mich nicht sehr irre, hält der eine sie fest, während der andere ihr den Finger reinsteckt. Oder die ganze Hand oder was weiß ich. Wahrscheinlich...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Brennts noch? fragte der andere, als habe bereits der Ansatz zu einer detaillierteren Beschreibung sein Interesse an dem, was ein paar Meter entfernt von ihnen geschah, zur Gänze erschöpft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie Hölle, seufzte Floyd. Er streckte beide Hände mit gespreizten Fingern von sich, um eine Geste zu machen. Dann ließ er sie theatralisch fallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ängstlichkeit seiner Bekannten war immer das größte Problem. Allein traute er sich nicht, aber zusammen mit einem dieser Wichser schien die Angst sich zu verdoppeln statt zu halbieren. Im Gegensatz zu Kurt (und Frank und Ben und wie sie alle hießen) hatte er zumindest das Foto eines Mädchens in seiner Brieftasche stecken, das &lt;i&gt;lebte&lt;/i&gt;, dessen geisterhafte Existenz sich für die Dauer eines Vormittags in einer Bar am Strand von Las Palomas zu einer körperlichen Berührung zusammengeballt hatte. Das Bild zeigte sie nicht besonders deutlich (ein fetter Alkoholiker hatte es machen müssen, weil er zum Beweis unbedingt neben ihr mit drauf sein wollte)  aber selbst die Finsternis eines Ortes, an dem nur die Spielautomaten zu leuchten schienen, konnte ihr Lachen nicht völlig verschlucken. Es war dagewesen, dieses Lachen, und es hatte ihm gegolten, dem Kitzeln seines Atems an ihrem Hals oder einem dreckigen Witz, den er ihr im Moment, da der andre endlich auf den Auslöser drückte, wie ein &apos;ich liebe dich&apos; zugeraunt hatte.

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt; &lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;100&quot; alt=&quot;kino&quot; width=&quot;100&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/kino.gif&quot; /&gt; &lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Warum will sie jetzt schon wieder durch dieselbe Tür? wollte Kurt wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fick doch den elenden Film!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unterdrückten Schreie kamen nicht von der Leinwand. Er mußte fast aufstehen, um es zu sehen (er befürchtete, sein Schatten würde im Bild erscheinen)  der dickere der beiden Asiaten preßte dem Mädchen die Hand aufs Gesicht. Da war Bewegung in der Gruppe: es ruckelte, die Vibrationen setzten sich durch den uralten Bretterboden bis hierher fort. Jetzt  er meinte für den Bruchteil einer Sekunde den nackten Arm in der Luft zu sehen  drehten sie das Mädchen in eine halb liegende Stellung. Einer zog ihr wohl das Höschen aus. Floyd entdeckte den weißen Fleck auf dem dünnen, ausgetretenen Teppich, als er kniend vor seinem Sitz unter den Reihen hindurchspähte. Er wünschte sich so, sie wären mutiger gewesen und hätten sich direkt hinter das verdächtig aussehende Trio gesetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soll ich dir was gestehen? flüsterte Kurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Schauspielerin mit der Sonnenbrille öffnete zum dritten Mal die Tür. Das Flugticket steckte in ihrer Trenchcoattasche. Der Koffer, dessen rechte Rolle defekt zu sein schien, schrammte über den Teppich und hinterließ eine Spur. Eine unpassend traurige Musik setzte ein. Die Frau weinte (eine dicke Filmträne löste sich vom schwarzen Rand der Brille, sie kullerte glitzernd die Wange herunter). Dann verließ sie das Apartment, und jenseits der Tür befand sich nicht der ungepflegte Vorgarten mit den Würmern, wie die Kamera ihn viele Male durchpflügt hatte, sondern ein bedrückend häßlicher Korridor mit flackernden Leuchtstoffröhren und einer absurden Reihe von drei, vier...Floyd zählte sieben Feuerlöschern an der Wand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe vor dem Gehen meinen Schuh rausgestellt, sagte Kurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Deinen Schuh?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, für morgen früh, falls es heute spät wird und ich es vergesse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie stöhnt, oder?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mädchen stöhnte, oder sie erstickten immer noch die Schreie, und das Resultat klang wie eine japanische Variante von Lust. Oder vietnamesische, das war wahrscheinlicher. Der Ellenbogen des über sie gebeugten Mannes arbeitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plötzlich ließ der zweite Mann den Kopf nach hinten sinken. Floyd zuckte beim Anblick seiner zusammengebissenen Zähne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Morgen ist Nikolaus, sagte Kurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nikolaus, murmelte Floyd, der sich tief in seine Sitzschale drückte und die Augenlider verengte, um schärfer zu stellen. Er spürte eine bleierne Müdigkeit in den Beinen. Eine angenehme Müdigkeit, wie wenn man nach einem Marsch durch die Winternacht in sein überheiztes Wohnzimmer kommt und in Schuhen und Mantel halb einschläft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kriegst du was zum Nikolaus?