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    <title>In denselben Fluss (Erzählungen, Kurzgeschichten, Roman in progress...) : Rubrik:Geistesgeschichte (Romanprojekt)</title>
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    <description>Erzählungen, Kurzgeschichten, Roman in progress...</description>
    <dc:publisher>allesfliesst</dc:publisher>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
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    <title>In denselben Fluss</title>
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  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/5847513/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 24</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/5847513/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;319&quot; alt=&quot;picCatGirl&quot; width=&quot;330&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/picCatGirl.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An Satoko gab es weiterhin nichts Bemerkenswertes außer der Angst, die wie eine transparente Art von Akne auf ihrem Gesicht lag und die Linien ihrer Lippen, die Nasenwinkel und die wassergrünen Ringe um die Augen mit einem strengen, häßlichen Ernst schraffierte. Da wir einander wenig zu erzählen hatten und unsere beiden Leben nur durch Mahlzeiten und Fernsehabende verknüpft waren, wollte ich wenigstens diese Angst besser kennenlernen. Ich stellte mir vor, daß ein Durchschnittsmensch auch eine durchschnittliche Angst empfinden müsse  eine kleine, fest zusammengepreßte Finsternis irgendwo am Rand der sonst gleichmäßigen teppichbeigen Helle des Alltäglichen, ein klebriger schwarzer Klumpen unter dem Sofa, eher jedenfalls als der Staub, der in meiner Welt auf den Oberflächen der Dinge glitzerte und mich mit dem Eindruck erschreckte, ein Briefumschlag, eine Uhr, ein Handschuh oder eine Klinke könne jeden Augenblick wie das gepuderte Lid einer alten Tunte nach oben fahren und das ädrige Weiß eines Blickes freilegen, der mich mit der ekelhaften Intensität des Begehrens fixierte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satoko setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen, als ob sie befürchte, daß sich unter der nächsten Diele ein Loch auftat und sie mitsamt der Frucht ihres Leibes verschlang. Während sie nachmittags kurz aus dem Schlaf erwachte, redete sie einmal über einen Roman, in dem es um einen tiefen, dunklen, von Ratten und Schlangen bewohnten Brunnen ging. Sie lächelte beim Sprechen, und die schmalen Augenschlitze schienen vor Müdigkeit unendlich breit, aber ich nahm an, daß so für sie die Quelle des Grauens aussah: es gab da irgendwo im Garten einen Brunnen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende der ersten Woche, die Satoko und ich zusammen wohnten, kam Tomo zu Besuch. Er trug ein großes braunes Paket mit Schlitzen, in dessen Innerem es kratzte. Er stellte es auf den Treppenabsatz und begann Jacke, Pullover und Sweatshirt auszuziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie ist da, sagte ich leise und bohrte meinen großen Zeh in einen der Schlitze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Tanjôbi omodetô &lt;/i&gt;, platzte Tomo heraus. Zum Geburtstag viel Glück!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwere stampfende Schritte zeigten an, daß Satoko oben aufstand. Das Klingeln hatte sie vermutlich neugierig gemacht, oder sie mußte pissen. Sie trank und pißte ohne Unterlaß, solange sie nicht schlief.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geburtstag? Tomo strahlte. Er kniete sich auf eine Treppenstufe oberhalb des Pakets. Ich habe im Juni Geburtstag. Wie kommst du darauf?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter den Schlitzen blitzte etwas Gelbes auf. Das Rascheln und Kratzen erstarb. Für eine Sekunde war es so still, daß der aufgedrehte Wasserhahn im Badezimmer in den Mauern widerhallte wie ein langgezogenes Stöhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erinnerst du dich nicht mehr an unseren ersten gemeinsamen Abend? fragte Tomo, während er den Bewohner des Kartons mit kleinen schmatzenden Küssen anlockte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An das Kino? Es miaute, und das Kratzen setzte wieder ein, diesmal schneller und kräftiger, feindselig oder freudig erregt. Wird langsam wild, das Teil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;320&quot; alt=&quot;49b36vk&quot; width=&quot;240&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/49b36vk.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


Es war ein japanischer Film gewesen, und ich hatte von der Handlung nichts verstanden, was die unbekannten Darsteller nicht mit pantomimischer Deutlichkeit in einer internationalen Sprache der Gefühle von der Leinwand brüllten. Infolgedessen tauchte der cineastische Strang jenes Abends als eine zusammenhanglose Folge von übermenschlicher Trauer, Wut, Stolz, Romantik, Furcht und berstendem Gelächter aus meinem Gedächtnis auf  während das Nackenhaar meines verspannten Nachbarn immer noch ganz realistisch zwischen meinen Fingern knirschte und seine kaugummikauende Kußangst wie ein scharfer pfefferminziger Geschmack auf meiner Zunge lag. Aber eine Katze war dabeigewesen. Ich erinnerte mich an die wildentzückten Rufe aus dem Publikum: Mite...neko  kawaiiii! War sie nicht am Ende das einzige Erbe gewesen, das die frischverliebte Tochter von ihrem bankrotten Vater erhielt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tomo bog die Pappen auseinander und holte das Geschenk heraus. Es war ein Katzenjunges  kaum ein paar Monate alt und so winzig, daß man es in zwei hohlen Händen verstecken konnte, wenn man dicke lange Finger wie mein Besucher hatte. Es miaute zum Herzerweichen. Selbst meins ächzte genervt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als wisse er genau, daß mich der bloße Anblick des Geschöpfs nicht hinreichend schwächte, ließ Tomo das Kätzchen entwischen. Ohne sich auch nur umzuschauen und über die neue Umgebung zu wundern, hüpfte es mit niedlichen, ein bißchen kurz gezielten Sprüngen rutschend und holpernd die Treppe hinauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hoppla, sagte der Geburtstagsgratulant mit fünf Sekunden Verspätung. Babys und Kätzchen! Meine Liebhaber beschenkten mich. Fehlte nur noch ein Stricher, der mir Untersetzer häkelte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wußte nicht, was das sollte. Ich hatte nicht Geburtstag, und ich hatte mir keine Katze gewünscht. Ich mochte Katzen lieber als Hunde, aber nachdem ich Hunde haßte, bedeutete das für die Katzen kein besonderes Lob. Ich war grundsätzlich überhaupt nicht der Typ, um ein Haustier zu halten, und Tomo, der mich in mancher Hinsicht besser kannte als S., wußte das sehr gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Katze schaffte mit einem deutlich geschmeidigeren Sprung den Rest der Treppe, und einen angehaltenen Atemzug später hörten wir ihre Krallen über die Tatami schrappen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was bitte hast du dir dabei gedacht, Tomo? Nimm die Katze wieder mit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welchen Namen willst du ihr geben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde ihr gar keinen Namen geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber sie braucht einen Namen. Jedes Wesen auf der Welt verdient einen Namen. Er spielte mit seinem Handy herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde sie Tomoko nennen. Und nun nimm sie bitte wieder mit und verschwinde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein spitzer Schrei unterrichtete uns, daß die Katze ihr Ziel erreicht hatte. Satokos Stimme überschlug sich. Wir hörten einen Rumms. Sie war, ohne an ihren empfindlichen Zustand zu denken, auf die Knie geplumpst. Weiche, schmeichelnde Katzenbabylaute imitierend, robbte sie über die Matten  das Kinn auf den Boden gesenkt, die platte Nase gegen die Spitze des Tieres drückend, Augenbrauen, Wangen, das ganze Gesicht hin zu diesem &lt;i&gt;nya-nya-nyaaa...!&lt;/i&gt; zusammengezogen, für das sich japanische Frauen auch auf der Straße nirgends zu schade waren. Wir wußten beide, was geschah. Die Katze schnurrte. Satokos Fingerspitzen schlichen sich wie Wichtel unter ihren Bauch und hoben das kleine Ding zu seinem quietschenden Vergnügen hoch, hoch, hoch in die Luft...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;neko02&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/neko02.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


Ich ließ mich auf die Treppenstufe fallen und gab dem Karton einen Tritt. Tomo sah zerknirscht drein. Oben näherte das Spiel sich seiner wilden Phase. Satoko mutierte selbst zum Kind. Das andere in ihrem Bauch war völlig vergessen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einigen Gläsern Wein in der Küche, während der Geburtsbesuch im ersten Stock durch alle Ecken tobte, einigten wir uns darauf, daß Tomo die Katze bei sich zu Hause halten und ich ihn dort ab und zu besuchen kommen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er wirkte erleichtert, daß es so glimpflich ausging, und legte, vielleicht durch den Alkohol begünstigt, eine selbst für ihn beinah groteske Unterwürfigkeit an den Tag. Du kannst mit ihr spielen, ohne Arbeit zu haben. Ich verstehe, daß dir die Arbeit lästig ist, das Füttern und der Dreck und die Schäden am Teppich. Es genügt mir, wenn ich dich ab und zu mit ihr spielen sehe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich und Tomoko im Zoo.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fällt mir irgendwie leichter, deine Gegenwart zu ertragen, wenn da noch ein anderes Wesen ist, das zu dir gehört. Verzeihung...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weinte er? Er wischte mit dem Ärmel über seine Augen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nur, weil ich dich liebe. Ich denke ständig daran, daß du stirbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Tomo sich verabschiedete und sein wackelndes Fahhrad mit dem kreischenden Karton bestieg, blieb Satoko lange in der Tür stehen und winkte. Ich sagte ihr, sie würde sich erkälten, aber ihre Hand fiel erst herab, nachdem der kleine rote Punkt des Rücklichts vom Verkehr der Hauptstraße verschluckt worden war. Danach ging sie wortlos zu Bett.

&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;

&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;2957623756_40b3c622a8_b&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/2957623756_40b3c622a8_b.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2009-07-27T22:25:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/5111742/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 23</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/5111742/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;800px-Japanese_wedding_western_style&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/800px-Japanese_wedding_western_style.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;b&gt;4.&lt;/b&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Weil du nicht weißt, ob ich etwas ernst meine oder nicht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, sagte Tomo. Er klang traurig, nahm aber dann seine Kraft zusammen und rettete sich in eine Art verzweifelten Humor, den ich sehr an ihm mochte. Ja, das ist eine sehr genaue Beschreibung meines Problems.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich piekste mit einem Zahnstocher in die drei Löcher, die Mikrofoneinheit des Telefons. Nur so aus Blödsinn und um eine Pause zu machen. Es gab im Grunde nichts nachzudenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber haben sich schon einige beklagt. Ich kann dir leider nur sagen, was ich ihnen gesagt habe: Ich selbst weiß es wirklich auch nicht. Wüßte ich es, würde ich es dir sofort erklären. Glaube mir.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob ich &lt;i&gt;dir&lt;/i&gt; das glauben kann, bin ich mir eben nicht so sicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Armer Tomo. Schon während ich noch mit Tomoko zusammen war, hatte er sich unsterblich in sie verliebt, und nach unserer Trennung freute es mich außerordentlich, daß gewissermaßen schon ein Nachfolger auf der Schwelle stand und Tomoko sich nur noch überwinden mußte, ihn hereinzulassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachricht von ihrer Heirat hatte mich dann etwas erschreckt. Es waren kaum zwei Monate vergangen. Nach dem, was ich wußte, befand sich Tomoko durch meine aufwendige Affaire mit S. in einer ziemlichen Verwirrung, hin und her gerissen von Mordgelüsten oder sowas und dem Wunsch, mich aus dem Schlund der Hölle zurückzugewinnen, als der ihr die Liebe zwischen zwei Männern zweifellos erschien. Daß das junge Paar mich nicht informiert hatte, verstand ich wohl. Immerhin stellte ich ein nicht ungefährliches Hindernis zwischen ihnen dar. Wenn es schon schwer genug werden würde, in ihrer Ehe darüber hinwegzukommen, daß die Beziehung aus dem Scheitern einer anderen herausgekrochen war, wollten sie sich vermutlich wenigstens am Hochzeitstag sicher und ohne Bürde fühlen.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;japanese_wedding&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/japanese_wedding.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


