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Ich bin nicht allein

Donnerstag, 21. Februar 2008

Ich bin nicht allein #3 - G*dchio

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af: du hast unter das pic, auf dem du verzweifelt in dich zusammengesunken zu sehen bist, „just debri“ geschrieben. das ist falsch.

g*: hi! dein foto sieht nett aus, obwohl ich das gesicht bisschen überbelichtet ist, kann man nicht alles erkennen. ähm, wieso? das ist übrigens nicht echt. das hat die freundin gemacht, die mich auf dem andern bild tröstet. das trösten ist auch nicht echt. also, ich wollte ein bild, auf dem ich so richtig debri-mäßig aussehe. wir sind zu dieser mauer gegangen, weil die so irre nach mauer aussieht, so total nach hier kommst du nicht durch und du kannst dein ganzes leben davor sitzen und flennen, du idiot! *g* also, ich mach das foto total rike kann echt geil fotografieren. und ich mag es auch, weil ich mich echt manchmal so fühle wie ich da aussehe. obwohl ich dann meistens nicht so aussehe. oder glaube ich jedenfalls nicht, dass ich dann so aussehe, das ist zu viel zu schön dann sehe ich bestimmt ganz anders aus.

af: man schreibt es „depri“. kommt von „deprimierend“, was übersetzt „niederdrückend“ bedeutet. du sprichst wahrscheinlich irgendeinen dialekt, wo man es „debri“ ausspricht.

g*: ich wohne in bonn. ich dachte immer, man schreibt es debri.

af: nein, depri – deprimierend, nicht debrimierend. wenn du es so lang ausgeschrieben siehst, solltest du erkennen, dass es unmöglich „debrimierend“ heißen kann. oder?

g*: ja. sieht komisch aus so. kommst du aus berlin? bist du da geboren?

af: in meiner familie sprechen wir hochdeutsch.

g*: mir kommen eigentlich ausm hässischn. ^^ sind abä vor drei jahrn hierhä umgezogn weil mein vaddä hiä n dschob bekommen hat.

af: süddeutsche dialekte sind widerlich. hessisch klingt besonders ekelhaft, vor allem wenn man es geschrieben sieht. ist dir das nicht peinlich?

g*: ääh, nee. tschuldigung. *rotwerd* ich kann auch hochdeutsch schreiben. deprimiert. ok?

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af: es gibt das englische wort „debris“. weißt du, was das heißt?

g*: äh, nee. kann jetzt nicht im wörterbuch nachgucken, weil ich im bad sitz. das englische wörterbuch steht in meinem zimmer.

af: „debris“ heißt trümmer.

g*: wir ham wlan in der wohnung. wenn die klotür zu is, hakt es manchmal ein bisserl, aber im moment gehts total gut. das wort hab ich schon mal gelesen. hab es schon mal nachgeguckt. es kam glaube ich in einem roman vor und ich hab es nachgeguckt, weil ich es nicht kannte. aber ich vergesse die wörter, die ich im wörterbuch nachgucke, immer total schnell. wörter, die man nicht verwendet. wenn ich das wort nicht verwende in der schule oder so, dann vergesse ich es ratzfatz wieder.

af: du bist ein ziemliches wrack.

g*: o tschuldigung, ratzfatz ist wahrscheinlich hässischer dialäkt oder? kennst du das wort? ich benutz das oft. meine freunde hier in bonn verstehn das, aber vielleicht ist es dialekt. tschuldigung jedenfalls, passiert nicht wieder ^^

af: weißt du, was das einzige ist, was ich an dir geil finde?

g*: äh, nee. nee. was denn? mit meinen bonner freunden spreche ich hochdeutsch.

af: deine fußhaltung auf dem depri-pic.

g*: *ggg* --- die ist total gut oder? ich hab die fußspitzen extra so nach innen drinnen gerichtet. rike hat gesagt, dass ich den linken fuß nach innen drehen soll und die zehen zusammenkrümmen. damit es aussieht als ob ich mich zusammenkrümme. also noch mehr zusammenkrümme.^^

af: wenn ich deine zusammengekrümmten zehen sehe, kriege ich lust, mit meinen doc martens draufzutreten. weißt du, meine dicke raue dreckverkrustete sohle auf deinen nackten fuß mit den verkrümmten zehen zu setzen und dann langsam zuzutreten und mich mit meinem ganzen gewicht draufzustellen. 70 kg auf deinen kleinen, zarten, eingekrümmten zehen.