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Floyd schwieg. Der erste Asiate stand auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn nicht ein Geist mit Süßigkeiten vorbeikommt, ...wohl kaum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurt brummte zustimmend. Der zweite Asiate begleitete das Mädchen zu dem unscheinbaren Seitenausgang, wo sich die Toiletten des Kinos befanden. Sie humpelte und knickte unterwegs um. Der Mann schloß seine Faust um ihren Hals und schob sie hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nikolaus, Nikolaus, sagte Kurt. Warum heißt der Film eigentlich &lt;i&gt;Cindy?&lt;/i&gt; Ist die Frau Cindy? Bislang hat sie niemand angesprochen, wir wissen es nicht. Oder ist irgendeine von den tausend anderen Cindy? Warum wimmelt dieser Film so von Frauen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du bist ein entsetzlicher Feigling.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztes Jahr hat meine Exfrau mir zum Nikolaus was in den Stiefel gesteckt. Heimlich. Nein, vorletztes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir machen Schere-Stein-Papier, und wer gewinnt, folgt den beiden auf die Toilette, sagte Floyd. Er unterdrückte ein Gähnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, wer verliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gut. Meinetwegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kurt machte Schere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Floyd machte Papier.

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt; &lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;100&quot; alt=&quot;kinosaal-1&quot; width=&quot;100&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/kinosaal-1.jpg&quot; /&gt;

&lt;center&gt;Die Lyrics zum Song gibt es &lt;a href=&quot;http://www.lyricsdepot.com/billy-bragg/cindy-of-a-thousand-lives.html&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;&lt;/center&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/topics/Song+Storys&quot;&gt;Song Storys&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-12T22:24:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3045556/">
    <title>Song Story #5: Mädchensänger</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3045556/</link>
    <description>Um den Song herunterzuladen, &lt;a href=&quot;http://www.mediafire.com/?4mle5nzlxtd&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; klicken.

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;minigolf-1&quot; width=&quot;300&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/minigolf-1.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;b&gt;Wenn man dich&lt;/b&gt; aufschlitzte, käme wenigstens nicht dieser übliche Dreck zum Vorschein. Eine wie dich...würde ich sogar heiraten, aber wie falsch das klingt, dieses erste Wort schon: &lt;i&gt;Eine...&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verzeih mir, wenn ich heute zu müde bin, um das noch umzuformulieren. Mein Geld reicht nicht mehr für Hotels, nicht einmal mehr für die schäbigen, nach Vertretern stinkenden Pensionen am Stadtrand, von denen man mit Bussen stundenlang bis zu den Clubs fährt, in denen du auftrittst (diese Clubs  das ist wie ein zufälliges Muster, eine halb entsetzliche, halb sympathische Fratze, die man auf einer Korktapete entdeckt  liegen immer in einem Viertel nordöstlich des Zentrums).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde nie lernen, auf den absurd gewölbten Sitzschalen der Nachtzüge richtig zu schlafen. Dein Name auf dem Ticket für morgen erscheint durch den Schleier der Übermüdung mit sonderbaren Serifen versehen. Und er ist tatsächlich  ist das möglich?  doch, er ist tatsächlich kleiner als der Preis. Zweiunddreißig Euro für ein Konzert. Ist das nicht Wahnsinn? Dürftest du selbst einen Preis nennen, den diejenigen zu entrichten hätten, die dich &lt;i&gt;live&lt;/i&gt; erleben wollen (was für ein Wort!)  ich bin mir sicher, es wäre eine weit bescheidenere Summe. Du würdest...jedenfalls nicht mehr verlangen als den einen Schein und die paar Münzen, die sich noch in meiner Brieftasche befinden. Du wärst wahrscheinlich sogar damit zufrieden, daß wir Naturalien tauschen: daß ich dich nach dem Auftritt in deinem engen, stickigen, aus der ehemaligen Toilette gebastelten Backstageraum ficke.