Ich beneidete Tomo nicht. Tomoko auch nicht, aber die ernste und noch sehr naive Tochter eines Bankdirektors hatte einen leichten Vorteil darin, daß sie von der entscheidenden Komplikation unserer Dreiecksbeziehung über Anwesenheit und Abwesenheit hinweg gar nichts wußte. Schon bevor ich Tomoko kennengelernt hatte, war Tomo eines Abends an meine Haustür gekommen. Er hatte eine Weile herumgedruckst, war schließlich widerstrebend hereingetrottet und hatte mir nach einer halben Stunde beharrlichen Schweigens und einiger dummer Bemerkungen über Ausländer in Japan gestanden, daß er mich liebte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tomo wußte von meiner Bisexualität. Er selbst betrachtete sich jedoch als normal, wie er mir auf Englisch immer wieder sagte. Die Gefühle für diesen komischen Fremden, der zu alt war für das, was er tat, und offenbar Spaß daran hatte, sein eigenes Leben und das anderer Menschen durcheinanderzubringen, schickten ihn Abend für Abend mit ernsthaften Schwierigkeiten ins Bett. Er erzählte mir, daß ich in seinen erotischen Träumen die Rolle des verführerischen Schurken spielte  und daß sie fast regelmäßig mit einer Szene endeten, in der ich ihm den Kopf abbiß. Wir schliefen in dieser Nacht im selben Bett. Ich nahm ihn fest in die Arme, aber weder mir noch ihm war nach Sex zumute, und als wir nebeneinander aufwachten, schien es, als seien wir Geschwister geworden. Dann trat Tomoko in unser Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tomo war in jedem Fall der bessere Mann für Tomoko. Nicht nur weil er Japaner war und ihre Grenzen kannte  seine Liebe hatte jene Ergebenheit, jenen bedingungslosen Respekt für das, was Tomoko als Mensch darstellte. Im Vergleich kam mir meine eigene Leidenschaft wie das Spielen mit einem Tierchen vor, dessen Intelligenz einen reizt, das man neckt, um es zu mehr herauszufordern, letztlich aber ebensowenig begehren wie verabscheuen kann, weil es einfach zu süß ist. Mit einem gewissen Instinkt für die Quelle von Widersprüchen hatte Tomoko in mir zugleich Gefahr und Schutz gesucht. Ich konnte sie vor allem schützen, außer vor mir selbst. So war sie nach einem wunderbaren halben Jahr schließlich das Opfer einer dieser Taten geworden, die bewiesen, daß die Offenheit, die sie an mir bewunderte, auf Skrupellosigkeit beruhte.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;288&quot; alt=&quot;39644037-weddingcouple&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/39644037-weddingcouple.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


Bist du noch da? fragte Tomo, und seine Angst war so klar hörbar wie früher ihre. Ich wollte dich nicht beleidigen damit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht mir nicht darum, dich auszutricksen, indem ich dir falsche Informationen über mich gebe, sagte ich. Eher im Gegenteil  ich möchte meine Unsicherheit mit dir teilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Stimme wurde weich. Ich spürte, wie er am anderen Ende der Leitung zu zittern begann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So erkläre ich mir selbst mein Verhalten, setzte ich etwas nüchterner fort, aber die Wirkung würde dadurch nur stärker werden. Es ist ein Versuch, Nähe zu erzeugen. Ich mache es immer so: Ich ziehe jemanden in eine gemeinsame Verwirrung, in der er durch ein unlösbares Problem auch an mich gefesselt bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tomo blieb stumm auf dem Bett hocken. Ich wußte, daß er auf der miefenden Matratze saß und ins Wohnzimmer des Hauses gegenüber spähte. Die beiden jüngeren Kinder lagen wahrscheinlich auf dem Bauch und spielten mit ihrer Playstation, während die Mutter ab und zu im Hintergrund auftauchte, um etwas an seinen Platz zu rücken oder zu Reiningungszwecken kurz zu entfernen. Womöglich kam gerade der Großvater, in eine Polarjacke gehüllt, aus dem kleinen Badehaus auf dem Dach, und in dem kurzen Augenblick, bevor er die Tür zuzog, schoß eine Dampfwolke in den grauen Oktoberabend und verpuffte in einer halben Sekunde um seinen runzligen Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bist du zu allen Menschen so oder nur zu bestimmten? stieß mein schwieriger Verehrer schließlich hervor. Er konnte nicht lügen. Er konnte es nicht, und ich wollte es nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist ein Verhalten, das mittlerweile wohl ein fester Bestandteil meines Charakters geworden ist. Aber es gibt sicher Menschen, gegenüber denen meine Ambivalenzen stärker ans Tageslicht treten. Vielleicht auch deshalb, weil sie empfänglicher sind. Du zum Beispiel bist sicher ein dankbares Opfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oh, ja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast selbst eine große Sehnsucht, Unsicherheiten zu teilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du glaubst ja gar nicht, wie groß.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist leicht, jemanden in den Hals zu beißen, wenn er schon den Kopf in den Nacken legt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser Vorstellung werde ich schwer einschlafen können, seufzte Tomo. Ich konnte hören, wie er irgendetwas mit dem Fuß verschob. Schon deshalb, weil es nazu notwendig ist, den Kopf zurückzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Träum trotzdem süß, wenn der Schlaf dich dann doch übermannt! Bis demnächst.&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;IMG_3372&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/IMG_3372.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-08-08T11:41:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/5051433/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 22</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/5051433/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;langeweile&quot; width=&quot;309&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/langeweile.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Ich fummelte den&lt;/b&gt; mitgelieferten Umschlag auf, der wahrscheinlich eine englische Version des Handbuchs enthielt. Gammas Antworten wurden länger, nachdem sie sich warmgeredet hatte, und verloren ihre unfreiwillige Prägnanz. Auf die Frage nach den menschlichen Beziehungen reagierte sie mit einer langen Liste von Namen, die angeblich zu komplexen, aus Nicht-Können und Nicht-Wollen zusammengesetzten Biographien gehörten. Ich kannte einige der betreffenden Personen und wußte, daß es sich um reine Phantasiegespinste handelte. Genauer gesagt, erfand Gamma, fast schon gewohnheitsmäßig, psychologische Widerstände, die den anderen daran hinderten, sie liebevoll oder freundlich oder wenigstens fair zu behandeln. In einer Art von emotionaler Notwehr zog sie grausame Mütter, schizophrene jüdische Identitäten und mißglückte Schwangerschaften wie Kaninchen aus den Andeutungen, mit denen diese sogenannten Freunde ihre Neugier irgendwann befriedigt hatten, und erklärte so das Unerträgliche weg: die niederschmetternde Möglichkeit, daß sie einfach nicht liebenswert war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;&gt;&gt;&gt;&lt;/b&gt;Frage: Gibt es etwas Kontinuierliches in deinem derzeitigen Leben, was dir Halt gibt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antwort (zuerst lachend): Naja, das konsequente Fehlen eines Privatlebens, an das man sich allmählich gewöhnt. Na, und natürlich meine Tütensuppen. Ich packe ja einmal die Woche beim asiatischen Supermarkt meinen Korb bis obenhin voller &lt;i&gt;Instant Ramen&lt;/i&gt;. Das ist mein Mittagessen auf der Arbeit, jeden Tag. Hat wahrscheinlich keine müde Kalorie, aber dieses Brennen in der Kehle gibt mir Kraft.&lt;b&gt;&gt;&gt;&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Konnte es das überhaupt geben: einen Menschen, der nicht liebenswert war? Während ich den Finger unter die Lasche des Umschlags schob und ihn langsam aufriß, suchte ich in Gammas aufgeschwemmten, von den Medikamenten wie mit einem speckigen Radiergummi bearbeiteten Zügen nach den Anzeichen eines Liebesobjekts. Seit Platons &lt;i&gt;Symposion&lt;/i&gt; hatten wir uns daran gewöhnt, die Ursache der Liebe allein im Liebenden zu finden  sein Begehren, jener rätselhafte Mangel im Herzen seiner selbst, der ihn unwillkürlich auf die Suche schickte und aus jeder kleinen Ähnlichkeit mit dem Unmöglichen ein verlockendes Trugbild formte, auf das er, zumindest für eine Nacht oder für ein paar Jahre, hereinfiel. Der Geliebte war nur ein mehr oder weniger zufälliges Opfer, und so gesehen konnte, sollte, ja mußte jeder geliebt werden. Was für eine Perfidie im Grunde  das höchste Glück, die existenzielle Vervollkommnung des Menschen ganz in die Hände des Zufalls zu geben, während doch das Ausbleiben desselben Zufalls mit immer schlimmeren Argumenten dem Unglücklichen selbst zur Last gelegt wurde. Gamma sah man das Ungeliebtsein schmerzhaft deutlich an, und das monströse Bedürfnis, das beim leisesten Vorzeichen einer Begegnung in ihrer tiefen, weichen, immerzu um Verzeihung bittenden Stimme hochzuklettern begann und den anderen anstarrte wie durch Gitterstäbe, reichte aus, um auch die wenigen Gutherzigen in die Flucht zu schlagen, an die sie sich wandte.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;langeweile5&quot; width=&quot;306&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/langeweile5.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Der Umschlag enthielt einen handgeschriebenen Brief und eine selbstgebrannte CD. Ich mußte zweimal lesen, ehe mir aufging, daß sich hinter den Namenskanji (&lt;i&gt;Miyairi&lt;/i&gt; wurde das vermutlich ausgesprochen) der toupierte Verkäufer aus Akihabara verbarg, der mich so verantwortungsvoll betreut hatte. Die CD enthielt drei Songs, die er erst in der letzten Woche geschrieben und in seinem Zimmer aufgenommen hatte. Der letzte sei durch unser Gespräch inspiriert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich legte die CD in den Player. Gamma redete unerschütterlich weiter. Zwischendurch fragte sie selbst ihren unsichtbaren Interviewer: Wollen wir mal Schluß machen, du schaust schon so müde?  mußte aber dann doch noch irgendeinen Gedanken über ihre Mutter zu Ende bringen, der es wegen eines tatsächlichen oder tatsächlich unterbliebenen Anrufs aus Budapest nicht gut ging und die ein paar kranke tatenlose Tage damit verbrachte, ihre Allergien zu differenzieren. Die ersten Takte des ersten Songs namens &lt;i&gt;The People Who Know&lt;/i&gt; verwandelten Gammas Sorgen in ein cooles Krautrock-Intro. Miyairi spielte Gitarre und bastelte offenbar den Rest am Computer zusammen. Wie so viele Japaner sang er gut, aber anders als sein glattes Verkaufsgezwitscher hatte die Singstimme einen rauhen, spröden und sehr verletzlichen Klang. Er formte die englischen Worte wie zu große Brocken eines harten Gebäcks, von dem man nicht weiß, wie man es zerbeißen soll. Exotisch, aber ohne japanischen Akzent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Soweit ich ihn beim ersten Mal verstand, handelte der Song von einem Schulfreund, den man nach Jahren wiedertrifft und der in seiner alten Verweigerungspose unangenehm vergreist und verbittert ist. &lt;i&gt;Didnt you say: Take me off the list? Now dont you complain that you wont be missed  by the people who know who is yes and whos no...?&lt;/i&gt; Der zweite Song variierte dieses Thema, indem er aus der Perspektive eines vergangenen Ichs (des Fünfzehnjährigen, der damals am Ende einer langen Nacht beschlossen hatte, sich nicht umzubringen) Fragen an das gegenwärtige Ich formulierte. &lt;i&gt;Schools over, what did you expect?&lt;/i&gt; ging der Refrain  &lt;i&gt;And am I, am I, am I anything but talented, talented, talented now?&lt;/i&gt; Und im Hintergrund, wie jemand, der zufällig ins Zimmer kommt, flüsterte dieselbe Stimme schüchtern: &lt;i&gt;Tender!&lt;/i&gt;  und, beinahe noch zarter, von der andern Seite: &lt;i&gt;Proud!&lt;/i&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte Song klang wie eins der LoFi-Homerecordings von Lou Barlow. Miyairi begleitete sich nur mit der Gitarre, er beschränkte sich darauf, einen traurigen schrägen Akkord mit zwei, drei Intervallen zu einer melancholischen Hookline auszubauen, und der Gesang bekam dadurch die Intensität einer Verzweiflung, die totale Gleichgültigkeit trägt. Das Lied hieß &lt;i&gt;Elegy&lt;/i&gt;. Ich hörte es zweimal, dreimal. Gamma war schon lange fertig, als ich es noch immer hörte, Satoko war mit bekleckerter Schürze aus der Küche gekommen und saß neben mir auf der Couch. Der Lautstärkeregler stand kurz vor dem Anschlag.