g*: das tut tierisch weh. weil sie eingekrümmt sind, da tut das tierisch weh.

af: genau. und weißt du, warum ich mir das vorstelle?

g*: äh, nee. ^^du siehst gar nicht so schwer aus auf dem foto. wiegst du echt 70 kilo? ich wieg 61. oder manchmal 61,5 nach dem essen.

af: wegen deiner trüben dümmlichen augen. die machen mich aggressiv.

g*: wieso denn?

af: trübe dümmliche augen machen mich aggressiv.

g*: kann ja nichts dafür dass ich die augen habe die ich habe. magst du meine füße?

af: ich möchte dir so lange und so fest auf deine nackten, eingekrümmten zehen treten, bis irgendetwas anderes in deinen trüben dümmlichen augen erscheint. etwas nicht trübes, nicht dümmliches. etwas klares. angst zum beispiel.

g*: ich fürcht mich ja scho! du bist echt der erste, der sich über meine augen beschwert.

af: warum brichst du eigentlich diesen dialog mit mir nicht ab?

g*: äh, soll ich? ich weiß nicht. ich bin eigentlich niemand, der so flups verschwindet. ich mag keine leute, die einem erst werweißwas versprechen und dann aufeinmal abhauen und weg sind. das finde ich ganz furchtbar.

af: ich habe dir nichts versprochen. höchstens etwas angedroht.

g*: nee, ich fands nett dass dir das foto gefällt. mir gefällt das auch total, das ist mein lieblingsfoto von mir. und es ist auch nicht so überbelichtet, weil die rike es gemacht hat.

...

g*: ich habs nachgeschlagen. debris: trümmer(stücke), schutt. ich kann diese lautschrift nicht richtig lesen, ob man das auf der ersten oder der zweiten silbe betont, also DEbris oder deBRIS. cooles wort. ich bin ganz sicher, dass ich das nicht so leicht wieder vergesse *g* rike kommt morgen nach der schule vorbei und macht fotos von mir auf denen meine augen besser aussehen. die war bisschen sauer dass ich sie um 3 uhr morgens wachgeklingelt habe, aber ich war echt n bisserl durcheinander wegen der sache mit den augen du und sie hat versprochen die bilder zu machen ich freu mich drauf^^ du kannst dich ja mal gern mal wieder melden.

***

Dies war eine Fiktion!


gudchio3

Samstag, 30. Juni 2007

Ich bin nicht allein #2 - Jo

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af: und wie machst du das?

Jo: mach ich was?

af: mit satan?

Jo: oh, das.

af: wie empfängst du ihn?

Jo: das ist mir zu persönlich. wir kennen uns noch nicht so lange.

af: zwei nächte. zwei sehr lange und sehr dunkle nächte. ich weiß bereits dinge von dir, die du nicht mal deinem einzigen freund erzählt hast.

Jo: okay, der chat gestern nacht war

af: war was?

Jo: es ist nicht so, dass ich mich dir nicht verbunden fühlen würde. ich habe so einen trick, so einen trick, um mich benutzbar zu machen.

af: was machst du?

Jo: ich weiß nicht. schwer zu sagen. es ist nicht, dass ich etwas bestimmtes tue. ich meine, ich liege meistens nackt auf dem bett. oder mit offener hose. ich will schon, dass satan mich sexy findet, weil ich glaube, dass satan auf jungs steht, die sexy sind, dass er sehr sorgfältig prüft, ob ein junge das gewisse etwas hat, ehe er in ihn eindringt, und ich will, dass er den schimmer meiner haut bemerkt. weil ich glaube, dass ich im richtigen licht eine silberschwarz schimmernde haut habe, die satan erregt.

af: also du liegst da und bis nackt oder oben nackt und mit offener hose. was dann?

