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    <title>In denselben Fluss (Erzählungen, Kurzgeschichten, Roman in progress...) : Rubrik:Übersetzungen</title>
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    <description>Erzählungen, Kurzgeschichten, Roman in progress...</description>
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    <title>In denselben Fluss</title>
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  <item rdf:about="http://indenselbenfluss.twoday.net/stories/3792683/">
    <title>Gary Lutz: Ihre Größen laufen unterschiedlich</title>
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    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;261&quot; alt=&quot;bigo1&quot; width=&quot;320&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/bigo1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;font color=&quot;#FF0000&quot;&gt;Das Folgende ist mein Versuch einer Übersetzung der großartigen Geschichte Their sizes run differently aus dem großartigen Buch &lt;i&gt;Stories in the worst way&lt;/i&gt; des großartigen (und hierzulande leider völlig unbekannten) Gary Lutz.&lt;/font&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da waren verschiedene Wege, auf denen wir nicht in unser Eigenes kamen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir waren warmarmige, heißhändige Mädchen. Unsere Handflächen brannten. Wir machten Fäuste um Eiswürfel oder quetschten alles sonst Gefrorene  Kisten mit Gemüse, eingeschweißte Schnitten Fleisch. Wenn sie tauten, verbannten wir sie wieder in den Gefrierschrank, langten nach was auch immer eine frische Kruste von Frost angesammelt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir wussten, wie man mit einer abgebrochenen Bleistiftspitze schreibt, sofern da noch ein Sploss bloßgelegten Holzes war, das zur Seite abstand. Wir fügten was von der Spitze übrig war zurück in das vordere Ende des langen Mantels, und dann, den Stift knapp über der gemuschelten Kante greifend, wo das splittrige Holz auf den gelben Lack traf, drückten wir mutig, tollkühn in die Richtung entgegen dem Bruch. Dies war der einzige Weg, wie Dinge ausgeschrieben werden konnten, alles, das in uns gesprochen wurde, die Stimme die Linie unserer Knochen hinuntertrübend. Die Natur bevorzugt das entortete Herz, sagte die Stimme zumeist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir hatten dieselbe ölige Haut, tröpfelnd und dunkel. Man warnte uns, niemals unsere Hände auf unsern Wangen oder unsern Stirnen landen zu lassen, sagte uns, dass unsere fleckigen Fingerabdrücke die Dinge nur schlimmer machen würden. Am Ende des Tages schienen unsere Gesichter zur Gänze hinter Wasser zu sein. Es war bloß der Regen, der zurück aus uns herauskam, sagte man uns. Morgens waren die Kissenbezüge feucht mit unsern Hitzetropfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu einem gegebenen Zeitpunkt war eine von uns stets die erste, die das unklingelnde Telefon erreichte, den Hörer von der Gabel holte, dann den siebartigen Lautsprecher ausbuchtete, so dass die anderen zuhören mussten. Wir waren überzeugt, dass der Wählton von einem Tag zum nächsten nicht dieselbe Frequenz beibehielt  dass er manchmal, allermindestens, einen sanften Halbton aufwärts ging und sich gelegentlich zu einer Tonart puren Tadels senkte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unser Betragen am Spiegel war beispielhaft. Wir kapselten uns ab, während wir unsere Gesichter schwämmten, unsere Zähne pflegten. Wir entließen jede unverlangte Bewegung im Glas. Wir hielten uns geheim. Wir waren Mädchen jenseits des Erkennbaren, unterhalb unsrer selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages führte man uns in einen Raum mit hoher Decke und erzählte uns, dass bereits alles für uns unternommen worden war, dass nichts gespart oder zurückbehalten worden war, dass wir aus keinem andern Grund geboren worden waren als damit Haar einen besondern Ort in der Welt zum Wachsen bekam. Eine Hand zeigte auf den breiten Weg, den das Haar bereits über unsere Hinterbacken zu nehmen begonnen hatte. Wenn ihr es abschneidet, erzählte man uns, wird es wiederkommen. Es wird heimsuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangssperre wurde aufgehoben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;261&quot; alt=&quot;pavi1&quot; width=&quot;320&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/pavi1.