&lt;blockquote&gt;&lt;i&gt;Dont believe Im pleading, angel, and even if I did &lt;br /&gt;
you dont come. And my calling is always&lt;br /&gt;
full of a single direction. Against such a strong current&lt;br /&gt;
you cannot walk. Like a stretched out arm is my calling.&lt;br /&gt;
And its hand, fit to grasp, open on top, stays open&lt;br /&gt;
before you, like defense and warning.&lt;br /&gt;
Inconceivable, wide open.&lt;/i&gt;&lt;/blockquote&gt;

Zum Schluß (&lt;i&gt;wide open, wide open...&lt;/i&gt;) setzten verzerrte, auf dem Keyboard bewußt billig programmierte Streicher ein und bewegten sich in einem langsamen, auf der Stelle bleibenden Schreiten wie bei Mahler durch unverbundene, einander fremde harmonische Welten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hätte weinen mögen. Satoko summte. Das Telefon klingelte los. Der Song begann von vorn, ich hatte auf REPEAT gestellt. Das Essen wird kalt, sagte Satoko, ohne aufzustehen. Der Apparat hält den Reis warm, aber das Nikujaga wird kalt. Ich überlegte, ob ich S. dazu überreden konnte, die Produktion einer professionellen CD zu finanzieren, auf die man dieses Lied in genau der Wohnzimmerversion, die wir hörten, als letzten Track packen würde. Aber Miyairi wollte nicht berühmt werden. Er hatte es sehr ernst gemeint, dessen war ich mir sicher (oder wollte es sein). Selbst wenn jemand ein paar Millionen Yen spendierte, würde er keinen Vertrag unterschreiben, der ihn zu Marathon-Interviews, Fernsehauftritten in Koch-Shows und Signierstunden bei HMV Shibuya verpflichtete. Was mich an &lt;i&gt;Elegy&lt;/i&gt; beeindruckte, war vielleicht gerade der einfache, unaufgeregte Ernst, mit dem es komponiert und eingespielt war. Bei allem Pathos strahlte die Musik eine sehr erwachsene Ruhe aus, so als sei der Jugendliche auf seiner Reise durch die Zeit einem hundertjährigen Ebenbild begegnet, und die beiden hätten sich für fünf Minuten zusammengesetzt. Ich ließ den Song noch ein letztes Mal laufen, ehe wir zum Essen in die Küche gingen. Das Klingeln hatte unterdessen aufgehört.&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;langeweile6&quot; width=&quot;305&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/langeweile6.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-11T10:53:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/5031579/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 21</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/5031579/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;227&quot; alt=&quot;img_waschbaer_01&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/img_waschbaer_01.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Deprimiert von der&lt;/b&gt; Einsicht in meine Konfliktlosigkeit, machte ich mich auf die Suche nach dem entscheidenden Ereignis, das mein Leben auf die Bahn eines großangelegten Scheiterns zurückwerfen würde. Als am nächsten Morgen das Paket mit dem Videorecorder angeliefert wurde, versuchte ich eine Hürde darin zu erkennen. Was war der dazugehörige Selbstentwurf? Welche Hoffnung gefährdete dieser überraschend leichte Karton, dieses Styropor, diese wohldurchdachte Plastikverpackung? Die einzigen echten Widerstände, gegen die ich während der nächsten Viertelstunde kämpfte, waren Stecker, unbeschriftete Anschlüsse und Programmieranweisungen in Japanisch. Dann funktionierte alles tadellos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satoko hatte voller Begeisterung den Reiskocher ausgepackt und sich in die Küche verzogen. Sie übernehme das Mittagessen. Obwohl sie schlecht geschlafen hatte, schien die Müdigkeit wie weggeblasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem zähen Termin im Hotel überlegte ich ernsthaft, ob ich die Kommissionsarbeit sausen und mich ganz von S. aushalten lassen sollte. Nachdem seine Scheckkarte (eine von den weniger wichtigen) sich einmal in meinem Besitz befand, fiel es gar nicht so leicht, sie wieder aus der Hand zu geben. Verglichen mit dem, was er für meine Eskapaden ausgab, stellte mein Lebensunterhalt eine lächerliche Summe dar, zumal ich ohnehin in seinem Haus wohnte, aber das entspannte Glück unsrer Beziehung schien doch davon abzuhängen, daß sie auf Verschwendung beruhte. S. warf Geld für etwas zum Fenster hinaus, was ich zu genießen wußte und trotzdem nicht brauchte  und ich legte meine Bereitschaft, geliebt zu werden, ganz in seine Hände, ohne ihm auch nur den kleinsten Knochen meines Begehrens zu geben. Das empfindliche Gleichgewicht würde durch eine solide ökonomische Abhängigkeit durcheinandergeraten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andererseits  konnte ich nicht ganz gut ein kaltblütiger Betrüger sein? Konnte ich vielleicht ein Vergewaltiger sein? Konnte ich nicht sogar ein Mörder sein? Die Antwort lautete auf alle Fragen ja, aber ich &lt;i&gt;war&lt;/i&gt; bereits zuviele meiner Möglichkeiten. Was fehlte, würde kaum in einer weiteren Chance zum Leben erwachen. Es mußte mir vielmehr gelingen, wenigstens mit einer meiner Reaktionen bis zum Ende zu gehen. Bis zu irgendeinem Ende. Dort erst würde das Reale warten.

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;272&quot; alt=&quot;waschbaer&quot; width=&quot;394&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/waschbaer.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;b&gt;&gt;&gt;&gt;&lt;/b&gt;Gamma sitzt auf dem schwarzen, wackeligen Stuhl am Küchentisch, wo sie immer sitzt, wenn sie mir bei meinem Abendessen gegen Mitternacht Gesellschaft leistet. Sie raucht nicht, weil mich das beim Essen stört, aber der verschließbare kugelförmige Aschenbecher, den sie letztes Jahr zu Weihnachten bekommen hat, steht auf dem Tisch neben einer Vase mit (vermutlich selbstgeschenkten) blaßgelben Rosen. Das Licht der Deckenlampe kriecht über die halboffenen Knospen, macht einen großen weißen Fleck auf den Tisch und schafft es von dort bis zu ihren nackten dicken Oberarmen. Das Gesicht bleibt weitgehend im Dunkeln, die Züge verwischt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie wirkt bedrückt, doch das mag an der Kamera liegen. Gibt es einen Kameramann, oder ist das Gerät in dieser Einstellung fixiert? Ihre Finger spielen mit den letzten Marzipankartoffeln, die ich bei meiner Abreise vor einem Jahr zurückgelassen habe. Die müssen hart wie Kieselsteine sein. Eine Männerstimme aus dem Off stellt die erste Frage. Berliner Akzent. Einer ihrer &lt;i&gt;Waschbären&lt;/i&gt;, wie sie die Typen nennt, die sie irgendwann sitzengelassen haben und die sie noch liebt. Man merkt, daß er vom Blatt abliest.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Wie fühlst du dich jetzt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anwort: Och, geht so. Nix Besonderes im Büro (ironisch auf der ersten Silbe betont), und das ist eigentlich gut. Chef war freundlich, obwohl er den ganzen Tag vielleicht drei Sätze mit mir gewechselt hat. Die Chefeline hat mir zwischendurch anvertraut, daß er Anfang des Jahres die nächste Operation hat, und danach wird er &lt;i&gt;sechs&lt;/i&gt; Wochen, ja, volle &lt;i&gt;sechs&lt;/i&gt; Wochen gar nicht arbeitsfähig sein, und wir haben die Einreichungen für alle wichtigen Filmförderungen im März. Na, und jetzt bist du da und stellst Fragen, was natürlich den Höhepunkt des Tages darstellt, wenn nicht der letzten Wochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Was ist zur Zeit dein schwierigstes Problem im Leben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antwort (nach längerem Nachdenken): Einsamkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Worauf bist du am meisten stolz?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antwort: &lt;i&gt;Auf welche Leistung in der letzten Zeit...&lt;/i&gt;, müßte es eigentlich heißen. Ja, worauf? Darauf, daß ich mit Michaels Abwesenheit relativ gut zurechtkomme. Er ist natürlich immer hier, der werte Herr  in der geruchsdichten Verschlossenheit dieses Aschenbechers, in all den Dingen, die er hier zurückgelassen hat und die ich natürlich &lt;i&gt;sorgsam&lt;/i&gt; hege und pflege... Aber es hat mich jetzt nicht &lt;i&gt;sooo&lt;/i&gt; schlimm mitgenommen, wie ich befürchtet hatte. Weißt du, ich werde ja immer in Situationen psychotisch, wo es ums Abschiednehmen geht, ja. Das erste Mal damals mit Verwoert. Im Grunde hat er mich in den Wahnsinn getrieben, als wir zusammen waren, mit diesen widersprüchlichen Signalen, die mich unentwegt zwischen den Rollen der Begehrten und der Verabscheuten hin und her geschubst haben. Aber ausgerastet bin ich amüsanterweise erst, nachdem er weg war. Wie bei einem Migräneanfall, der einsetzt, wenn die Durchblutungsstörung im Gehirn vorbei ist und das Blut wieder strömt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frage: Wie hoch ist zur Zeit die Tablettendosis, die du nimmst?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Antwort: Mit der Grunddosis bin ich bei zweihundert Miligramm täglich. Man kann sie bis auf hundertfünfzig reduzieren  das habe ich kurze Zeit getan, damit wurde es aber schlechter. Und sechshundert sind das Maximum, was man sich selbst verabreichen kann. Wenn die nichts mehr helfen, geht es in die Klinik. Dann gibt es noch Extrapillen, die nehme ich, wenn ich merke, daß es mir nicht gut geht und die Dinge so anfangen zu schwimmen, weißt du...wenn es anfängt, so an einen Trip zu erinnern, von dem man nicht wieder runterkommt...&lt;b&gt;&gt;&gt;&gt;&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich spulte ein Stückchen vor. Im Zeitraffer fiel auf, daß Gamma beim Reden ziemlich heftig auf ihrem Stuhl herumruckelte. Sie trug ein khakibraunes Unterhemd, und bei manchen Bewegungen rutschte ihre linke Brust unter dem Träger heraus und baumelte halb im Hellen, halb im Dunkeln.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;266&quot; alt=&quot;waschbaer2&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/waschbaer2.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-07-01T12:27:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4907098/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 20</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4907098/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;303&quot; alt=&quot;p54499042404_2&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/p54499042404_2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Als Satoko diese&lt;/b&gt; Meldung auf der Titelseite las, stieß sie einen Schrei aus. Ich mußte nochmal zum Convenience Store zurück und alle übrigen Tageszeitungen kaufen, und wir verbrachten den Vormittag damit, den Fall bis in die letzte zugängliche Einzelheit zu rekonstruieren. Meine (zugegeben etwas halbherzigen) Versuche, das Gespräch auf die Berichterstattung selbst, die unterschiedlichen Reportagestile und den Kampf des Seriösen mit der Schönheit des Skandals zu lenken, prallten erfolglos an ihrer Erregung ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie können Menschen so etwas tun? sagte sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich stimmte zu. Wie hätte ich ihr eingestehen sollen, daß sich dieses Ereignis nur durch einige skurrile Details von dem unterschied, was mich abends vor dem Einschlafen entspannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie &lt;i&gt;können&lt;/i&gt; Menschen so etwas tun?