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;5&quot; width=&quot;318&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/5.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Aber erst einmal heute. Der Nachtzug erreicht die Kleinstadt (ich erspare uns den Namen) um 5 Uhr 31. Der Karte nach liegt sie am Meer. Ich spaziere in aller Ruhe den unkrautgesäumten Bahnsteig entlang und bin entzückt, neben dem Ausgang des offenen Häuschens einen Kaffeeautomaten zu finden. Die stille, milde aggressive Hitze in der Hand, der Duft des Nescafés (der sicher scheußlich schmeckt) und die eisige Frische des Morgens in meinen Nasenlöchern  ich genieße diese ersten Stunden des Tages mittlerweile fast mehr als die letzten dreißig Minuten, bevor zu die Bühne betrittst. Früher war das die aufregendste Zeit überhaupt. Gegen Mittag erfaßt mich oft ein Schwindel, eine säuerliche Mischung aus Hunger und Langweile, und ich warte in einer kompakt zusammengekauerten Haltung am Rande des Parkplatzes, wo der Tourbus steht und deine Managerin, eine eklige haarige Lesbe, ab und zu vorbeikommt und mir mitleidig zunickt. Drei- oder viermal habe ich den Anfang des Konzertes in dieser Hocke verpennt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt dagegen geht es mir gut. Mit Kaffeebecher und Rollkoffer folge ich den Schildern, die Richtung Strand und Kurzentrum weisen. Die Straßen sind menschenleer, die Rolläden der Häuser zugezogen. Vor den meisten stehen Tafeln mit der Aufschrift &lt;i&gt;Fremdenzimmer&lt;/i&gt; oder &lt;i&gt;Belegt&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sonderbarerweise geht es aufwärts. Daß der Bahnhof etwas außerhalb nahe der Bundesstraße angelegt wurde, kann man auf dem Ausdruck der Umgebungskarte erkennen, aber in meiner Vorstellung müßte ein Weg zum Meer bergab oder wenigstens auf gleicher Ebene verlaufen. Die engen, von alten Kastanien noch enger zusammengedrängten Gassen winden sich immer weiter hinauf, und mir fällt das Gehen mit dem Gepäck schon so schwer, daß ich etwas von dem Kaffee über meine Hand geschüttet habe. Ohne richtig anzuhalten, lecke ich die braune, jetzt saure Flüssigkeit ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu meiner Linken blinken durch Gebüsch und einen hohen Gitterzaun die grellen Farben der Umgrenzung von Minigolfbahnen. Ich bleibe doch stehen, um Atem zu schöpfen. Mein Rücken juckt, was auf einen bevorstehenden Schweißausbruch schließen läßt. Irgendwo weiter oben (es muß noch viel, viel weiter nach oben gehen) kurvt ein Moped knatternd in Intervallen. Das Blut pocht in den Schläfen. Der Geruch nach alten Pommes strömt aus einer nahen Mülltonne hinter dem Gitter herüber. Du jagst währenddessen über die Autobahn und schaukelst mit zusammengekniffenen Augen in deiner Koje. Ich habe mal durch Zufall mitgekriegt, wie du schläfst: die Lider so fest heruntergedrückt, daß es brutal aussieht, so wie andere Menschen die Zähne zusammenpressen.