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich ging dorthin, wo ein anderes Mädchen lebte, und versuchte ebenfalls dort zu leben. Es gab wenig zu lernen, aber wir arrangierten uns stabil im Licht, das sie eingerichtet hatte durch Hochtippen bloß gewisser Lamellen der Jalousien. Ich konnte bis hinunter in den Seitenhof schauen, wo sie eine Reihe tölpelhafter Blumen unterstützte. Jede Nacht ließen wir den Schlaf seine formlosen Grauen über uns wiedereinsetzen. Kam der Morgen, wurde üblicherweise argumentiert, wir seien fehl am Platz, und eine Karte wurde einmal mehr bleistiftend aufgeraut. Ich zog mein Haar über alles was das Mädchen malte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eines Tages entnahm das Mädchen einem Pappkarton einen Kuchen und erklärte, sie habe eine Methode des Verzehrs ausgearbeitet, bei der sie den Kuchen weniger esse als vielmehr ihm erlaube, eine kleinere, weniger rechteckige Version seiner selbst zu erreichen  sehr ähnlich wie (oder so ähnlich sagte sie) ein Körperteil, wenn er lange genug sich selbst überlassen wird, die Hand oder den Mund von jemand anderem hervorbringt, annimmt, aneignet, die eintreffende Hand signifikant verschieden in Gestalt und Absicht und der Mund (verborgener Weise) über etwas völlig andres redend, etwa darüber wie die Handschrift anderer Leute immer legitimer, ungekünstelter aussieht als die eigene, das eigene Erscheinungsbild (im Vergleich) Misstrauen erweckend, inszeniert, &lt;i&gt;fabriziert&lt;/i&gt;, den irregeleiteten Fingern, die den Bleistift weiterhin kontrollieren, die Regierungsgewalt entziehend, nicht zu reden vom Arm und seinen ertraglosen Reisen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaschiere ich wiederum das Thema ihrer Hände und deren Eignung zur Krise, die rechte gewandter als die linke darin, sich über lang schließlich dem einzig passenden Knie oder Topf oder Geldstück mitzuteilen? Es war eine Hand, begabt mit einem mitfühlenden Sinn für das, was ihr als nächstes zu tun anstand, wovon sie (nur Augenblicke später) der letzte passende Träger geworden sein würde. Ich war das Gegenteil  mein Körper irrelevant, nur das Podium, die Tribüne, von wo aus ein Gesicht zu sprechen hatte. Mein Körper war wo ich war anstatt überall sonst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mädchen, von dem ich spreche, wusch sich angemessen in einer Marmorwanne. Ich hatte ein bescheidenes Kapital von Gelen und Ölen und Salzen angehäuft, mit denen ich das Wasser tönte. An manchen Abenden reichte ich ihr eine kleine Seifentablette. Ich folgte der Bahn, der Laufbahn der Seife, während sie sie über ihrer Brust verrieb. An anderen Abenden gab es einen kernigen Obstbrei, den sie mit einem Streifen Stoff auf sich komprimierte. Das fettige Wasser kippte, wenn sie schließlich aus der Wanne stieg und ich ihren Platz einnahm. Ich wurde ein Vollbürger ihres Wassers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;261&quot; alt=&quot;bigo2&quot; width=&quot;320&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/bigo2.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allzu oft jedoch kam mein Leben vorbei und ich leistete ihm Gesellschaft  wiederbefasste mich vollständig damit, trat Bewegungen bei, die bereits auf dem Weg waren, stand zu mir, machte aus, wie mein Körper neuerlich an mich verloren war. Ich schickte mich an mit einem Mädchen in einem Gebäude wohnen zu bleiben, wo die Mutter des Mädchens mit einer Frau lebte, die die Mutter schon ihr ganzes Leben lang kannte. Das Mädchen schrieb mir auf ihren Innenschritt, und dann fuhr sie ihr Bein zu mir aus, so dass ich den dicken Strumpf abpellen und lesen konnte. Alles was da stand war: Wie wirst du mein sein? Es wurde augenblicklich beschlossen, dass das Mädchen und ich vom Lernen profitieren würden. In der Nacht vor dem Schulanfang vertraute ich dem Mädchen an, dass ich das was ich wahrnahm nur wahrnahm als einen Gefallen gegenüber dem was ich nicht wahrnahm; dass das Netteste, was ich mir für eine Person zu tun vorstellen konnte, die einzige Weise, wie ich für eine solche Person aus meinem Weg gehen konnte, das höchste mögliche Kompliment, das ich einer solchen Person machen konnte, war darauf zu achten, dass ich die Person gar nicht beachtete; dass ich zuweilen schummelte und mein Augenmerk auf die Person richtete, aber so vorsichtig, so