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;4&quot; cellspacing=&quot;0&quot; width=&quot;210px&quot; style=&quot;border:1px solid #C0C0C0&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;padding:3px;border-bottom:1px solid #C0C0C0&quot; bgcolor=&quot;#ececec&quot; align=&quot;center&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.nothingtoxic.com/&quot; title=&quot;Humor videos&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.nothingtoxic.com/i/share_logo.png&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;font &gt;&lt;b&gt;Female Bullies Beat the Hell Out of Some Girl&lt;/b&gt;&lt;/font&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td align=&quot;center&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.nothingtoxic.com/media/1177467364/Female_Bullies_Beat_the_Hell_Out_of_Some_Girl&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.nothingtoxic.com/thumb/d2/f0/d2f0a33b4c0ae1d669b8e1bcca6eb2b0.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;font &gt;These two losers would&#039;ve gotten a quick anal cleansing via that umbrella if this happened to a girl who had any fighting skills whatsoever. But alas, she does not.&lt;/font&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;Get &lt;a href=&quot;http://www.nothingtoxic.com/&quot;&gt;humor videos&lt;/a&gt; at &lt;a href=&quot;http://www.nothingtoxic.com/&quot;&gt;NothingToxic&lt;/a&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Das allgemeine Interesse an beinahe jedem sogenannten &lt;i&gt;Thema&lt;/i&gt; enthält stets die Beimengung eines moralischen Empfindens. Auch wenn sie in manchen Fällen sehr gering ist, beruht das Kollektive, das unsichtbare Band, das die Aussagen eines Einzelnen über gewisse Schwingungen im Hintergrund der Worte, Gesten und Tätigkeiten mit denen aller anderen verbindet, im Grunde seines Wesens auf der Einigkeit oder Uneinigkeit bei moralischen Urteilen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich sind Gewaltverbrechen nur deshalb so populär, weil die Lust, die es verschafft, sich die vielen schmutzigen Einzelheiten vorzustellen, zu einer mächtigen Verurteilung im Widerspruch steht, die unser Gewissen verkörpert  und aus dieser Spannung richtet sich das Entsetzen auf. Aber genauso interessiert man sich für die Liebe außerhalb des eigenen Gefühls nur dort, wo sie jemanden in Konflikte stürzt (Konflikte sind immer moralischer Art). Tomos Liebe zu mir hätte ein gutes Thema abgegeben, da er zugleich verheiratet war und seine Frau zumindest in Gedanken mit mir betrog. S. dagegen lebte in einer leeren, undefinierten Welt, die ihm alles erlaubte. Sein Begehren konnte scheinbar durch nichts gefährdet werden, und so gut ich ihn kannte, hatte ich bisher auch den Punkt nicht entdeckt, wo es sich selbst mit dem Verrat der letzten, existenziellen Lüge bedrohte. Satokos Liebe zu einem Unbekannten wäre mitreißender gewesen, hätte sie selbst eine aktivere Rolle darin gespielt. Nachdem S. sie von der Todeslinie fort quasi ins Abseits gezogen hatte, schienen die Konflikte zu schlafen. Wenn in der Sache irgendwo ein Drama steckte, lief es sehr weit innen, irgendwo in der Nähe des Selbstverständlichen ab.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am langweiligsten in der Ordnung des kollektiven Interesses aber war ich selbst. Jede dumpfe Umkehr der Welt hat solche Enterbten, denen das Frühere nicht und noch nicht das Nächste gehört, heißt es einmal bei Rilke. Unter all den Schicksalen, die in der imaginären Bibliothek der Gegenwart gesammelt waren und von denen ab und zu ein Zeitungsartikel, ein Roman oder ein Spielfilm eines hervorzog, um es durch das Allgemeinverständliche zu schicken, hätte meins die schlechtesten Chancen, dachte ich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Mitleidlosigkeit ärgerte mich bis zu diesem Punkt, wo sie mir selbst als Mittelpunkt einer großen überkomplexen Ödnis erschien: Was fängt man an mit einem jungen Mann, der kein Gewissen hat  der nicht böse ist, sondern einfach auf eine freundliche Weise gewissensfrei? Dessen Bereitschaft, die Welt zu genießen, wie sie ihm zufällt, in seiner eigenen Seele auf keinerlei Widerstand trifft? Für den das Unmögliche wie eine Sänfte ist, in der man ihn den Berg hinaufträgt  für den jedoch nichts, einfach nichts zu einem wirklichen &lt;i&gt;Hindernis&lt;/i&gt; wird, weil er keine Herausforderung annimmt und keinen Plan für sein Leben verfolgt? Was, um Himmels Willen, fängt die Welt an mit einem jungen Mann, der sich weigert, eine Zukunft herauszugreifen und stattdessen den Abgrund zwischen Früherem und Nächstem wie eine gläserne Zelle, eine Klause des &lt;i&gt;verschlafenen Zusammenhangs&lt;/i&gt; bewohnt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das biographische Material meines Lebens war weit spektakulärer als Satokos banale kleine Angestelltentragödie. Dennoch, soviel wurde mir in dieser langen halben Stunde klar, hätte der Autor, der durch das Schieferdach unseres gemeinsamen Häuschens lugte und nach einem Thema suchte, unfehlbar sie ausgewählt. Mit den schwebenden perversen Teilchen in der trüben Flüssigkeit meines Daseins ließ sich keine Geschichte erzählen. Obwohl ein einflußreicher Mann Millionen Yen für mich ausgegeben hatte, war ich in den Augen der interessiert nickenden Gegenwart einfach nicht da.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich blickte zu Satoko herüber, die zum werweißwievielten Mal denselben Artikel studierte. Bisher war das Verhältnis zu ihrem Kind von dem Willen bestimmt gewesen, ihrem gemeinsamen Leben ein Ende zu setzen, bevor das Schickalhafte daran über sie hinauswuchs. Als sie sich nun bei mir wiederfand, gerettet und zugleich von einer fremden Hand verschoben, waren zunächst nur Enttäuschung, Fassungslosigkeit und eine träge, gleichmütige Stille übriggeblieben. Doch mit der schockierenden Nachricht von einem anderen, weitaus schlimmeren Schicksal kehrte auf einmal die Zukunft in Satokos Leben zurück. Ab diesem Tag begann sie sich ernstlich Sorgen zu machen.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;table cellpadding=&quot;4&quot; cellspacing=&quot;0&quot; width=&quot;210px&quot; style=&quot;border:1px solid #C0C0C0&quot;&gt;&lt;tr&gt;&lt;td style=&quot;padding:3px;border-bottom:1px solid #C0C0C0&quot; bgcolor=&quot;#ececec&quot; align=&quot;center&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.nothingtoxic.com/&quot; title=&quot;Humor videos&quot;&gt;&lt;img src=&quot;http://www.nothingtoxic.com/i/share_logo.png&quot; border=&quot;0&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;font &gt;&lt;b&gt;Evil Kids Abuse and Humiliate a Girl in Romania&lt;/b&gt;&lt;/font&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td align=&quot;center&quot;&gt;&lt;a href=&quot;http://www.nothingtoxic.com/media/1208904420/Evil_Kids_Abuse_and_Humiliate_a_Girl_in_Romania&quot;&gt;&lt;img border=&quot;0&quot; src=&quot;http://www.nothingtoxic.com/thumb/30/30c43198a8c342e3f688a1c37da4cc1d.jpg&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;tr&gt;&lt;td&gt;&lt;font &gt;She shouldn&#039;t complain. She got a free haircut out of it.&lt;/font&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/table&gt;Get &lt;a href=&quot;http://www.nothingtoxic.com/&quot;&gt;humor videos&lt;/a&gt; at &lt;a href=&quot;http://www.nothingtoxic.com/&quot;&gt;NothingToxic&lt;/a&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-05-04T18:15:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4865541/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 19</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4865541/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;267&quot; alt=&quot;japan-chiba-kanagawa-tokyo-bay-umihotaru1&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/japan-chiba-kanagawa-tokyo-bay-umihotaru1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;An diesem Abend&lt;/b&gt; wurde im Hafen von Tokyo, am Ufer von Odaiba, unweit der Rainbow Bridge, ein grausamer Mord an einer schwangeren Vierzehnjährigen begangen. Sieben Jugendliche stopften eine Mitschülerin gefesselt in den Kofferraum eines Nissan, der dem Vater von einem der Jungen gehörte, und transportierten sie nach Einbruch der Nacht an den verwaisten Strand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mädchen war unter ungeklärten Umständen schwanger geworden. Gerüchte nannten den Vater oder sogar einen der Lehrer als Verantwortlichen; fest stand, daß irgendein gräßliches Geheimnis um die Sache lag. Gegen das Drängen von Eltern, Schuldirektorin und Freunden hatte die Minderjährige sich offenbar geweigert, einer Abtreibung zuzustimmen. Sie wollte das Kind bekommen  die &lt;i&gt;Yomiuri Shimbun&lt;/i&gt; vom übernächsten Tag zitierte einen Psychologen mit der Ansicht, es habe sich bei ihrer uneinsichtigen Entschlossenheit wahrscheinlich um einen stummen Protest gehandelt: »Sie wollte, daß ein Beweis des furchtbaren Verbrechens existierte, das man ihr angetan hatte. Da sie es selbst nicht hinausschreien konnte, sehnte sie das Kind als lebendige Anklage gegen den Vater herbei.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seltsamerweise hatte dieser Protest die anderen Mädchen in ihrer Klasse so erzürnt, daß sie eine berüchtigte Jungsgang aus dem Jahrgang über ihnen zu einer Entführung aufstachelten. Die Jungen zerrten die im fünften Monat Schwangere aus dem Auto und legten das strampelnde Paket in den Sand. Das indirekte, verschämte Japanisch der Zeitungsmeldungen in den folgenden Passagen stand im auffälligen Kontrast zur Ausführlichkeit der Beschreibung: 

&lt;blockquote&gt;Jemand löste die Schnüre mit einem Messer und zerschnitt die Bluse ihrer Schuluniform (sie war nach der letzten Stunde mit zu einer Freundin gefahren, um dort Hausaufgaben zu machen, hatte den Rest des Nachmittags vor dem Fernseher verbracht, verbotene Videos gesehen, Zitronencremetorte gegessen und war dann mit Hilfe eines starken Schlafmittels in ihrer Cola betäubt worden).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gruppe machte anzügliche Witze über ihre dicken, angeschwollenen Brüste. Während zwei oder drei Jungen sie am Boden festhielten, drückten die Mädchen die Brustbeutel mit den Fingern zusammen und versuchten Milch herauszuquetschen, und als nichts kam, hackten sie mit den Absätzen ihrer Schuhe und dem Messer darauf herum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danach wurde das Opfer mit zugehaltener Nase gezwungen, den Urin und das Menstruationsblut eines anderen Mädchens zu trinken, das gerade seine Tage hatte. Einige der Jungen vergewaltigten sie, vaginal und anal, und daraufhin entwickelte sich die Sache offenbar zu einem irrsinnigen, kindisch hemmungslosen Spiel, in dessen Verlauf man ihr alle möglichen Sachen in die Scheide steckte  Steine, Sand, abgebrochene Zweige, Ameisen, Eisstiele, Zigarettenkippen... Der obduzierende Mediziner hatte sogar die Überreste eines toten Vogels in der Bauchhöhle gefunden. Das Ganze war mit solcher Gewalt und vermutlich mit Hilfe eines dicken langen Astes in das wehrlose Mädchen hineingestopft worden, daß es den Gebärmutterhals förmlich zerfetzte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Abschluß hatte man ihr den Schädel eingetreten. An der resultierenden Gehirnblutung war sie schließlich gestorben, obwohl ein wenig Wasser in ihrer Lunge darauf hinwies, daß der Kreislauftod erst eingetreten war, nachdem ihr verwüsteter Körper schon eine Weile durchs Meer glitt.&lt;/blockquote&gt;

&lt;p&gt;
&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;odaiba&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/odaiba.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Die bereits am nächsten Vormittag festgenommenen Täter gaben an, am Tatort auch miteinander Sex gehabt zu haben, während die Leiche von der Strömung abgetrieben wurde. Im Rausch des Mordes hatten sich die beiden Mädchen bereitwillig allen hingegeben, und sogar die Jungen hatten sich aufeinander gestürzt. Diese Szene war von einem heimkehrenden Liebespaar beobachtet worden, die Leiche einen halben Kilometer entfernt im Yachthafen angeschwemmt. Der Vater hatte zu diesem Zeitpunkt schon die Polizei alarmiert und sein Auto als gestohlen gemeldet. In der Schule lief die Nachricht von der Tat am nächsten Morgen als offenes Geheimnis um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Zeitungen brachten Fotos von fünf der Beteiligten, den beiden Mädchen und drei sehr ähnlichen, hübsch und ein bißchen dumm aussehenden Jungen. Darunter faßten jeweils wenige Zeilen zusammen, was das japanische Erziehungssystem von ihrem Leben bisher mitbekommen hatte: durchschnittliche Schüler, gut in Sport, gut bis sehr gut in Musik (Chor, Trompete, eine Auszeichnung in japanischer Flöte); Rügen wegen Rauchens und gefärbter Haare.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Wochen danach erschien in der &lt;i&gt;Asahi Shimbun&lt;/i&gt; noch ein ironischer Nachtrag: Eins der beiden Mädchen war von einem der Mittäter in dieser Nacht schwanger geworden. Und auch sie weigerte sich standhaft, den Fötus preiszugeben. In einem kurzen Interview erzählte sie, daß sie das Baby im Jugendgefängnis zur Welt bringen und dort mit ihm leben wolle. Ihr Anwalt rechnete mit der Überführung in eine psychiatrische Klinik. Über die Chancen, dort ein Kind großzuziehen, herrschte Uneinigkeit.

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;243&quot; alt=&quot;Tokyo-bay_aqualine01&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/Tokyo-bay_aqualine01.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-04-16T10:27:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4731700/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 18</title>
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    <description>&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/l2fGkKZQo_0&amp;rel=1&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;wmode&quot; value=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/l2fGkKZQo_0&amp;rel=1&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; wmode=&quot;transparent&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Das Erdgeschoß war&lt;/b&gt; dem Verkauf von Handys vorbehalten, da sich hier, mit einem Vorbau, der weit auf die Straße reichte, und einem abstellkammergroßen Service-Point hinter der Treppe, der Ansturm der Masse noch am ehesten bewältigen ließ. In der ersten Etage warteten Reiskocher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fragte mich, ob es Satoko Freude machen würde, wenn wir auch einen der klotzigen Apparate zu Hause hätten, ohne die Reis, egal wie gut er schmeckte, nicht als echt japanisch zubereitet galt. Genauer gesagt, war ich sicher, daß sie mit ihren fünfundsiebzig Kilo einen Luftsprung vollführen würde, überlegte aber, ob sie im derzeitigen Stadium unserer Annäherung ein solches Geschenk verdiente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Sonderangebot für tausendzweihundert Yen überzeugte mich ansatzlos. Der zwinkernde Mann mit der dicken Brille, der mir in seinem schnellen, durch die aufwändig höflichen Formen schwer verständlichen Angestelltenjapanisch die technischen Details erklärte, hätte vom Alter her Satokos Vater sein können. Er verströmte jenen herben, bräunlichen Geruch, den alle älteren Männer hier hatten, und seine Firmenuniform, eine weinrote Weste zum weißen Hemd und eine merkwürdig glitzernde Chintzhose, schien den Schweiß und die schlechte Luft der vielen Dienstjahre in diesen vollgestopften gelbgrauen Fluren aufgesogen zu haben. Ich stellte ein paar Fragen, die er vermutlich schon lange beantwortet hatte, um den Vortrag zu verlängern. An der Oberlippe, nahe dem linken Nasenloch, hatte er beim Rasieren ein paar Bartstoppeln übersehen. Die Zähne waren gelb und ungepflegt. Ob er ahnte, was mit seiner Tochter geschah?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/G5O0mfWRIIE&amp;rel=1&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;wmode&quot; value=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/G5O0mfWRIIE&amp;rel=1&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; wmode=&quot;transparent&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An billigen Computern, Digitalkameras und Klimaanlagen vorbei gelangte ich über zwei weitere Etagen zur TV-Abteilung. Bei den Videorecordern gab es nur ein einziges Modell, das europäische Bänder akzeptierte, was die Sache kurz und schmerzlos machte. Bei einem Telefonat mit der Hauptkasse erfuhr der Verkäufer, daß ich bereits einen Reiskocher erstanden hatte, und teilte mir strahlend mit, daß das Kaufhaus mir fünf Prozent Rabatt auf beide Geräte gewähre. Obwohl die Scheckkarte in meiner Tasche S. gehörte und es mir vollkommen egal sein konnte, wieviel der Kram kostete, tat ich angemessen erfreut. Ich fragte den jungen Mann, der sich offenbar noch in der Ausbildung befand und den sein eigener Eifer euphorisierte, was denn sein Traum im Leben sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er stockte beim Ausfüllen des Lieferscheins. Sein Haar war auftoupiert, er trug ein hochgeschlossenes schwarzes Hemd unter der obligatorischen Weste, und auf seinem bleichen Gesicht schien eine Schicht Puder zu liegen. Ich warf ein, er spiele vielleicht in einer Band.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du erinnerst mich an die Jungs von &lt;i&gt;The Jesus and Mary Chain&lt;/i&gt;. Gehörten in den Achtzigern zu meinen Lieblingsbands.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein geschmeicheltes Grinsen huschte durch sein Gesicht, verschwand aber sofort wieder und hinterließ ein unkoordiniertes Nebeneinander widersprüchlicher Züge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mache gern Musik, aber ich möchte kein Star werden, sagte er ohne Unterbrechung, als sei dies das schlimmste Klischee, das es sofort auszuräumen galt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht dir um die Musik  nicht ums Berühmtsein, probierte ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder kann heute berühmt werden, als Musiker oder Schauspieler oder Künstler. Er schaute mich skeptisch an, ob ich auch diesen zweiten Gedanken verstand. Ich glaube, Berühmtwerden ist ein eigener Beruf, nicht anders als Verkäufer auch, nur viel anstrengender. Ich glaube, es zehrt einen auf, weil man seine ganze Kraft verbraucht, um zu beweisen, daß man da ist. Es geht immer nur darum, da zu sein, und mehr ist am Ende nicht übrig. Ich bin vielleicht nicht da, aber ich mache Musik. Das gefällt mir besser.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit drückte er mir den Durchschlag in die Hand und verabschiedete sich höflich.