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;333&quot; alt=&quot;mesice-10-looping&quot; width=&quot;250&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/mesice-10-looping.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Die Bahn mit den zwei gegeneinander versetzten Loopings: Man muß den Ball so mittig in den ersten spielen, daß er genau am Anfang des zweiten herauskommt, und mit ordentlich Schwung, um im zweiten nicht hängenzubleiben. Natürlich ist es eine Schande, daß eine wie du in solchen lausigen Strandbädern auftritt. Obwohl ich es auch wieder sympathisch finde, wenn du dir für die Menschen abseits der Zentren nicht zu schade bist, wenn du den Weg zu deinen Fans suchst, auch zu armen Losern, deren Alltag darin besteht, in einem Thermalbad für Renter beim Imbiß zu kellnern. Andererseits ist mir das entschieden zuviel Sympathie für das Jämmerliche auf dieser Welt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal, in Braunschweig, habe ich dir wirklich einen Heiratsantrag gemacht. Und du hast angenommen. Es war kein guter Abend gewesen. Du wolltest dich mit mir trösten. Sehr wahrscheinlich sah ich damals auch noch wie jemand aus, der Trost spenden könnte. Ich bin dir nicht böse deswegen. Wir zwei haben uns für das Weitermachen entschieden. Ich drehe die Karte. Doch, die Richtung stimmt: Parkplätze, Geschäfte, Strand, Meer. Ich sage das ganz gelassen und nicht zur Strafe: Deine Schale mag mit den Jahren Risse bekommen haben  innen drin bist du noch immer ein verdammt hübsches Ding. Und du rockst wie ein Junge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis später.

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;224&quot; alt=&quot;pic_minigolf_2&quot; width=&quot;150&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/pic_minigolf_2.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/topics/Song+Storys&quot;&gt;Song Storys&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-09T18:26:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/2457279/">
    <title>&lt;span style=&quot;color: #000099&quot;&gt;Song Story #3:&lt;/span&gt; Nichtabsorbierend</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/2457279/</link>
    <description>Um den Song herunterzuladen, &lt;a href=&quot;http://www.mediafire.com/?81fzmuyj1og&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; klicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;222&quot; alt=&quot;7736462_f184b655c1&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/7736462_f184b655c1.jpg&quot; /&gt;
&lt;p align=&quot;right&quot;&gt;Foto: &lt;a href=&quot;http://www.flickr.com/photos/ichor&quot;&gt;Cormac Scanlan&lt;/a&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;


&lt;b&gt;Er war sich&lt;/b&gt; nicht sicher, ob der andere ihn genauso sah, wie er ihn sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er mußte sich eingestehen, daß er so gut wie nichts über die Gesetze der Reflexion wußte. Ein dummes Einfallwinkel gleich Ausfallwinkel, das zögernd die grüne Innenkante eines Billardtisches entlangtippte, blieb alles, was sein Gedächtnis zu diesem delikaten Thema an die Oberfläche beförderte. Leonie hatte ihn mit der Behauptung, wenn man zwei Kerzen vor einem Spiegel aufstelle, werde es doppelt so hell, in Verlegenheit bringen können. Oh, doch, er hatte das, zum Vergnügen der anderen Gäste, tatsächlich geglaubt, zumindest zu lange, um ihnen mit einer satten Pointe zuvorzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ihn an dem anderen irritierte, war, daß der sich scheinbar der Ecke zugekehrt hatte, auf jeden Fall in der Ecke neben dem Fenster hockte, ohne sich zu rühren. Der offenstehende Flügel des Fensters mußte den einen Teil der Spiegelung erzeugen. Die Weiterleitung verdankte sich dem schmalen hohen Anziehspiegel der Garderobe im Flur. Schon weil es hier dunkler war als hinten im Schlafzimmer (das Bettzeug lag nicht auf dem Bett), würden die Sichtverhältnisse sehr unterschiedlich ausfallen. Er stellte für den anderen vermutlich nur einen Fleck dar, etwas Beiges oder Schwarzes zwischen der überstraff verschnürten Mülltüte und den alten (nach Fuß riechenden) Schuhen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber warum zog der Mann, der auf einen Sturmangriff gefaßt sein mußte, sich in den schwächsten Winkel der Wohnung zurück und wandte sogar das Gesicht ab? Hatte er Angst vor einem Schläfenschuß? Warum wartete er nicht bei seiner Geisel? Wo überhaupt steckte das Mädchen? (im Arbeitszimmer, im Bad?  er preßte unwillkürlich das freie Ohr an die Tür neben sich...) Und vor allem  warum verlangte dieser Durchgeknallte nach &lt;i&gt;ihm?