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Samstag, 10. Januar 2009

Dünnes Gebüsch (5)

AYOR_02_Siegessaeule

Foto: Jan-Holger Mauss, »AYOR«


Weil er darum gebeten hat, habe ich angefangen, ihn zu treten. Weil er verlangt hat, dass ich mich nicht beirren lasse, wenn er versucht, mir einzureden, es sei genug, höre ich nicht damit auf.

Wir sind hier da, wo ich mich allein niemals hingetraut habe – am oberen Ende des Flüsschens, oberhalb selbst der oberen Brücke, auf einem Stück Pfad, das von der Brücke vielleicht bis zu jener Stelle führt, wo das Flüsschen in den Kanal mündet, wahrscheinlich aber vorher abbiegt, wohin auch immer. Wäre er nicht einem andern hinterhergegangen, wäre ich ihm nicht gefolgt. Es war dieser Dritte, der das hier möglich gemacht hat, ein Zufälliger, einer von denen, durch deren Kommen und Gehen die Vorsehung Dinge einfädelt. Er war dann hinter zwei sich aneinander reibenden Birken verschwunden und hatte seinen Leib in einen sauerscharfen Geruch aufgelöst.

Zuerst wollte er, dass ich mich auf seinen Bauch stelle. Er schob das Hemd hoch und machte die Hose auf wie beim Arzt. Obwohl er nicht dick war, wackelte es, und ich musste um mein Gleichgewicht kämpfen. Mag sein, dass es nur dazu diente, mich wütend zu machen. Je länger ich trete, desto besser verstehe ich, was für ein genialer Stratege er ist: jemand, der den Kontrollverlust mit der Präzision eines Schachgroßmeisters herbeiführt.

Sein Überraschungszug, als mir irgendwann doch Skrupel kommen, ist das schwule Äquivalent eines Damenopfers. Er dreht sich so überraschend um – ich rutsche ab und wäre gefallen, geht auf alle Viere wie ein Hündchen, wackelt mit dem Arsch und fordert mich auf, ihm mit voller Wucht in die Eier zu treten, bis nichts Männliches mehr übrig sei. Er nennt das Geschlechtsumwandlung. Er zeigt zwischen den gespreizten Beinen durch und sagt: „Mach das weg!“

Über das nachtglatte Wasser trippelt das Knirschen der oberen Brücke wie ein Schwarm hässlicher, aber leichtfüßiger Tiere. Es ist eine Hängebrücke, federnd. Wenn Männer auf und ab laufen, um einander im Mondschein aus dem Augenwinkel zu bewerten, entsteht jedes Mal so ein Schwarm.

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