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/15IhVNkEL1E&amp;rel=1&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;wmode&quot; value=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/15IhVNkEL1E&amp;rel=1&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; wmode=&quot;transparent&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-12T14:39:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4731643/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 17</title>
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    <description>&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/YI2uejY1vt4&amp;rel=1&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;wmode&quot; value=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/YI2uejY1vt4&amp;rel=1&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; wmode=&quot;transparent&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Satoko teilte mir&lt;/b&gt; mit, daß der Postbote ein Paket für mich abgeliefert hatte. Es lag neben der Couch im Wohnzimmer, wo sie eine Kochsendung verfolgte. Ein junger Star, den ich nicht kannte, offenbar ein Schauspieler, versuchte ungeschickt, der Moderatorin bei einem französischen Gericht zur Hand zu gehen. Er verstand gar nichts vom Kochen und hackte sich beim Karottenschneiden beinahe den Nagel ab. Das Kichern der modernen jungen Hausfrau mit der gestreiften Bluse war schwer zu ertragen. Schließlich überließ er das Gemüse ihr und spielte den kleinen Jungen, der verschiedene am Rand der Arbeitsplatte aufgereihte Töpfchen öffnete, um mit dem Finger den Inhalt zu kosten. Sein dicker weißer Finger glänzte schmerzhaft im Scheinwerferlicht, und selbst das Einstippen vollzog er so plump, daß man Angst hatte, er werde durch den Boden des Gefäßes stoßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Paket war an meine alte Hoteladresse geschickt worden und von dort aus nach Deutschland zurückgegangen. Es war ein weiteres Mal an dieselbe Adresse geschickt worden, größer, fetter und mit kindlich runden Buchstaben beschriftet, und diesmal hatte man sich im Hotel die Mühe gemacht, meine neue Anschrift in Tokyo zu recherchieren. Zwischen dem Datum der ersten Poststempels und dem aktuellen lagen drei Wochen. Der Absender war überklebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Paket stammte von Gamma und enthielt eine Videocassette. Der beiliegende Brief verriet, daß es sich um den Modellversuch eines Interviews handelte. Ihr Film über das Wesen der Psychose sollte auf zwölf solchen Interviews basieren, in denen sie sich im Abstand von zwei Monaten von verschiedenen Personen aus ihrem Leben dieselben Fragen stellen ließ. Es ging darum, die Kontinuitäten, Verschiebungen und Sprünge bei den Antworten zu dokumentieren. Ich bewunderte, daß jemand sich soviel Zeit für ein Projekt nehmen konnte. Ich hätte immer Angst gehabt, Ende nächster Woche tot zu sein oder im folgenden Monat nicht einmal den Sinn der Fragen mehr zu verstehen. Ich hätte immer Angst gehabt, ein zu kleines Fragment meiner selbst zu hinterlassen. Gamma war da cooler. Oder einfach träger, schwer zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satoko protestierte, als ich die Cassette in den Recorder schob. Ihre Sendung näherte sich dem Höhepunkt  das Gemüse brutzelte in der Pfanne, die gestreifte Hausfrau schüttete mit tänzerischer Ausgelassenheit weiße und schwarze Pulver hinein, und der Schauspieler rührte so heftig um, daß ein Teil des Inhalts zischend in der Gasflamme verbrannte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bloß noch fünf Minuten!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich drückte auf PLAY.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es funktionierte nicht. Der japanische Recorder akzeptierte das deutsche Tape nicht. Die Systeme waren inkompatibel, wie ich im Grunde auch wußte. S. würde mir einen neuen, euro-asiatischen Videorecorder schenken müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du hast Glück, sagte ich, ließ mich auf den Rücken fallen und schaltete wieder um.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werbeblock ging gerade zu Ende, und da waren sie wieder (eine lustig klingelnde Musik). Das Gericht lag fertig auf dem Teller  aber es war nicht zu identifizieren, jedenfalls für mich nicht. Das Gemüse war dunkelgrau geworden und mit einer Flüssigkeit gesprenkelt, die ich in Verdacht hatte, Soyasauce zu sein. Dazwischen anonyme hellbraune Flecken. Ich fragte Satoko, worum es sich handle, aber der französische Name, der in japanischer Aussprache über ihre Lippen kam, blieb mir ebenso unverständlich. Sie wiederholte ihn zweimal, dreimal. Keine Ahnung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ratatouille? Satoko schüttelte den Kopf.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;


&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/b_9llOLm0GA&amp;rel=1&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;wmode&quot; value=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/b_9llOLm0GA&amp;rel=1&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; wmode=&quot;transparent&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;355&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;/center&gt;</description>
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    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-03-06T18:30:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4731578/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 16</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4731578/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;285&quot; alt=&quot;reiskocher1&quot; width=&quot;350&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/reiskocher1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Reiskocher, lautete das Wort&lt;/b&gt;, mit dem Satoko mich zu Hause empfing. Sie hockte auf den Fersen vor der Glastür zum Garten. Das Zimmer lag im Dunkeln. Mit der winzigen Taschenlampe im Anhänger ihres Handys leuchtete sie in den einsamen Innenhof des Hauses hinaus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich trat neben sie und preßte meine Nase an die Scheibe. Der Abend war kalt. Ihr dünner zittriger Lichtfinger ertastete einzelne Steine, die wie schlafende Reptilien aus dem Moos aufragten und leise zu atmen schienen. Die Oberfläche des Teiches wurde von unsichtbaren Insektentritten gespannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Du wolltest wissen, was ich am liebsten mag. Ich glaube, es sind Reiskocher. Findest du das doof?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einmal machte das Handy ein kurzes Geräusch, der Anfang eines bekannten Klavierstücks, aber nicht einmal der ganze erste Takt. Es erschreckte mich, als sei die Lampe heruntergefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine E-Mail. Sie bat um Verzeihung. Ich schalte es immer auf laut, aus Angst, ich könnte...jemanden verpassen. Mein Bruder. Sie drückte wiederholt auf eine Taste, und durch das grüne Quadrat huschten Kanji. Er fragt, ob ich morgen abend mit ihm auf ein Konzert gehen will. Im &lt;i&gt;Liquid Room&lt;/i&gt; in Shinjuku. Ist es schlecht für ein Baby, wenn die Mutter, äh  hüpft? Sie machte eine Kaugummiblase und ließ sie zerplatzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird völlig plemplem von dem Gerüttel, antwortete ich lachend und stapfte mit meinen Taschen in die Küche. Und nachher muß es kotzen, und du hast dann die Grütze im Bauch!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr schrilles, spitzes Kichern drang herüber. Wir lachten beide mehr, als notwendig gewesen wäre, jeder in seinem eigenen Raum. Niemand wollte dieses erste bißchen Wärme zwischen uns verschenken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was symbolisiert ein Reiskocher für dich? fragte ich Satoko, die mir schnell gefolgt war, ehe die Heiterkeit verflog. Ich meine, abgesehen davon, daß er mit deinem Vater verknüpft ist. Als Symbol scheint er mir eher etwas Mütterliches zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satoko nickte lebhaft, und ich staunte, daß ihr diese psychoanalytische Sicht so einleuchtete. Aber in einer Kultur, deren Sprache für &lt;i&gt;Mutterkomplex&lt;/i&gt; sogar eine eigene Abkürzung hatte und in der verheiratete junge Männer sich als homosocial (Tomo) bezeichneten, als sei der Begriff aus der Titelstory der neuen &lt;i&gt;GQ&lt;/i&gt;, war die Popularisierung Freuds wahrscheinlich sogar noch weiter vorangeschritten als bei uns. Meine Mutter hat natürlich immer das neueste und beste Modell zu Hause, sinnierte sie schmatzend und nahm jetzt auf dem Küchenstuhl die alte Hockstellung ein. Manchmal streitet sie sich mit meinem Vater, weil sie den alten Reiskocher behalten will und er schon wieder einen anderen anschleppt. Er ist immer der Techniker, und sie ist die Hausfrau. Sie liebt die Dinge in ihrer Küche. Sie sagt, sie kennt die Töpfe, das Geschirr und die Instrumente, mit denen sie täglich umgeht, wie ihre Familie, aber für meinen Vater sind es nur seelenlose Maschinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie tippte nebenbei eine Antwort an ihren Bruder. Der Inhalt der dritten Tüte paßte nicht mehr in den Kühlschrank. Ich nahm alle Dosen und Gläser wieder heraus und untersuchte die Etiketten nach dem Haltbarkeitsdatum und dem Hinweis auf Konservierungsstoffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ja, vielleicht lieber als Reiskocher mag ich &lt;i&gt;alte&lt;/i&gt; Reiskocher, sagte Satoko mit einem kurzen Flackern in ihrer Stimme, nachdem die Nachricht abgeschickt war. Ein alter Reiskocher  das ist ein Symbol für die Liebe. Ziemlich kindisch, was?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich schüttelte den Kopf. Ich habe übrigens keinen. Ist dir wahrscheinlich schon aufgefallen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie nickte und spuckte den Kaugummi in das Loch ihrer oben geöffneten Faust.