&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während ihrer gemeinsamen eineinhalb Jahre beim Grenzschutz hatten sie kaum ein paar Worte miteinander gewechselt. K., der Mann, der in der Ecke hockte, dessen gebrochene Reflexion ihm eine weinrote Schulter zudrehte, eine Schulter, über der wie ein zerknülltes Tempotaschentuch ein schneeweißer Hemdkragen lag  K. war unter den Kollegen unbeliebt, ja gehaßt und gefürchtet gewesen. Wenn er sich unter Kontrolle hatte, kommunizierte er überwiegend mit Nicken und Brummen, versah den Dienst gewissenhaft, war eher der Pedant  doch irgendwann, es konnte zwei, drei Monate dauern, manchmal bloß Tage, brach es aus ihm heraus: ein obszöner Redeschwall voller sinnloser dreckiger Wörter  die Zähne gefletscht, die Lippen zu einem überheblichen Grinsen verzogen, schien es ihn bis an den Rand des Irrsinns zu erheitern, wie seine Kaskade von &lt;i&gt;&lt;/i&gt;&lt;a href=&quot;http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=negerfotzen&amp;btnG=Suche&amp;meta=&quot;&gt;Negerfotzen&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=nuttenwichsen&amp;btnG=Suche&amp;meta=&quot;&gt;Nuttenwichsen&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=Witwenficker&amp;btnG=Suche&amp;meta=&quot;&gt;Witwenficker&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=rannehmen&amp;btnG=Suche&amp;meta=&quot;&gt;Rannehmen&lt;/a&gt;, &lt;a href=&quot;http://www.google.de/search?hl=de&amp;q=Rosettensprengen&amp;btnG=Suche&amp;meta=&quot;&gt;Rosettensprengen&lt;/a&gt; selbst die Hartgesottenen aus der Einheit schockierte. Man hatte ihn zweimal abgemahnt und dann ratlos entlassen. Den Vorschlag, eine Therapie zu machen und einstweilen unbezahlten Urlaub zu nehmen, hatte er entrüstet zurückgewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frank?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es hatte keinen Sinn, noch länger auszuharren. Je mehr Zeit verstrich, ohne daß er wenigstens erfuhr, wo die Kleine versteckt war, desto zittriger wurden ein Dutzend Finger am Abzug auf dem Dach gegenüber. Aus dem Ohrenstöpsel sickerten durch ein verwinkeltes Rauschen die Stimme des Einsatzleiters und die einer mit starkem polnischen Akzent sprechenden Frau, die, wie er wußte, Franks Ex-Freundin war, aber nicht die Mutter des Kindes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frank? Ich bin hier. Kannst du mich sehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stille.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kannst du mich sehen, Frank? Ich kann dich sehen. Siehst du mich genauso wie ich dich?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder Stille. Aber die Schulter verzog sich  sie &lt;i&gt;teilte&lt;/i&gt; sich und gab etwas frei, was er mit Entsetzen als den blutigen, mit schwarzen Haarbüscheln bestückten Preis für sein Vergessen erkannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sehe mehr als du, kam es aus der Zimmerecke zurück. Siehst du das hier? Siehst du, was ich halte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mein Gott  Frank!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gib nicht mir die Schuld, ich war bloß derjenige, der es tut. Schau her, was ich getan habe! Und das alles nur, weil du...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Nein!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Schrei ist so machtlos wie eine Attacke auf seinen eigenen Schatten, aber er entfährt mir einfach, er ist so laut, daß das Gespräch in meinem Ohr abbricht  ich höre die Spannung im Rauschen, das Stocken, das Knistern, ich höre den geflüsterten Befehl, und ich höre die Echos, die Kette der Echos, die sich rings um den Wohnblock verzweigt und bis drüben aufs Dach zieht. Es dauert keine zehn Sekunden, bis der Kugelhagel losgeht und die alten Doppelfenster in zigtausend Splitter zerlegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Hey, ich bleibe diesseits der Linie&quot;, höre ich mich über das Kristallmeer der Matratze brüllen, in einem lächerlich beschwörenden Tonfall. &quot;Weißt du, daß ich immer nur allein sein wollte?