Jo: ich weiß nicht.

af: du weißt nicht?

Jo: ich mache mich benutzbar. das ist mehr so ein innerer vorgang.

af: du meinst mental oder psychisch?

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Jo: nein, körperlich. aber innerlich. etwas zwischen meinen organen. etwas, was sich verschiebt.

af: zwischen welchen organen?

Jo: ich weiß nicht. es ist eher unten, eher hinten. was ist da?

af: dein darm.

Jo: ja, vielleicht. es gibt verschiedene därme.

af: einen dünndarm und einen dickdarm. der letzte abschnitt des dickdarms heißt enddarm.

Jo: wenn es passiert, fühlt es sich an, als ob es noch einen anderen darm gibt.

af: vielleicht dein blinddarm. hast du den noch?

Jo: kann sein. ich weiß nicht. glaube schon.

af: wurdest du operiert?

Jo: ich erinnere mich, dass ich als kind ins krankenhaus musste. wenn ich abends fleisch gegessen habe, erinnere ich mich oft an einen traum, wo mein sehr weißer und irgendwie abgeschmirgelter körper auf einem op-tisch liegt und eine ganze mannschaft von ärzten um mich herum den kopf schüttelt. ich bin halb aus der narkose aufgewacht und frage, ob es zu früh ist, ob es ein fehler ist schon aufzuwachen, ob ich weiterschlafen soll, aber die ärzte schütteln den kopf, und es beugen sich immer mehr über mich und schütteln den kopf, auch schwestern mit einem angeekelten gesichtsausdruck, und sie alle schütteln den kopf.

af: beschreib die empfindung in deinem darm oder zwischen deinen därmen. genauer.

Jo: als meine schwester schwanger war, hat sie erzählt, wie sie jeden morgen auf dem klo beim kacken das gefühl hatte, dass noch was anderes sich löst. was was eigentlich drin bleiben sollte. als ob ein stück von ihrer wirbelsäule über nacht weich geworden wäre und jetzt

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af: hast du es mal mit einem messer versucht?

Jo: in welchem sinne mit einem messer?

af: dich zu öffnen. um ihm dein inneres darzubieten.

Jo: du meinst aufschneiden? mich aufschneiden?

af: mit einem messer oder einer scherbe. jemand, den ich begleitet habe, hat es mit dem abgerissenen blechstück einer coladose gemacht.

Jo: das geht nicht, die gehen nach innen.

af: er hat den kleinen finger seiner rechten hand ganz in die öffnung gesteckt und es mit aller kraft nach oben gedrückt. es hat ihm fast den finger abgeschnitten, aber er hat es geschafft. eine nagelschere tut es auch.

Jo: hör auf, ich habe einen megahorror bei der vorstellung, dass etwas in meine haut schneidet. meine haut

af: ja?

Jo: mann, mir wird übel, wenn ich bloß daran denke. meine haut ist alles was ich habe.

af: was ist mit deinen gedärmen?

Jo: meine haut

af: geht’s dir gut?

Jo: mir ist wirklich üblich. warum hast du von aufschlitzen angefangen? mir ist übel. ich glaub ich muss kotzen.

af: beruhig dich. denk an was anderes. denk an dein kuschel-warzenschwein. wie heißt es?

Jo: meine haut ist wie ein sehr schönes schwarzes seidenes hemd, das jemand bei mir vergessen hat und das ich jeden tag anziehe, anstatt es ihm zurückzugeben. dieses hemd ist einfach so unglaublich leicht und so weich. und es duftet an den achseln schwach nach etwas unbekanntem. ich möchte es nie wieder ausziehen, aber ich bereite mich jeden tag auf den tag vor, wo ich dem anderen, dem es gehört, zufällig begegne und es ihm zurückgebe. falls ich ihn treffe, werde ich es ihm zurückgeben müssen. und ich habe eine wahnsinnige angst, dass etwas mit dem hemd passiert, dass es flecken kriegt oder risse. flecken kann man wieder rauswaschen, aber risse. das schlimmste, was passieren könnte, wären risse.

af: aber nen ring durch die lippe gestochen

Jo: das ist was anderes. das ist sexy. es ist sehr wichtig, dass ich sexy bin.

af: wäre ich satan, würde ich das mit einem fauchen bestätigen, das dir das gesicht röstet. brandnarben stünden dir gut. aber leider bin ich nur ein müder sadist, dem es nicht mal mehr gelingt, einen zugedröhnten teenager dazu zu überreden, sich den darm aufzuschlitzen.

