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Samstag, 30. Juni 2007

Ich bin nicht allein #2 - Jo

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af: und wie machst du das?

Jo: mach ich was?

af: mit satan?

Jo: oh, das.

af: wie empfängst du ihn?

Jo: das ist mir zu persönlich. wir kennen uns noch nicht so lange.

af: zwei nächte. zwei sehr lange und sehr dunkle nächte. ich weiß bereits dinge von dir, die du nicht mal deinem einzigen freund erzählt hast.

Jo: okay, der chat gestern nacht war

af: war was?

Jo: es ist nicht so, dass ich mich dir nicht verbunden fühlen würde. ich habe so einen trick, so einen trick, um mich benutzbar zu machen.

af: was machst du?

Jo: ich weiß nicht. schwer zu sagen. es ist nicht, dass ich etwas bestimmtes tue. ich meine, ich liege meistens nackt auf dem bett. oder mit offener hose. ich will schon, dass satan mich sexy findet, weil ich glaube, dass satan auf jungs steht, die sexy sind, dass er sehr sorgfältig prüft, ob ein junge das gewisse etwas hat, ehe er in ihn eindringt, und ich will, dass er den schimmer meiner haut bemerkt. weil ich glaube, dass ich im richtigen licht eine silberschwarz schimmernde haut habe, die satan erregt.

af: also du liegst da und bis nackt oder oben nackt und mit offener hose. was dann?

Jo: ich weiß nicht.

af: du weißt nicht?

Jo: ich mache mich benutzbar. das ist mehr so ein innerer vorgang.

af: du meinst mental oder psychisch?

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Jo: nein, körperlich. aber innerlich. etwas zwischen meinen organen. etwas, was sich verschiebt.

af: zwischen welchen organen?

Jo: ich weiß nicht. es ist eher unten, eher hinten. was ist da?

af: dein darm.

Jo: ja, vielleicht. es gibt verschiedene därme.

af: einen dünndarm und einen dickdarm. der letzte abschnitt des dickdarms heißt enddarm.

Jo: wenn es passiert, fühlt es sich an, als ob es noch einen anderen darm gibt.

af: vielleicht dein blinddarm. hast du den noch?

Jo: kann sein. ich weiß nicht. glaube schon.

af: wurdest du operiert?

Jo: ich erinnere mich, dass ich als kind ins krankenhaus musste. wenn ich abends fleisch gegessen habe, erinnere ich mich oft an einen traum, wo mein sehr weißer und irgendwie abgeschmirgelter körper auf einem op-tisch liegt und eine ganze mannschaft von ärzten um mich herum den kopf schüttelt. ich bin halb aus der narkose aufgewacht und frage, ob es zu früh ist, ob es ein fehler ist schon aufzuwachen, ob ich weiterschlafen soll, aber die ärzte schütteln den kopf, und es beugen sich immer mehr über mich und schütteln den kopf, auch schwestern mit einem angeekelten gesichtsausdruck, und sie alle schütteln den kopf.

af: beschreib die empfindung in deinem darm oder zwischen deinen därmen. genauer.

Jo: als meine schwester schwanger war, hat sie erzählt, wie sie jeden morgen auf dem klo beim kacken das gefühl hatte, dass noch was anderes sich löst. was was eigentlich drin bleiben sollte. als ob ein stück von ihrer wirbelsäule über nacht weich geworden wäre und jetzt

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af: hast du es mal mit einem messer versucht?

Jo: in welchem sinne mit einem messer?

af: dich zu öffnen. um ihm dein inneres darzubieten.

Jo: du meinst aufschneiden? mich aufschneiden?

af: mit einem messer oder einer scherbe. jemand, den ich begleitet habe, hat es mit dem abgerissenen blechstück einer coladose gemacht.

Jo: das geht nicht, die gehen nach innen.

af: er hat den kleinen finger seiner rechten hand ganz in die öffnung gesteckt und es mit aller kraft nach oben gedrückt. es hat ihm fast den finger abgeschnitten, aber er hat es geschafft. eine nagelschere tut es auch.