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Wir können nicht allein sein. Keiner von uns.&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Diese Linie hier, Frank!&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Die Linien wie die meisten. Glaubst du ernsthaft an das, was du willst?&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich...denke nach oder etwas bleibt stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Ich will das glauben. Ich kann nicht. &lt;i&gt;Frank?&lt;/i&gt;&quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Helmut? Das ist der Einsatzleiter. Seine rauhe Männersorge wärmt mich. Helmut? Bist du okay? Wir gehen rein, Helmut. Mach den Weg im Flur frei, damit die Jungs durchkommen! Weg von der Tür!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiche mechanisch zur Seite, als ein endloser Strom von breiten, munitionsgepanzerten Soldaten in die Wohnung einmarschiert, um genau in dem Moment, da das Feuer aufhört, sein Schlafzimmer zu besetzen. Ich sehe nichts mehr. Die Silhouetten der Einsatzkräfte versperren den Blick. Der Garderobenspiegel ist zur Hälfte von einem schwarzen Mantel verhangen. Ein massiver Schatten, der in zwanzig oder dreißig Stiefelpaaren steckt, füllt das Apartment bis zum Rand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich finde mich im Bad wieder. Der Rest des Mädchens liegt dort in der Wanne, aber das stört mich jetzt nicht. Was mir nicht mehr aus dem Sinn will, ist die Zeit, die wir verloren haben: die Zeit  die Zeit  die Linie - das Alleinseinwollen - diese Linie... Wie konnte ich das denn vergessen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;290&quot; alt=&quot;hbr09x7r_pxgen_r_420xa&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/hbr09x7r_pxgen_r_420xa.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Nachtrag:&lt;/b&gt; Der Beamte N. (auf eigenes Ersuchen bleibt sein Name vorerst geheim) gibt an, die Geisel sei bereits tot gewesen, als er die Wohnung betrat, und der Täter habe nicht vorgehabt zu verhandeln. Er weist auch darauf hin, daß bei einer Verhandlung niemand sehen kann, was der andere sehen kann (das sog. &lt;i&gt;Black Box-Phänomen&lt;/i&gt;), beide Parteien jedoch hypothetisch davon ausgehen, es gebe etwas, was sie beide gleichermaßen sehen können und was ihrer beider Ansichten zumindest reflektiert. Insofern beruht die erfolgreiche Strategie eines Unterhändlers in einem Geiselfall darauf, ein solches gemeinsames Objekt (N. verweist auf den entsprechenden Abschnitt im Lehrmaterial, das ihm jedoch erst nachher zugänglich gewesen sei) zu konstruieren. Das gemeinsame Objekt ist sozusagen der Köder, den der andere schluckt. Die Verhandlung ist zunächst ihr eigenes Ziel  willigt der andere ein, sich auf die Form des Unterhandelns einzulassen, kommt das praktisch schon seiner Kapitulation gleich, aber in einigen wenigen Fällen (zu denen dieser gehöre) hat der andere die Szene der Begegnung im vorhinein manipuliert, so daß die Begegnung (O-Ton N.) nur scheinbar stattfindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
N. ist vom Dienst suspendiert, da seine Rekonstruktion des Vorfalls auffällige Lapsi und Widersprüche aufweist. Er vermag auch nicht zu erklären, wie es möglich gewesen sein soll, den Geiselnehmer im 25 cm breiten Spiegel der Korridorgarderobe zu sehen. Zur Ecke, wo sich der Täter aufhielt, ist es ein ganz unmöglicher Winkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lyrics des Songs gibts &lt;a href=&quot;http://www.gbvdb.com/track.asp?track=Non%2DAbsorbing&amp;version=&amp;live=False&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/topics/Song+Storys&quot;&gt;Song Storys&lt;/a&gt;</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2006 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2006-12-04T11:46:00Z</dc:date>
