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Sonntag, 4. Mai 2008

Geistesgeschichte (Romanprojekt) *** Teil 20

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Roman von Anfang an lesen


Als Satoko diese Meldung auf der Titelseite las, stieß sie einen Schrei aus. Ich mußte nochmal zum Convenience Store zurück und alle übrigen Tageszeitungen kaufen, und wir verbrachten den Vormittag damit, den Fall bis in die letzte zugängliche Einzelheit zu rekonstruieren. Meine (zugegeben etwas halbherzigen) Versuche, das Gespräch auf die Berichterstattung selbst, die unterschiedlichen Reportagestile und den Kampf des Seriösen mit der Schönheit des Skandals zu lenken, prallten erfolglos an ihrer Erregung ab.

„Wie können Menschen so etwas tun?“ sagte sie.

Ich stimmte zu. Wie hätte ich ihr eingestehen sollen, daß sich dieses Ereignis nur durch einige skurrile Details von dem unterschied, was mich abends vor dem Einschlafen entspannte.

„Wie können Menschen so etwas tun?“

Female Bullies Beat the Hell Out of Some Girl
These two losers would've gotten a quick anal cleansing via that umbrella if this happened to a girl who had any fighting skills whatsoever. But alas, she does not.
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Das allgemeine Interesse an beinahe jedem sogenannten Thema enthält stets die Beimengung eines moralischen Empfindens. Auch wenn sie in manchen Fällen sehr gering ist, beruht das Kollektive, das unsichtbare Band, das die Aussagen eines Einzelnen über gewisse Schwingungen im Hintergrund der Worte, Gesten und Tätigkeiten mit denen aller anderen verbindet, im Grunde seines Wesens auf der Einigkeit oder Uneinigkeit bei moralischen Urteilen.

Natürlich sind Gewaltverbrechen nur deshalb so populär, weil die Lust, die es verschafft, sich die vielen schmutzigen Einzelheiten vorzustellen, zu einer mächtigen Verurteilung im Widerspruch steht, die unser Gewissen verkörpert – und aus dieser Spannung richtet sich das Entsetzen auf. Aber genauso interessiert man sich für die Liebe außerhalb des eigenen Gefühls nur dort, wo sie jemanden in Konflikte stürzt (Konflikte sind immer moralischer Art). Tomos Liebe zu mir hätte ein gutes Thema abgegeben, da er zugleich verheiratet war und seine Frau zumindest in Gedanken mit mir betrog. S. dagegen lebte in einer leeren, undefinierten Welt, die ihm alles erlaubte. Sein Begehren konnte scheinbar durch nichts gefährdet werden, und so gut ich ihn kannte, hatte ich bisher auch den Punkt nicht entdeckt, wo es sich selbst mit dem Verrat der letzten, existenziellen Lüge bedrohte. Satokos Liebe zu einem Unbekannten wäre mitreißender gewesen, hätte sie selbst eine aktivere Rolle darin gespielt. Nachdem S. sie von der Todeslinie fort quasi ins Abseits gezogen hatte, schienen die Konflikte zu schlafen. Wenn in der Sache irgendwo ein Drama steckte, lief es sehr weit innen, irgendwo in der Nähe des Selbstverständlichen ab.

Am langweiligsten in der Ordnung des kollektiven Interesses aber war ich selbst. „Jede dumpfe Umkehr der Welt hat solche Enterbten, denen das Frühere nicht und noch nicht das Nächste gehört“, heißt es einmal bei Rilke. Unter all den Schicksalen, die in der imaginären Bibliothek der Gegenwart gesammelt waren und von denen ab und zu ein Zeitungsartikel, ein Roman oder ein Spielfilm eines hervorzog, um es durch das Allgemeinverständliche zu schicken, hätte meins die schlechtesten Chancen, dachte ich.

Meine Mitleidlosigkeit ärgerte mich bis zu diesem Punkt, wo sie mir selbst als Mittelpunkt einer großen überkomplexen Ödnis erschien: Was fängt man an mit einem jungen Mann, der kein Gewissen hat – der nicht böse ist, sondern einfach auf eine freundliche Weise gewissensfrei? Dessen Bereitschaft, die Welt zu genießen, wie sie ihm zufällt, in seiner eigenen Seele auf keinerlei Widerstand trifft? Für den das Unmögliche wie eine Sänfte ist, in der man ihn den Berg hinaufträgt – für den jedoch nichts, einfach nichts zu einem wirklichen Hindernis wird, weil er keine Herausforderung annimmt und keinen Plan für sein Leben verfolgt? Was, um Himmels Willen, fängt die Welt an mit einem jungen Mann, der sich weigert, eine Zukunft herauszugreifen und stattdessen den Abgrund zwischen Früherem und Nächstem wie eine gläserne Zelle, eine Klause des verschlafenen Zusammenhangs bewohnt?

Das biographische Material meines Lebens war weit spektakulärer als Satokos banale kleine Angestelltentragödie. Dennoch, soviel wurde mir in dieser langen halben Stunde klar, hätte der Autor, der durch das Schieferdach unseres gemeinsamen Häuschens lugte und nach einem Thema suchte, unfehlbar sie ausgewählt. Mit den schwebenden perversen Teilchen in der trüben Flüssigkeit meines Daseins ließ sich keine Geschichte erzählen. Obwohl ein einflußreicher Mann Millionen Yen für mich ausgegeben hatte, war ich in den Augen der interessiert nickenden Gegenwart einfach nicht da.

Ich blickte zu Satoko herüber, die zum werweißwievielten Mal denselben Artikel studierte. Bisher war das Verhältnis zu ihrem Kind von dem Willen bestimmt gewesen, ihrem gemeinsamen Leben ein Ende zu setzen, bevor das Schickalhafte daran über sie hinauswuchs. Als sie sich nun bei mir wiederfand, gerettet und zugleich von einer fremden Hand verschoben, waren zunächst nur Enttäuschung, Fassungslosigkeit und eine träge, gleichmütige Stille übriggeblieben. Doch mit der schockierenden Nachricht von einem anderen, weitaus schlimmeren Schicksal kehrte auf einmal die Zukunft in Satokos Leben zurück. Ab diesem Tag begann sie sich ernstlich Sorgen zu machen.

Fortsetzung folgt


Evil Kids Abuse and Humiliate a Girl in Romania
She shouldn't complain. She got a free haircut out of it.
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