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;345&quot; alt=&quot;reiskocher2&quot; width=&quot;320&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/reiskocher2.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-02-24T17:00:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4644023/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 15</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4644023/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;officewear56&quot; width=&quot;304&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/officewear56.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;&lt;b&gt;3.&lt;/b&gt;&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;b&gt;Der penetrante Lärm&lt;/b&gt; des Telefons quälte mich aus dem Vormittagsschlaf. S.s Stimme klang warm und freundlich wie immer. Er entschuldigte sich allerdings nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bist du aufnahmefähig? Ich habe eine Bitte. Sie betrifft das Haus.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;***&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;150&quot; alt=&quot;no-6095&quot; width=&quot;150&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/no-6095.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Die Geschichte setzte sich nach und nach bei einer Tasse Kaffee zusammen, die ich gegen meine Gewohnheit in winzigen Schlückchen trank. Eine sehr junge Kollegin aus der Buchhaltung war schwanger geworden. Schon im siebten Monat angekommen, ohne daß bislang jemand etwas gemerkt hatte, war sie ihrem Chef gestern abend auf dem Dachgarten des Firmenhochhauses aufgefallen, wie sie mit einer Unkrautschere am Drahtnetz der Sicherheitsumzäunung herumschnippelte. Nach mehreren Gläsern Whisky gestand die Frau schließlich, sie habe vorgehabt, sich umzubringen, weil es unmöglich werde, ihren körperlichen Zustand länger geheimzuhalten, und andererseits für eine Abtreibung viel zu spät sei. Der Vater, ein verheirateter Mann aus derselben Firma, dessen Namen sie nicht preisgab, hatte sie über ein halbes Jahr hingehalten  versprochen, sich von seiner Frau zu trennen, ihr eine Existenz im Verborgenen nahegelegt, taktiert, ihr Verliebtsein und ihre Unerfahrenheit ausgenutzt, um sein Doppelspiel zwischen Ehe und einer weiteren Geliebten auf die Spitze zu treiben. Dann hatte er sich plötzlich ins Ausland versetzen lassen und das arme, völlig verängstigte Mädchen mit einem bösen Abschiedsbrief zurückgelassen, in dem er drohte, für ihre Entlassung zu sorgen, falls sie jemandem von der Affäre erzähle. Nun saß sie da mit einem dicken Bauch und konnte weder zur Arbeit noch zu ihren Eltern, bei denen sie wohnte, zurück. Ob es in Ordnung sei, ihr für die Zeit bis zur Entbindung das freie Zimmer zu geben, fragte S. Ja, das Teezimmer. Inzwischen werde er sich um ein kleines billiges Apartment kümmern und ihr einen Telearbeitsplatz verschaffen.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;sh-sh-her-00008-l&quot; width=&quot;343&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/sh-sh-her-00008-l.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Satoko stand noch am selben Abend vor der Tür. S war beim Haus ihrer Eltern vorbeigefahren, hatte die Mutter beruhigt, vermutlich diskret die Möglichkeit ins Spiel gebracht, daß er nicht nur der Chef, sondern auch der heimliche Geliebte der Tochter und der angehende Schwiegersohn sei, die Verwirrung ausgenutzt und ein paar Sachen für die nächste Zeit in eine große Sporttasche gepackt. Das jedenfalls erzählte er später. Das erste, was ich sah, waren Satokos schiefe Schultern  die Tasche stellte ein zu großes Gewicht dar. Das sanfte Scharren, das sich hinter den Pinien der Nachbargärten entfernte, schien mir zu S.s Mercedes zu gehören. Satoko trug einen schwarzen Mantel. Ihre Hände hingen schlaff an den Gelenken. Der Kopf war gesenkt. Es sah jämmerlich aus. Wahrscheinlich hatte sie nicht einmal selbst auf die Klingel gedrückt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es dauerte einen Augenblick, bis sie meiner Aufforderung folgte und eintrat. Ich lachte ein bißchen und schimpfte auf S.  er hätte sich wirklich die Zeit nehmen können, uns einander vorzustellen, usw. Sie sagte ernst und und beinahe feierlich, er habe ein Geschäftsessen und sich bereits verspätet. Sie schäme sich deswegen. Dann folgten eine Menge Entschuldigungen an meine Adresse. Und dann weinte sie und hörte wieder auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satoko ließ sich aus dem Mantel helfen und auf einen Stuhl eskortieren. Sie war wie eine durchschnittliche, langweilige Angestellte gekleidet. Sie verhielt sich auch so. Unter Aufbietung all meiner japanischen Konversationskenntnisse mühte ich mich während der ersten Stunde unseres Zusammenwohnens, ein Gespräch über Allerweltsthemen am Leben zu erhalten, während wir uns am Küchentisch gegenübersaßen und mein Abendessen teilten. Sie war in einem kleinen Ort in Kansai in der Nähe von Nagoya geboren und mit sechs Jahren nach Tokyo gekommen. Ihr Vater arbeitete als Verkäufer in einem großen Warenhaus für Elektrogeräte. Sie hatte zwei ältere Schwestern und einen jüngeren Bruder, der davon träumte, Sänger zu werden, und die Eltern mit schlechten Zeugnisses quälte. Sie war siebzehn Jahre alt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kochst du gern?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie schüttelte entschuldigend den Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Keine besonderen Hobbys. Kein Interesse an Literatur. Abends nach dem Büro sah sie fern oder blätterte in Illustrierten. Kino war ihr ein bißchen zu teuer. Im ersten Jahr verdiene sie noch nicht soviel. Wieder Tränen, wieder eine kleine, überschaubare Portion.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was magst du am liebsten? fragte ich resigniert, so allgemein wie möglich, in der schwachen Hoffnung, vielleicht irgendetwas in der Weite unsres Universums zu entdecken, an das sie einen Hauch von Begehren knüpfte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Satoko leerte ihr Schälchen mit Sesamgemüse sorgsam bis zum letzten Spinatblatt und trank auch den verbliebenen Saft. Die Augen, die über dem blauen Rand auftauchten, verrieten Hunger. Natürlich, sie war schwanger. Ich bot an, noch einmal zum Convenience Store zu gehen, sofern sie inzwischen ihr neues Zimmer inspizieren und vielleicht im Wandschrank nach Futons und Bettzeug sehen wollte. Sie willigte dankend ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In welchem Sinne &lt;i&gt;mögen&lt;/i&gt;? hielt sie mich auf der Türschwelle zurück  und wie sie langsam die enge Treppe heruntergestakst kam, mit dicken, wackligen Beinen, denen man die Last der letzten Wochen ansah, ein Laken beschnupperte, ganz unbewußt, als suche eine verdrängte Hoffnung in ihr nach dem vertrauten Geruch eines Mannes, wurde mir auf einmal seltsam warm und behaglich zumute. Ich hatte nie daran gedacht, eine Familie zu gründen. Solche Pläne lagen mir auch jetzt völlig fern, aber für eine gewisse Zeit würde es zwangsläufig so sein, als ob dieses Mädchen und ich die Eltern wenn nicht des Kindes in ihrem Leib so zumindest eines Problems wären, das der gemeinsamen Pflege bedurfte. Ihre Verlassenheit, ihr seelisches Elend, das wie überdehnte Haut in Falten hängende Mittelmäßige des schon verbrauchten Teenagerlebens war geradezu mit Händen zu greifen. Doch es fühlte sich irgendwie weich und ganz interessant an  etwas eklig, etwas, als ob man Pizzateig knetet. Mal sehen.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;027m&quot; width=&quot;278&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/027m.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Satokos stille Verzweiflung, schien mir, war nur eine etwas intensivere Trägheit. Es lag etwas häuslich Gemütliches in ihrem Leiden. Während ich den Einkaufskorb mit Eiern, eingelegten Gurken, Thunfisch aus der Dose, Schokoladenriegeln und so ziemlich allem füllte, worauf eine Schwangere in meiner Phantasie Appetit bekam, sah ich uns beide vor dem Fernseher liegen, schwachsinnige Spielshows gucken und fressen. Mit einem leisen Rülpser fischte Satoko die letzten &lt;i&gt;Cheese-and-onion&lt;/i&gt;-Chips aus der Rolle. Ihre hochgerutschte Bluse entblößte dabei den sonderbarsten Nabel, der mir je begegnet war. Der Junge an der Kasse mußte zweimal die Summe ausrufen. Es handelte sich in der Tat um eine Begegnung  der Anblick verwirrte mich wie ein Wasserstrudel, der sich in die falsche Richtung dreht. Der Unterschied war zu gering, um aufzufallen, aber da ich ihn versehentlich bemerkt hatte, schien er auf einmal die Welt aus den Angeln zu heben.

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;99&quot; alt=&quot;782a148d358a34b044b7-S&quot; width=&quot;67&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/782a148d358a34b044b7-S.png&quot; /&gt;&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-24T13:34:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4401541/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 14</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4401541/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;Indo-Japan_Group_Photo_22-02-051&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/Indo-Japan_Group_Photo_22-02-051.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Keine Widerstände mehr.&lt;/b&gt; Fünf Minuten später hatten wir uns alle in drei Reihen gruppiert. Yuka hockte vorn auf dem Rasen, die Notenblätter vor der Brust, das Äffchen daneben, mit zusammengepreßten Knien auf ihre Handtasche gestützt, dann der Italiener und ein Portugiese, die unter den ausländischen Gästen die kürzesten waren. Dahinter standen in einem flachen Halbkreis links und rechts des Ministers und unseres wackeren Gruppenleiters die Durchschnittsgrößen, und für die hinterste Gruppe zwischen einsfünfundachtzig und einzweiundneunzig (ein flachsblonder norwegischer Programmierer, der während des ganzen Tages kein Wort gesprochen hatte) holte das Hotelpersonal extra flache Podeste aus einem der Konferenzsäle herbei, damit wir unsere Vordermänner auch wirklich um einen vollen Kopf überragten. Ein Kellner erhielt den Auftrag, auf den Auslöser zu drücken  einmal ein starres Bild und einmal ein Kurzvideo , und wie durch Zauberhand tauchten auf einmal links und rechts noch weitere Kameras auf, so daß der Mann sich schließlich in einem Wirrwarr von Apparaten und Anweisungen wiederfand. Dann das Kommando  Hai-&lt;i&gt;cheeeeeeeese&lt;/i&gt;! Und es folgte ein minutenlanges Blitzlichtgewitter, aus dem ich halb blind und mit einem faulen Geschmack auf der Zunge erwachte. Den Abschluß bildete die schon bekannte Dreißig-Sekunden-Einheit. Jeder durfte  sollte tun, was ihm gerade einfiel  und das Ergebnis, das ich mir im Taxi nach Hause und abends zusammen mit S. ungefähr zwanzigmal ansah, enthielt Material für zwei bis drei Komödien à la &lt;i&gt;Die nackte Kanone&lt;/i&gt;, ein experimentelles Tanztheaterstück und eine Fußnote zu Roland Barthes Bemerkung über die Spontaneität und die Stereotypen [...], aus denen unsere Tiefe gemacht ist (&lt;i&gt;Das Reich der Zeichen&lt;/i&gt;, Frankfurt a.M. 1981, S.74).&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;japan_0407_group&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/japan_0407_group.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Das Beste aber war, daß ich Yuka eine Adressenliste hinhalten konnte. Im Zeitalter der globalen Kommunikation verstand es sich von selbst, daß alle Kopien von allen Bildern erhielten. Sie zögerte und malte mit dem Druckbleistift sehr langsam ihren Namen und ihre E-Mail-Adresse in alphabetischer Schrift. Ich weiß nicht, warum sie es mir zu diesem Zeitpunkt erzählte (vielleicht, um davon abzulenken, daß sie ihre Anschrift nur mit Kanji schreiben konnte).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich weiß auch nicht, was mich daran so seltsam berührte, denn es spricht doch einiges dafür, daß ich ihr Gesicht am nächsten Morgen mit der klebrigen Müdigkeit, die S. nach seinem Abschied zurückließ, in einen Traum eingebaut und zwischen seinen Anspielungen vergessen hätte. Die Fotos habe ich gelöscht und niemandem geschickt, auch ihr nicht. Ich weiß nicht  wahrscheinlich war es der Anflug einer bitteren Ironie, wie ich sie in diesem Land nicht kannte und von einem braven zwölfjährigen Mächen am wenigsten erwartet hätte: Yuka sagte  flüsterte, während sie den linken Arm schützend über das Papier hielt und sich so weit vornüberbeugte, daß sie die Bleistiftspitze selbst nicht mehr sehen konnte: ihr Lebenstraum sei es gewesen, Eiskunstläuferin zu werden. Wenn sie das nächste Mal auf die Welt komme, wünsche sie sich eine Mutter mit Pelzkragen und harten, gnadenlosen Zügen wie die russischen Trainerinnen, die man im Fernsehen sieht. Nicht so eine sanfte Tyrannin wie ihre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprachs, blinzelte und schob mir den verknickten Zettel mit der holperigsten Serie von Zeichen hin, die sich je ein japanisches Schulkind erlaubt hat. Was für eine hibbelige Art, sein eigenes Verhängnis zu besiegeln.&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;300&quot; alt=&quot;Japan-Delegation_9x13-288&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/Japan-Delegation_9x13-288.jpg&quot; /&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-13T22:47:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4401508/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 13</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/4401508/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;267&quot; alt=&quot;20070802175934&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/20070802175934.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;Gegen Ende des Essens&lt;/b&gt;, als die Pausen zwischen dem Tellerauffüllen immer länger wurden, setzte ich mich neben unsere Klavierspielerin auf ihre schmale schwarze Bank. Sie spielte etwas Leichtes, Perlendes von Mozart und verriet mir zwischendurch ihren Namen: Yuka. Sie hatte während der Ansprache ihr Kleid gewechselt (vorher rosa, jetzt weiß), und an dem amüsierten, aber völlig appetitlosen Seitenblick, den sie auf meinen Dessertteller warf, konnte man ablesen, daß die guten Geister in der Küche sie lange vor uns mit Nahrung versorgt hatten. In gewisser Weise sah sie aus wie alle japanischen Kinder  Kopf und Arme waren von einer glatten runden Niedlichkeit, von der man nicht wußte, ob daraus einmal wirkliche Charakterzüge hervorwachsen würden, Rumpf und Beine praktisch nicht vorhanden, und die Füße standen, selbst wenn sie das Pedal bis zum Anschlag durchtrat, immer nach innen. Als ich ihr trotzdem ein winziges Erdbeertörtchen an den Mund hielt, weil mir nichts Besseres einfiel, schüttelte sie über ein paar ironischen Trillern den Kopf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Minister oder sein Stellvertreter war bereits verschwunden. Otabe ebenfalls, was mich irritierte. Der Franzose hatte sich am Rand des Teichs auf den Rasen gesetzt und fütterte mit Pastetenresten und Kirschtomaten seinen neuen Freund, den orangeroten Karpfen. Um mich irgendwie zu profilieren, hatte ich ihm erzählt, daß das japanische Wort für Karpfen  &lt;i&gt;koi&lt;/i&gt;  mit dem Wort für Liebe gleichlautend sei und daß man diese Tiere, von denen ein größeres Exemplar gut und gern fünftausend Dollar kostete, daher auch als Boten Amors ansehen konnte. Vielleicht deswegen die Fütterung.&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;302&quot; alt=&quot;konnichiwa02&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/konnichiwa02.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