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  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/2532519/">
    <title>Song Story #4: Reitend</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/2532519/</link>
    <description>Um den Song zur Story herunterzuladen, &lt;a href=&quot;http://www.mediafire.com/?4lmsdhjec00&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; klicken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;311&quot; alt=&quot;c63f&quot; width=&quot;320&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/c63f.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font face=&quot;bell mt&quot;&gt;&lt;font size=&quot;+1&quot;&gt;&lt;b&gt;An diesem Sonntag&lt;/b&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt; begleiteten sie ihren Vater freiwillig auf der Gitarre, wie sie es früher immer getan hatten. Phil, sein älterer Bruder, schlug die tiefen Akkorde, Shane, sein jüngerer Bruder, verzierte die Melodie mit den scharfen, kantigen Koloraturen, für die er in der Familie berühmt war, und er selbst spielte genau wie der Vater einfach das, was alle vier sangen, und es war schön.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An diesem Sonntag nahm der Vater Shane mit auf seinen Ritt, der ihn über die Felder bis hinauf zu jener schmalen Stufe im nördlichen Berghang führte, von wo man das ganze Anwesen mit seinen vierzig Hektar Weiden und Ackerland überblickte und wo einen niemand hörte und sah.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem die Mutter mit Sofia vom Gottesdienst zurück war, half die jüngere Schwester Phil beim Striegeln der Pferde und beim Füttern der Hühner. Die Mutter machte sich an die Vorbereitungen zum Mittagessen  man hörte das Krachen der schweren gußeisernen Pfannen, die schnellen Arpeggios des Messers auf dem Hackbrett und manchmal, wenn sie hinaushuschte, um Kräuter und Babytomaten zu pflücken, das Knarren der Gartentür, die nie jemand ölte, dieses Knarren, das zur Familie zu gehören schien wie die Schreie der Tiere und das Heulen des Windes und das Knirschen des Sandes unter den Stiefelsohlen, wenn man die Diele betrat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;10028_sun-porch&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/10028_sun-porch.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er saß eine Weile allein im verwaisten Wohnzimmer am offenen Fenster und ließ die Sonne wie ein Termitenvolk über seinen schmalen, mädchenzarten Nacken krabbeln. Ein Beobachter, der durch das Fliegengitter spähte, hätte einen intensiven Ausdruck der Freude auf seinen glatten, jugendlichen, ein wenig zu vollen Wangen bemerkt; aber es gab hier keine Neugierigen, es gab niemanden außer einer großen, ausgedehnten Familie, die in ganz gewohnter Weise ihren Ruhetag beging, und expressive Mienen waren schlichtweg überflüssig, denn jeder kannte den andern, jeder wußte, was der andere fühlte, jeder hatte alles erlebt, was den anderen widerfahren war und was aus ihnen die Menschen gemacht hatte, die sie nun waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Stunde bis zu ihrer Versammlung an der Mittagstafel sich endlos in die Länge ziehen würde, kam er irgendwann doch auf die Beine, stieß eine Seitentür auf, überquerte den sengenden Kies und tauchte in einen der größeren Ställe, um seine bevorzugte Stute zu satteln. Das Tier schien ihn erwartet zu haben. Sie sparten sich die Begrüßung, und als er das erste Wort sagte, trabten sie schon eine Weile über den engen Pfad zwischen den Roggenfeldern, dessen gelben Lehm breite Hitzerisse durchzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißt du, wohin wir reiten? fragte er das Pferd, und das Pferd hob schnaubend den Kopf, zerrte nach rechts, und er ließ ihm die Zügel, damit es nach rechts ausbrechen konnte. Sie fielen in einen Galopp, denn die Stute wußte, daß er es eilig hatte; sie wußte, daß diese Stunde vor dem Mittag endlos sein würde, aber sie kannte ihn zu gut, um auf seine Geduld zu vertrauen, und sie wußte, wie er darauf brannte, es zu tun, jetzt, da es einmal entschieden war, daß es wieder passieren würde, jetzt, wo das Ziel feststand und sie nur noch den Weg dahin