sparsam, dass die Person nicht mehr als ein nackter Umriss, eine gedämpfte Kontur war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich konnte die Augen nicht von dem Mädchen lassen, während ich sprach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schule steckte man mich in eine Klassenstufe oberhalb des Mädchens. Man erklärte, dass die gefelderten Mädchen zu beiden Seiten von mir und die vorn und hinten meine Nachbarinnen seien. Ich hielt meine Augen auf meinem eigenen Text. Die Lehrerin unterbrach zuweilen unser stilles Lesen und forderte uns auf, uns etwas auszumalen  ein anderes Land, oder ein Tier  und wenn es ein Tier war, sah ich etwas Gnubbeliges oder Hervortretendes daran, das kaum dazugehörte und das sein Leben unbeherrschbar machte und vorteillos und trist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wer kriegt es an die Tafel? sagte die Lehrerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich war flink mit der Kreide, weil sie so schnell in meiner Hand verfiel. Ich hielt den Stab seitlich zwischen Daumen und Zeigefinger, puderte den Schiefer mit Wölkungen, die Flügel um Flügel der Tafel verschlangen. Die Lehrerin folgte hinterdrein, ihr gelangen bogengleiche Schwünge mit ihrem Radierer. Die Kreide, die ich wieder in den Halter fallen ließ, war auf einer Seite flach abgetragen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;261&quot; alt=&quot;lavandino&quot; width=&quot;320&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/lavandino.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich wurde schließlich von einer Frau aufgenommen, deren Tochter eine von denen sein musste, die ertrunken waren. Als die Zeit kam für soviel wie möglich von meinem Körper hinter dem einer Gitarre zu verschwinden, hatte ich die Wahl zwischen der glatten, körpersoliden Elektrischen von der Frau und der betagten Hawaianischen von der Tochter, einer Akustischen, die in einem mit weinfarbenem Filz ausgeschlagenen Kasten lag. Die Hawaianische, die, der ich erlag, war groß und von fülliger Form, mit f-förmigen Schalllöchern vorn und feinen Rissen, Kratzern, die ihren üppigen Rücken entlangliefen. Ich nahm die Gitarre herzlich, volljährig in meine Arme, aber ich brachte sie nicht einmal zum einfachsten der Akkorde. Das Übel waren meine Hände: ich war überhaupt nicht gut darin, die Finger meiner Linken auf die Art zu verkrüppeln, die es brauchte, um die Saiten gegen das Griffbrett zu pressen und um die Akkorde zusammenzustellen aus den losen, drahtigen Noten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich fütterte die Schalllöcher mit Unterwäsche  Höschen, Unterhemden , um die lärmige Klemme zu dämpfen, die ich auf die Ausfahrt der Frau hinausgeschleppt hatte. Ich betätigte die Saiten der Gitarre mit einem Q-Tip statt eines Plektrons. Ich erfand schließlich eine offene, schummelnde Stimmung. Ich klampfte die Akkorde mit meinem Daumen raus, über das Griffbrett abwärts perlend. Ich war somit auf die Hauptakkorde beschränkt, die zu abscheulichen, öffentlichen Läutungen meines Herzens gerieten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da waren andere niedergeworfene Mädchen entlang der Straße, mit Instrumenten, von denen sie nie die rechte Art zu spielen gelernt hatten: eine Saitenorgel, eine Snaredrum mit einer fimmelnden Schelle, die blockiert und riskant von oben herabhing, eine andere Gitarre  diese elektrisch und überdekoriert und in einen höhenlastigen Zwerg von Verstärker gesteckt. Diese Mädchen hörten, was aus den Akkorden wurde, die ich mit meinem knochenharten Daumen herausknüpfte. Der Krach wirkte auf die Mädels, sattelte sie. Eine Gruppe von ihnen fing an sich um mich auf dem Asphalt zu sammeln. Es war eine klitschige, hibbelnde Musik, die wir aus unsern Instrumenten zettelten und kitzelten und in das Letzte vom Sommer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sang in der Art, wie ich immer noch rede.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Lied war die schlimmste Art, die ich mir denken konnte, um nach dem zu fragen, wovon ich noch nicht wusste wie man es nicht will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;261&quot; alt=&quot;pavi2&quot; width=&quot;320&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/indenselbenfluss/images/pavi2.jpg&quot; /&gt;</description>
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