Jo: ich bin NICHT zu gedröhnt! ich nehme überhaupt keine drogen. never! ever!

af: gäääähn. ich glaub, ich mach mich vom acker.

Jo: ich dachte, du meinst den bauch.

af: meine womit?

Jo: mit dem aufschlitzen. ich dachte, du meinst dort aufschlitzen, wo die blinddarmnarbe wäre.

af: nein, ich dachte an den dickdarm. den enddarm. scheiße, ich bin wirklich zu tode erschöpft von diesem endlosen gelaber den ganzen abend. ich mache das schon den ganzen abend seit sechs oder so, du bist der fünfte oder so. ich brauche ne mütze voll schlaf.

Jo: wenn wir uns morgen nacht wieder begegnen, erkläre ich dir, wie ich es anstelle, meinen darm benutzbar zu machen. es ist wie wenn man sehr seitlich verdreht sitzt, und dann entsteht ungefähr auf der höhe des steisbeins oder wie das heißt eine schmale, längliche öffnung. aber im liegen.

af: meinetwegen. gute nacht.

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Jo: normalerweise schreibe ich gern noch allein weiter, nachdem ich weiß, dass der andere sich schon ausgeloggt hat und ich wirklich allein bin. normalerweise wirkt das befreiend. mir fallen dann plötzlich die richtigen worte für all das ein, was ich während des chattens sagen wollte. normalerweise ist die totale entspannung bei diesem alleinbleiben das genialste, und ich laufe dann in der sprache umher wie in einem riesigen alten haus, das meine eltern gekauft und dann vergessen haben, als sie umgezogen sind, genau wie mich oder so. die dunkelheit des hauses hat nichts bedrohliches. im gegensatz zu der meines zimmers. sie ist eher so, als hätte jemand dafür gesorgt, dass es nirgendwo blendet. und es gibt keine staubsaugergeräusche, die nerven. und keine babyschreie. es gibt überhaupt nichts schneidendes

***

Dies war eine Fiktion!

Freitag, 29. Juni 2007

Ich bin nicht allein #1 - eremit

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af: schellenengel. ich habe sechs anläufe gebraucht, um dieses wort zu tippen.

eremit: kann passieren.

af: schelelenegel sschnelelegle. schellenegel. schlengelel. scheellenegel. schellenegel. es geht immer wieder schief.

eremit: ;-D

af: großartige flügel.

eremit: ja, finde ich auch.

af: und zwei davon.

eremit: klar. warum?

af: seltsamerweise taugt ein flügel zu gar nichts. ein flügel ist sogar schlimmer als gar kein flügel.

eremit: *g* stimmt.

af: ein flügel stört einfach nur.

eremit: *gg* was bist du denn für ein typ? du bist das merkwürdigste, was mir heute passiert. das ist nicht böse gemeint.

af: wenn man einem engel halb ähnlich ist --- das sieht einfach nur grotesk aus und fällt enorm lästig beim laufen.

eremit: und beim schlafen.

af: und wenn man in den bus einsteigt. fährst du immer mit der linie 48? ja, tust du.

eremit: äh – wer hast du gesagt wer du bist?

af: ein mensch mit einem flügel. das ist wie ein tänzer, der großartig fallen kann, aber nicht springen.

eremit: warst du auch beim twe-workshop? vielleicht kennen wir uns daher.