zurücklegen mußten. Und wirklich, er wurde unruhig, gab der Stute die Sporen, rieb ihr den Schweiß von den Flanken und schleuderte die Tropfen von den Fingerspitzen ins niedergetrampelte Feld wie ein Kind, das seine Hand in Farbe getaucht hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie flogen an den Bergen vorbei, schnell und doch unendlich langsam im Verhältnis zu den kargen grauen Felsen und den blendendweißen Streifen, die sich wie die Saiten einer tausendsaitigen Gitarre gleichmäßig über die Ebene spannten. Lisa wartete im Eingang des verfallenen Schuppens, in dem sie hauste. Sie streckte ihren Kopf vorsichtig aus dem schützenden Schatten, um ihn besser zu sehen, wie er das Pferd mit links und rechts peitschendem Zügel über die Büsche und Zaunreste trieb, die einzigen Überbleibsel eines einstmals gepflegten, blühenden Gartens. Sie balancierte auf einem Fuß, um sich noch weiter nach vorne lehnen zu können, und es störte sie nicht, als ein Träger ihres Nachthemds von den Schultern rutschte, es störte sie nicht, als er vom Sattel sprang und sich auf sie warf wie auf einen Eindringling, der sich verbotenerweise auf dem Grundstück herumtrieb, es störte sie nicht, als er sie biß und stieß und ihre Haare mit Staub und mit Speichel vermengte, es störte sie nicht, als er ihr Hemd über den Beinen aufriß, es störte sie gar nichts von dem, was er tat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du ißt zu wenig, klagte er, als sie erschöpft nebeneinander auf dem Rücken lagen und der Rand des Daches über ihre nassen Körper kroch. Du bist ganz mager geworden. Ich kann deine Rippen fühlen. Diese Gräser, die zu ißt, sind zu wenig zum Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich bin lange tot, erwiderte sie zärtlich und ohne Traurigkeit. Mach dir keine Sorgen. Es ist okay hier in der Hölle. Es gibt bessere Orte als diesen. Aber auch schlimmere. Verflucht sein ist immer noch besser als am Tisch des Herren zu essen zusammen mit dem, der den Namen des Herren mit seinem Blut und seinem Samen und seiner Pisse und seinen Afterhaaren verunreinigt hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gott ist, was wir aus ihm machen, sagte er.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem widersprach sie nicht.

&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;b&gt;***&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;


&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;327&quot; alt=&quot;7bef&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/7bef.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font face=&quot;bell mt&quot;&gt;&lt;font size=&quot;+1&quot;&gt;&lt;b&gt;Sie waren zusammen&lt;b&gt;&lt;/b&gt;&lt;/b&gt;&lt;/font&gt;&lt;/font&gt; groß geworden, und zusammen gingen sie ein  das war es, was die Geschichte von ihnen berichtete, und wenn du heute an den Lagerfeuern in den leeren Parkbuchten der Tiefgaragen, bei den Kläranlagen oder auf den Waffenmärkten einen singen hörst, und er singt von Lisa, Lisa und ihrem Zwillingsbruder, dann geh hin zu ihm, wirf eine große silberne Münze in seinen Koffer und frag ihn, was Gott ist. Und er wird in Ruhe seinen langen Song zu Ende singen, den dünnen Applaus abwarten, sich lächelnd verbeugen  und sagen: Ich weiß nicht, wer &lt;i&gt;dein&lt;/i&gt; Gott ist, Mann, aber &lt;i&gt;ihr&lt;/i&gt; Gott  ihr Gott war das, was sie aus ihm machten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und er wird ausspucken, vor Bewunderung, nicht aus Verachtung, sich die Lippen mit dem Rücken seiner tätowierten Hand abwischen, &lt;i&gt;seine Kehle klären&lt;/i&gt;, wie man dort sagt, und dann irgendein anderes Lied singen. Ein langes oder ein kurzes, aber irgendein anderes Lied.&lt;br /&gt;


&lt;p align=&quot;center&quot;&gt;&lt;b&gt;***&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;images&quot; width=&quot;112&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/images.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lyrics des Songs gibt es &lt;a href=&quot;http://www.palace.free.fr/tab/Riding.htm&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;.&lt;/p&gt;</description>
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