You  American? fragte es halblaut von nebenan. Yuka legte sich in ein Sforzato, als konzentriere sie sich voll auf das Spiel. Ich antwortete auf Japanisch, daß ich aus Deutschland komme, und ihre wackelnde Figur aus glatten Armen, weißem Taft und schwarzem Haar löste sich augenblicklich in einem Strahlen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich mag Deutschland! (Doitsu ga suki desu!)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warst du schonmal da?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nein, aber ich möchte da studieren. Klimpern. Es ist das Land der Komponisten. Klimpern. Das Land der Musik. Seit meinen Kindertagen haßte ich Mozart (einen Österreicher, insgesamt gesehen). Sie machte die Achtelpause auf dem Blatt etwas zu lang. Klimpern. Es ist ein romantisches Land!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ach, was soll es  sie ist noch ein Kind! dachte ich und verzichtete auf einen pädagogischen Vortrag über das, was fern von hier in einem grauen, kalten, sauberen und leeren Land abseits von Neuschwanstein, der Heidelberger Altstadt und dem Kölner Dom so passierte. Sie würde früh genug erfahren, wie es mit der Romantik der Deutschen bestellt war. Im selben Moment sah ich Otabe mit dem Minister zurück auf die Terrasse treten. Wahrscheinlich hatte er den vorgesehenen Report über die Arbeit unserer Gruppe unter vier Augen gegeben, um die übrigen nicht noch weiter zu nerven.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer meiner amerikanischen Spielgefährten, der die Szene ebenfalls beobachtet hatte, beugte sich mit nasser Stirn zu mir herab und verstörte Yuka durch seine Fahne: Die beiden sehen aus, als hätten sie was Wichtiges bequatscht, und dabei glaube ich, daß Mr. Otabe den Affen nur zum Klo begleiten mußte  denn der ist sogar zum Alleinekacken zu doof!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann traf ein anzüglicher Blick meine minderjährige Sitznachbarin, die jetzt Scarlatti spielte  schnell und fehlerlos, ein bißchen angestrengt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nette Ärmchen, die Kleine. Und so süße Patschehändchen. Wenn die wüßten, was man alles anfassen kann...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor ich eingreifen konnte, hatte er die Hand auf ihre Schulter gelegt und küßte sie fast in den Nacken: Sag mal...sprichst du Englisch? Ja?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie verspielte sich zweimal kurz nacheinander und wagte nicht, nein zu sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht kann ich es für Sie übersetzen, stand ich auf und drängte ihn zur Seite. Ansonsten haben wir noch eine sehr charmante Dolmetscherin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich hoffte, ihn mit diesem Hinweis abzulenken. Es schien zu funktionieren. Mit leicht hochgerutschtem Rock und übergeschlagenen Beinen saß das Äffchen (Maki war die Rasse) in einem Gartenstuhl und löffelte einen Beerencocktail mit reichlich Schlagsahne drauf. Die Brise spielte mit ihrem chic gestylten Haar, so daß eine Strähne sich beim Kauen zwischen den Lippen verfing. Der Amerikaner stieß einen anerkennenden Piff aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mann, diese Japanerinnen sind alle so verdammt zierlich. Sehen aus wie Püppchen  alle fünf bis zehn Jahre jünger, als sie wirklich sind, aber in Wahrheit... Ich meine, von diesen Knirpsen kriegen die es doch niemals richtig besorgt!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Yuka hatte von unserer Unterhaltung kein Wort verstanden. Otabe und der Stellvertreter überquerten die Terrasse, offenbar mit der Absicht, sich zu uns zu gesellen. Der Amerikaner knuffte mich in die Rippen. Ist sie verheiratet? Hä, was meinen Sie? Kollege, der schon länger hier lebt, hat mir erzählt, daß mit Ende zwanzig fast alle unter der Haube sind, weil wenn sie sich selbst keinen zugelegt haben, sorgen die Familien dafür. Aber...  er flüsterte, da die beiden Japaner in Hörweite kamen: &lt;i&gt;ficken&lt;/i&gt; kann man sie trotzdem, nicht wahr!&lt;br /&gt;


&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;267&quot; alt=&quot;1129j&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/1129j.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;&lt;br /&gt;


Mit der schmeichelhaft gemeinten Behauptung, ich als Philosoph sei die &lt;i&gt;Seele der Kommission&lt;/i&gt;, die sich ansonsten aus lauter Verstandesmenschen zusammensetze, wollte Otabe mir schließlich Gelegenheit geben, mein vorbereitetes Statement abzuliefern. Der Minister wirkte etwas wacher als vorher. In dem abwartenden Blick, mit dem er mich von unten herauf musterte, lag ein gewisser Eifer. Leider hörte ich, kaum war das erste Wort heraus, den schweren, schwankenden Bariton des frischerwachten Kinderschänders hinter uns, den der Anblick der Übersetzerin nicht dauerhaft hatte fesseln können: Kennst du Debbie? Kennst du nicht  Debbie? Ich erklärte, es sei immerhin besser, etwas zu etablieren, wovon man nicht weiß, was es ist, als tatenlos mitanzusehen, wie das Bekannte sich in einen Abgrund verwandelt. Otabe kratzte verlegen an seinem Brillengestell (was für ein Tag für den Armen!), aber der Minister schob es entweder auf mein Japanisch oder auf seine eigene Dummheit. Ist so ein toter Franzose  der Ami: Meine kleine Nichte spielt auch Klavier, die ist dreizehn, und wenn ich sage: Hey, das ist aber schön, was du spielst, was ist das?  antwortet sie immer: Das ist Debbie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mir fiel dann noch ein, was S. bei unserem ersten Treffen zu mir gesagt hatte: Japaner sind ängstlich, wenn es um Kontakt mit dem Ausland geht, wie wir wissen. Im Internet läßt sich dieser Kontakt kaum vermeiden. Für die meisten Firmen und wohl auch für staatliche Institutionen war die Vernetzung daher anfänglich ein Schreckgespenst, nicht wahr? Doch wir haben, glaube ich, gute Aussichten, dieses Gespenst ein wenig freundlich lächeln zu lassen...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Naja. Damit schien alles wieder gerettet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Debbiewas? Ein Franzose. Wart mal! Mit dem Organ eines Fischhändlers brüllte der Amerikaner zum Karpfenteich hinüber: Hey, Franzose, wie heißt dieser Komponist von euch? Debbie  Debbie  Debbiewas?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gesamten Garten wurde es für einen Augenblick still. Überraschte, amüsierte, peinlich berührte Gesichter wandten sich uns zu. Der Franzose zuckte die Achseln. Die Übersetzerin richtete sich über ihrem Schälchen auf und sagte mit einem bezaubernd schiefen Lachen: Debussy? Claude Debussy. Dann wiederholte sie es noch einmal in der japanischen Aussprache, mit einem &lt;i&gt;-shi&lt;/i&gt; am Ende, so daß Yuka, die vor lauter Panik aufgesprungen war, kräftig nickte, sich sofort wieder hinter den Flügel klemmte und anfing, in einem ziemlich überstürzten Tempo die gleitenden Bögen der &lt;i&gt;2me Arabesque&lt;/i&gt; über Wiesen und Teiche zu schütten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Auftraggeber juchzte begeistert. Taumelnd markierte er einige Tanzsschritte. Otabe bewahrte ihn davor, einem Blumenbeet zu nahe zu kommen, und ich sorgte dafür, daß er der Pianistin jetzt fernblieb. Der Minister warf ein, er habe noch eine weitere Veranstaltung, die auf ihn warte, und entschuldigte sich. Ich bat ihn um das Foto. Jetzt oder nie. Otabe frohlockte.&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/center&gt;

&lt;p&gt;&lt;/p&gt;&lt;center&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;265&quot; alt=&quot;miyahara_piano&quot; width=&quot;326&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/miyahara_piano.jpg&quot; /&gt;
&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2008 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2008-01-07T11:43:00Z</dc:date>
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    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 12</title>
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&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis, zwei Stunden nach dem angesetzten Termin, der Minister erschien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur war es nicht der Minister  Otabe wählte eine umständliche japanische Formulierung, die er selbst nicht gut ins Englische hinübergerettet bekam, und eine Dolmetscherin in Begleitung des hohen Gastes übernahm die Sache: Der Minister habe unbedingt selbst an diesem wichtigen Treffen teilnehmen wollen und deshalb, da er verhindert sei, seinen persönlichen Stellvertreter geschickt. Im Englischen klang das lächerlich, und die Übersetzerin, eine zierliche junge Frau im blauen Kostüm, deren Gesicht durch die eng stehenden Augen etwas Äffchenhaftes hatte, kriegte den Anflug eines Grinsens gerade noch mit einem raschen Nicken zum Satzende weg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otabe stellte jeden aus der Gruppe und auch die angereisten Manager ausführlich vor, was eine weitere Stunde in Anspruch nahm. Dabei standen alle noch immer im Kreis wie bei einer kurzen Eröffnung. Die Gesichter wurden länger und länger. Meine Füße taten weh, mein Glas war leer, mein Blick glitt haltlos über den spiegelnden schwarzen Lack des verwaisten Klaviers. In Gedanken schlug ich einzelne Tasten an und versuchte mir den dazugehörigen Ton möglichst präzise vorzustellen. Dann Akkorde, Dur, Moll, große Quarten, schräge Septen, leiterfremde Töne, bis mir auffiel, daß auch der Vertreter des Ministers der Monotonie des Vortrags nicht länger gewachsen war. Unter fortwährendem Nicken und Nice to meet you-Gemurmel, aus dem das &lt;i&gt;to&lt;/i&gt; sich zu verabschieden begann, wurden die Augen des Mannes schmaler und schmaler. Auf dem Kragen des Jacketts glänzte ein Haar in der Mittagssonne. Meine Kamera wurde in der Hand warm (warum hatte sie keinen Riemen zum Tragen?). Die Dolmetscherin machte sich auf einem telefonkartengroßen Block Notizen, vielleicht zeichnete sie auch bloß. Jemand, der gleich an die Reihe kam, fragte mich von hinten flüsternd nach dem Namen des Ministers. Nein, des Stellvertreters, raunte er, als ich mechanisch den des Abwesenden nannte. Der da vorn! Aber da war es auch schon zu spät, und der verlegene Workflow-Experte, ein Italiener, mußte den Mann in der Mitte ohne Anrede begrüßen. Direkt danach schlief der Namenlose ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;350&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/JeD5v-BiDnM&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;wmode&quot; value=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/JeD5v-BiDnM&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; wmode=&quot;transparent&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;350&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir mochten es zuerst alle nicht glauben  der Italiener stieß mich mit dem Knie an, seine hohe Flüsterstimme und sein Mundgeruch umfaßten meinen Nacken: He  sleeping! Really? Kurze Prüfung, während Otabe jetzt deutlich lauter fortfuhr. Ja, es stimmte. Beide Lider lagen entspannt über den Augäpfeln, der Mund stand leicht offen. Das Kinn war auf die Brust gekippt und nickte dort weiter. Oh, Madonna! Il signore schläft im Stehen! Es wurde still.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle warteten, was nun passieren würde. Otabe blickte zu mir. Seine Augen hatten einen flehenden Ausdruck. Die dünnen, beinahe unsichtbaren Lippen formten zitternd eine Botschaft, deren Komik einen trüben Tag gerettet hätte. Dabei war dies bislang ein ausgesprochen heiterer gewesen. Die Oktobersonne entfaltete die Kraft eines zweiten Frühlingsanfangs. Vögel zwitscherten. Hotelgeschirr klirrte. Die Luft stieg wie gereinigt aus dem dampfenden Wasser der Teiche. Ich malte mir aus, was S. und seinem weiten, labberigen Arschloch angesichts der tickenden Zeitautomatik so einfallen würde. Von mir aus konnte dieses Schweigen bis zum Abend so weitergehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf einmal verstand ich, daß der Gruppenleiter gerade &lt;i&gt;mich&lt;/i&gt; vorgestellt hatte. Die Peinlichkeit lag nicht ganz so gleichmäßig über der Szene wie angenommen. Der Politiker schnarchte mich an, und das Theater der Schamkultur gab mir als einzigem die Geste in die Hand, um uns von der Qual des Uneingestehbaren zu befreien. Otabe nickte. Es war höchste Zeit. Mit einem zügigen Schritt vorwärts ergriff ich die Hand des Schläfers, schüttelte sie kräftig und sagte auf Japanisch, ich sei hocherfreut, ihn kennenzulernen, und hoffe, daß er mir auch in Zukunft gewogen bleibe. Ich überlegte, ob ich ihn nicht um ein gemeinsames Foto mit uns allen bitten sollte. Die Kamera schmolz immer noch in meiner Linken.&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/center&gt;

&lt;object width=&quot;425&quot; height=&quot;350&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/9-ERD95orZU&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;wmode&quot; value=&quot;transparent&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/9-ERD95orZU&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; wmode=&quot;transparent&quot; width=&quot;425&quot; height=&quot;350&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 allesfliesst</dc:rights>
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  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3993652/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 11</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3993652/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;277&quot; alt=&quot;kamera-gesichtserkennung-vorne&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/kamera-gesichtserkennung-vorne.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um den einschlafenden Smalltalk etwas aufzupeppen und die Anspannung zu lockern, zückte ich gegen Mittag die Kamera. Als das kleine silberne Ding aus meiner Hosentasche flutschte, fragte mich der Franzose sofort nach dem Preis. Er wirkte fast böse, daß es ein Geschenk war und ich weder mit der Summe noch mit Geschäftsvergleichen und Geheimtips für die billigste Adresse dienen konnte, aber unser japanischer Gruppenleiter sprang ein und erwies sich als Experte des digitalen Bildes. Er empfahl einen Megastore in Akihabara, demonstrierte nebenbei den Zoom und zeigte mir, wie ich kurze Videos aufnehmen konnte (die ausführliche Gebrauchsanweisung lag bei S. im Büro, er hatte versprochen, sie abends mitzubringen, und ein bißchen primitiv darauf angespielt, was man mit dem Selbstauslöser anstellen konnte).