Jo: hör auf, ich habe einen megahorror bei der vorstellung, dass etwas in meine haut schneidet. meine haut

af: ja?

Jo: mann, mir wird übel, wenn ich bloß daran denke. meine haut ist alles was ich habe.

af: was ist mit deinen gedärmen?

Jo: meine haut

af: geht’s dir gut?

Jo: mir ist wirklich üblich. warum hast du von aufschlitzen angefangen? mir ist übel. ich glaub ich muss kotzen.

af: beruhig dich. denk an was anderes. denk an dein kuschel-warzenschwein. wie heißt es?

Jo: meine haut ist wie ein sehr schönes schwarzes seidenes hemd, das jemand bei mir vergessen hat und das ich jeden tag anziehe, anstatt es ihm zurückzugeben. dieses hemd ist einfach so unglaublich leicht und so weich. und es duftet an den achseln schwach nach etwas unbekanntem. ich möchte es nie wieder ausziehen, aber ich bereite mich jeden tag auf den tag vor, wo ich dem anderen, dem es gehört, zufällig begegne und es ihm zurückgebe. falls ich ihn treffe, werde ich es ihm zurückgeben müssen. und ich habe eine wahnsinnige angst, dass etwas mit dem hemd passiert, dass es flecken kriegt oder risse. flecken kann man wieder rauswaschen, aber risse. das schlimmste, was passieren könnte, wären risse.

af: aber nen ring durch die lippe gestochen

Jo: das ist was anderes. das ist sexy. es ist sehr wichtig, dass ich sexy bin.

af: wäre ich satan, würde ich das mit einem fauchen bestätigen, das dir das gesicht röstet. brandnarben stünden dir gut. aber leider bin ich nur ein müder sadist, dem es nicht mal mehr gelingt, einen zugedröhnten teenager dazu zu überreden, sich den darm aufzuschlitzen.

Jo: ich bin NICHT zu gedröhnt! ich nehme überhaupt keine drogen. never! ever!

af: gäääähn. ich glaub, ich mach mich vom acker.

Jo: ich dachte, du meinst den bauch.

af: meine womit?

Jo: mit dem aufschlitzen. ich dachte, du meinst dort aufschlitzen, wo die blinddarmnarbe wäre.

af: nein, ich dachte an den dickdarm. den enddarm. scheiße, ich bin wirklich zu tode erschöpft von diesem endlosen gelaber den ganzen abend. ich mache das schon den ganzen abend seit sechs oder so, du bist der fünfte oder so. ich brauche ne mütze voll schlaf.

Jo: wenn wir uns morgen nacht wieder begegnen, erkläre ich dir, wie ich es anstelle, meinen darm benutzbar zu machen. es ist wie wenn man sehr seitlich verdreht sitzt, und dann entsteht ungefähr auf der höhe des steisbeins oder wie das heißt eine schmale, längliche öffnung. aber im liegen.

af: meinetwegen. gute nacht.

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Jo: normalerweise schreibe ich gern noch allein weiter, nachdem ich weiß, dass der andere sich schon ausgeloggt hat und ich wirklich allein bin. normalerweise wirkt das befreiend. mir fallen dann plötzlich die richtigen worte für all das ein, was ich während des chattens sagen wollte. normalerweise ist die totale entspannung bei diesem alleinbleiben das genialste, und ich laufe dann in der sprache umher wie in einem riesigen alten haus, das meine eltern gekauft und dann vergessen haben, als sie umgezogen sind, genau wie mich oder so. die dunkelheit des hauses hat nichts bedrohliches. im gegensatz zu der meines zimmers. sie ist eher so, als hätte jemand dafür gesorgt, dass es nirgendwo blendet. und es gibt keine staubsaugergeräusche, die nerven. und keine babyschreie. es gibt überhaupt nichts schneidendes

***

Dies war eine Fiktion!

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