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af: ein halber engel. entschuldige, wenn ich damit nicht aufhören kann. lange habe ich geglaubt, ich sei nicht obsessiv, sondern eher ein verwöhnter Spaziergänger, der nie zweimal an denselben ort zurückkehrt, schon weil ihm das zu langweilig wäre, aber in letzter zeit häufen sich die tage, an denen ich immer und immer wieder dasselbe denke, dasselbe sage, manchmal dasselbe schreibe. ängstigt es dich, dass ich bei dir hängen geblieben bin?

eremit: ist generell okay. mir hat an dem workshop auch am besten die übung gefallen, wo wir uns dreißig minuten keinen Milimeter von der stelle bewegen durften und mit diesem winzigen aktionsradius das herz unseres nachbarn in der faust greifen und so weit an uns heranziehen sollten, bis er ernsthaft die den Schmerz gemerkt hat.

af: niemand auf der welt weiß, dass du schwul bist?

eremit: wenn man es so formuliert, klingt es komisch.

af: niemand HIER UNTEN weiß, dass du schwul bist?

eremit: was ich in meinem profil an der stelle wo ich geschrieben habe, dass ich meine sprunghaftigkeit und meine feigheit in bezug auf meine sexualität an mir nicht mag und dass das ein innerlicher prozess ist erstmal nur ein innerlicher, gemeint habe war ich bin mir sicher, dass alle um mich herum es ahnen, dass meine freunde es wissen, dass meine mutter es vermutet, aber es gibt jemanden in mir selbst, der davon nichts wissen will, und solange dieser jemand nicht die augen aufschlägt, bleibt mein mund verschlossen. da ist irgendwie gar nichts zu machen.

*lol* was für ein satz.

af: das hast du sehr schön gesagt.

eremit: ich liebe tanz, weil man da nicht reden muss. man kann den körper sprechen lassen.

af: das ist ein dummes klischee. aber das davor hast du sehr schön gesagt.

eremit: ich finde nicht, dass das ein klischee ist. hast du mal getanzt?

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af: verzeih, dass es mit der antwort so lange gedauert hat. ich hoffe, du bist noch da. ich hatte erst ein wortreiches geständnis getippt und dann sehr sorgfältig die tippfehler korrigiert, weil ich nicht wollte, dass es spontan aussieht. dann erschien es mir zu gewaltsam, dich mit dieser sehr unangenehmen geschichte zu belasten. dann habe ich eine kurze, nüchterne version davon versucht, in der mein körper einfach versagt, ehe es überhaupt dazu kommt, dass eine bewegung missrät und von anderen mit einem lächeln quittiert wird. dann ist mir etwas obszönes in die tasten geschlüpft, was mit den leberflecken in deinem gesicht und an deinem hals zu tun hat. dann klingelte das telefon und meine mutter war dran, weil ich den geburtstag ihres freundes vergessen hatte. sie konnte es zum glück so einrichten, dass er glaubte, der anruf käme von mir, und wir haben uns eine weile über das altern und den tod und die geschenke unterhalten (er ist 81 geworden). dann musste ich pissen und bin für einige minuten auf dem klo eingeschlafen. ich glaube, ich habe von der frau mit dem verhärmten gesicht geträumt, die nach dem training immer neben dir im bus auf den behindertenplätzen sitzt und sich ihre rosa haarklammern herausnimmt, während sie von übungen und immer weiteren übungen erzählt und dabei mit den schultern ruckt und das becken verdreht – ich glaube es, aber ich pflege meine träume sofort nach dem erwachen restlos zu vergessen. dann, endlich, bin ich mit einem klaren plan an den rechner zurückgekehrt, um...nicht das hier zu schreiben. sondern dass

af: chattest du mit jemand anderem?

af: ich verstehe. schenkst du mir trotzdem noch ein, zwei repliken?

af: ich komme nicht gern auf dieses thema mit der buslinie zurück. aber du lässt mir leider keine wahl.

af: ich gehe jetzt schlafen. mir will so gar nicht einleuchten, warum du dich eremit nennst. ist mir vorhin gar nicht aufgefallen, wie unpassend das ist – jemand, der so leidenschaftlich teil eines CORPS ist, der sich so im einklang mit dem sternenbild der andern fallen lässt.

af: eremit. ich gehe jetzt schlafen.

af: schlaf gut, schellenengel. gute nacht.

***

Dies war eine Fiktion!

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