&lt;p&gt;
&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;96&quot; alt=&quot;images2&quot; width=&quot;136&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/images2.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;


Das Videoformat interessierte mich besonders. Eine Aufnahme dauerte maximal dreißig Sekunden. Das war angenehm kurz. Die beiden Amis posierten als Versuchsobjekte, ein spanischer Web-Designer zeigte Häschenohren hinter ihren Köpfen, und wir durften uns darüber ausschütten, wie der eine dreißig Sekunden lang die Lippen mit den Fingern zurückzog und neben Resten von Salzgebäck verschiedene Stadien von Parodontose entblößte, während sein Kollege schauspielerisch absolut unbegabt die schutzsuchende Geste eines kleinen Jungen wiederholte, die er in einem der Spielfilme auf dem Herflug gesehen hatte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es geht um die Abenteuer einer jüdischen Familie in Nazideutschland, erklärte er mir keuchend, während ich das flache Rad auf Abspielen umstellte. Der jüngste Sohn ist eigentlich ein Witzbold, so einer, den nichts totkriegt, und sogar als er Opfer eines Pogroms wird und sich schließlich von den Häschern in eine Ecke gedrängt wiederfindet, verliert er nicht seinen Humor. Diese Art, wie er die Hand vors Gesicht hält, hat etwas unglaublich &lt;i&gt;Komisches&lt;/i&gt;...  So! Drücken Sie nochmal drauf   nein, nein  &lt;i&gt;so&lt;/i&gt;!

&lt;p&gt;
&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;96&quot; alt=&quot;images2&quot; width=&quot;136&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/images2.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
&lt;/p&gt;

Das Anschauen der Aufnahmen bewies, wie schwer es ist, dreißig Sekunden mit Inhalt zu füllen. Die improvisierte Show beider Kandidaten wurde langweilig, ehe die Sequenz zu Ende war. Dann wollten sie das entlarvende Format an mir ausprobieren  der Franzose hatte einen großen Karpfen im Visier, der irgendwelche Reste an der Wasseroberfläche schnappte, Otabe klickte sich noch zu weiteren Spezialeffekten durch, und es ging eine Weile wild hin und her.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch dieses kindliche Spiel mit echter Technik wurde nicht nur das Persönliche gebremst, wir ersparten uns auch ernste Diskussionen über Philosophie und den Sinn aller Dinge, in die ich sonst bei solchen Gelegenheiten hineinzuschlittern pflegte. Otabe hielt in einer atemberaubenden Einstellung fest, wie ich auf ihn zusprang und versuchte, ihm die Kamera zu entwinden (fünfeinhalb Sekunden, dann hatte ich sie). Es waren tatsächlich durch und durch technische Bilder, Resultate der hochkomplexen Anwendung eines dummen, primitiven Prinzips. Und diese Bilder ließen die Sprache in Ruhe und befreiten mein Handeln davon, gegen sein Talent zur Lässigkeit die Einheit von Maschine und Bedeutung zu vollstrecken. Keine Widerstände mehr. Der Tag kam in Schwung.

&lt;p&gt;
&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;96&quot; alt=&quot;images2&quot; width=&quot;136&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/images2.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
&lt;/p&gt;

&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/center&gt;</description>
    <dc:creator>allesfliesst</dc:creator>
    <dc:subject>Geistesgeschichte (Romanprojekt)</dc:subject>
    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 allesfliesst</dc:rights>
    <dc:date>2007-06-26T21:11:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3900538/">
    <title>Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 10</title>
    <link>http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3900538/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;299&quot; alt=&quot;Multilingual&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/Multilingual.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3421303&quot;&gt;Roman von Anfang an lesen&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht war auch alles Unsinn. Vielleicht funktionierte die Amerikanisierung der Kommunikation, wie sie im Internet bisher üblich war, im Grunde ganz gut, und man würde nur noch ein paar Jahre warten müssen, bis die kulturellen Widerstände einzelner Länder von der gnadenlosen universalen Pragmatik gebrochen worden waren. Oder, noch wahrscheinlicher: Vielleicht brauchten wir sehr wohl eine differenziertere Internetkommunikation, neue Rahmenbedingungen, die mehr Spielraum und ein bißchen Zuhause in der großen grauen Leere erlaubten  aber die Unterschiede, auf die es dabei ankam, fielen eben nicht mit denen zwischen Nationen zusammen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich hatte ein bestimmer deutscher User mit einem bestimmten französischen, amerikanischen und japanischen mehr gemein als mit seinem Nachbarn in Düsseldorf. Und die neuen Strukturen würden sich daher selbst bilden müssen, von internationalen Communities, die sich im Netz zusammenfanden und ihre eigenen Regeln aufstellten. Wenn überhaupt, ging es darum, dafür die technischen Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen  eine flexible Software, die zwischen der Benutzung und der Gestaltung von Websites nicht länger trennte, deren Quellcodes offenlagen und deren verschiedene Versionen ohne Umweg über den Handel downloadbar waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;
&lt;center&gt; &lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Lang_pop_chart&quot; width=&quot;374&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/Lang_pop_chart.gif&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Leider war ich Philosoph und kein Programmierer. Und leider brauchte ich Geld. Daß meine Beratungsarbeit für ein popeliges deutsches Start-up über Luxemburger EU-Beamte bis nach Japan vorgedrungen war und daß man mich dort in dem Irrglauben, ich sei ein renommierter Experte, in ein derartig luxuriös finanziertes Gremium berief, erschien mir noch heute wie ein Scherz. &lt;i&gt;Big in Japan&lt;/i&gt;  so also ging das. Hätten die Leute, die mich mit einer schwarzen Limousine vom Flughafen abholen ließen und mir Präsentkörbe und Premierenkarten aufs Hotelzimmer schickten, gewußt, daß sogar meine wirkliche Arbeit in Hamburg nur ein Gelegenheitsjob gewesen war, der sich ergeben hatte, weil ich die beiden Firmengründer kannte und weil sie genau solche Chaoten waren wie ich  ich hätte wohl den Rückflug selbst bezahlen dürfen. Bislang allerdings lief alles glatt. Wenn ich als Geisteswissenschaftler etwas gelernte hatte, dann: mitten im Ungewissen überzeugend zu argumentieren. Auf der ersten Sitzung, als Otabe uns vorgestellt und jeden aufgefordert hatte, seine Vision der gemeinsamen Arbeit in ein paar Sätzen zu formulieren, war mir in einem geradezu Kleistschen Augenblick folgender Monolog über die Lippen geflossen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meine Damen und Herren... &lt;i&gt;Visionen&lt;/i&gt; enthalten immer eine Spur des Unmöglichen. Das unterscheidet sie von realistischen Plänen: etwas an der Möglichkeit, die sie uns zeigen, so anschaulich es auch sei, weist über das Machbare hinaus  und genau darauf, &lt;i&gt;das&lt;/i&gt; zu realisieren, müssen sich alle unsere Anstrengungen richten. (Anerkennendes Nicken von Otabe, dessen jüngster Bruder, ein Musikwissenschaftler und Organist, über Adorno promovierte.) Aber eine hartnäckige Konvention verführt uns dazu, das Unmögliche  den visionären Kern der Version sozusagen (ich lächelte in Richtung der Management-Fraktion, die sich an der Rückwand unter den Fotos kaiserlicher Empfänge zusammendrängte)  besonders weit in die Zukunft zu projizieren. Sprechen wir über eine technologische Utopie, bewegen wir uns scheinbar im Bereich der Science Fiction. Aber diese Perspektive ist verfehlt. (Harter Ton. Jetzt wachten auch die sogenannten Realisten auf  sie wollten sich am allerwenigsten bei einem Fehler ertappen.) Das utopische Moment, meine Damen und Herren, ist mitten unter uns. Es ist &lt;i&gt;hier, jetzt&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;
&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;263&quot; alt=&quot;ctt_simplified&quot; width=&quot;400&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/ctt_simplified.gif&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine kleine Pause durfte hier jetzt nicht fehlen, nur versuchshalber  und wahrhaftig: wie die Kinder schauten sie um sich und suchten unwillkürlich (unwillkürlich schamhaft) nach dem Ort im Schatten irgendeines Wasserglases, wo der Kern des Visionären herumlag. Unsere kleine Gruppe, fuhr ich fort, und der Gedankensprung machte sie für den entscheidenden Augenblick dumm, den der Gedanke brauchte, um sich einzunisten, ist bereits ein Modell dessen, was wir analysieren und verändern wollen. Wir kommen aus allen vier Himmelsrichtungen hier zusammen. Wir sprechen eigentlich unterschiedliche Sprachen und bedienen uns hier mehr oder weniger gelenkig des Englischen, um uns zu verständigen. Wir kommen aus ganz andersartigen Kulturen und nehmen gegenüber den Fremden vorsichtshalber eine defensive, abwartende Haltung ein, um keine Mißverständnisse zu provozieren und keinen Ärger zu kriegen. Aber wir &lt;i&gt;müssen&lt;/i&gt; dieses Problem &lt;i&gt;überwinden, ohne&lt;/i&gt; aufzuhören, es zu &lt;i&gt;sein&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Kameramann hätte in einer Serie von Close-ups eindringlich dokumentieren können, wie die widersprüchliche Dynamik dieser Komplikation in die Gehirne der anwesenden Informatik-Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, Marketing-Strategen und Verwaltungsbeamten einsickerte und ihnen langsam den Schweiß auf die Stirn trieb. Es war höchste Zeit für eine Dosis Euphorie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn &lt;i&gt;wir&lt;/i&gt; uns auf ein Modell des neuen, des kultursensiblen Internets verständigen können, tönte ich mit einem fast schmerzhaften Akzent auf der ersten Person Plural  wenn es uns gelingt, unsere unterschiedlichen Ansichten über das, was diese Sensibilität ausmacht und ausmachen sollte, so in Übereinstimmung zu bringen, daß niemand sich ignoriert oder mißverstanden fühlt, &lt;i&gt;dann&lt;/i&gt; ist das Unmögliche bereits &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; geworden. Dann &lt;i&gt;wissen&lt;/i&gt; wir bereits, daß es wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daß Leute, die ihr Geld damit verdienen, andere über den Tisch zu ziehen, sich so von Herzen freuen können. Es war nicht einmal Bewunderung für meine Klugheit, die den spontanen Applaus motivierte und die Saalakustik dem ersten Belastungstest unterzog. Es war einfach große Erleichterung darüber, die metaphysische Prüfung des selbstauferlegten Visionären nun offenbar schon durch das bloße Hiersein und Daherreden bestanden zu haben. Ich befreite alle hier von einer Last, von der sie vor ein paar Minuten noch nicht einmal geahnt hatten, daß sie auf ihre Schultern drückte, deren Gewicht aber durch ein paar suggestive Sätze äußerst spürbar geworden war. Und jetzt waren sie mir dankbar  ich war selbst verblüfft, wie sehr. Mach es selbstreflexiv! lautet die erste Regel der philosophischen Rhetorik. Der Rest schien nurmehr eine Frage der richtigen relativierenden Geste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;b&gt;
&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;fig1&quot; width=&quot;243&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/fig1.gif&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt natürlich einen Unterschied, schloß ich mein Statement ab, nachdem es wieder ruhig geworden war. Unsere Kommunikation hier ist direkt und nicht medial, und daher... Ich schaltete mein Mikro ein und klopfte dagegen. Ein Rückkopplungsfiepen schoß von einer Ecke zur andern und durchbohrte unterwegs unsere Ohren. Naja, &lt;i&gt;relativ&lt;/i&gt; direkt...!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gelächter, das daraufhin den Saal erfüllte, brach zum ersten Mal wirklich das Eis in dieser frischen, noch steifen Gemeinschaft, und die Reaktion fiel dementsprechend heftig aus. Alle beugten sich vor, grunzten oder näselten in ihrer Landessprache durch die Lautsprecheranlage, provozierten weiteres Fiepen, grinsten einander an und imitierten dann das Grunzen und Näseln des Nachbarn. Und ich kam so nicht nur um die Logik einer Schlußpointe herum  mir war zum ersten Mal in meinem Leben das Kunststück gelungen, zugleich der Intellektuelle und der Stimmungsmacher zu sein.&lt;br /&gt;


&lt;center&gt;&lt;p&gt;&lt;font color=&quot;#CC0000&quot;&gt;Fortsetzung folgt&lt;/font&gt;&lt;/p&gt;
&lt;/center&gt;

&lt;b&gt;
&lt;center&gt;&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;400&quot; alt=&quot;Image10a&quot; width=&quot;290&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/Image10a.jpg&quot; /&gt;&lt;/center&gt;
&lt;/b&gt;</description>
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    <dc:rights>Copyright &#169; 2007 allesfliesst</dc:rights>
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